St. Veit "stirbt aus": Mehr Todesfälle als Babys
Kärntner Trend setzt sich im Bezirk fort: Während dort im Vorjahr 585 Menschen starben, wurden 451 Neugeborene gemeldet. Sieben Gemeinden weisen positive Entwicklung auf.

Foto © KLZ/HolzfeindDie Gräber auf den Friedhöfen, wie hier in St. Veit, werden immer mehr. Doch immer weniger Kinder kommen im Bezirk zur Welt
Kärnten ist das einzige Bundesland Österreichs, in dem die Bevölkerungszahl zurückgeht (die Kleine Zeitung berichtete). Dieser Trend macht auch vor dem Bezirk St. Veit nicht halt. Neben Abwanderung ist das Missverhältnis zwischen Geburten und Sterbefällen ein Hauptgrund. Im Jahr 2011 starben im Bezirk 585 Menschen, aber nur 451 St. Veiter kamen auf die Welt - und die Schere geht schon seit Jahren auseinander.
Sehr dramatisch wirken auf den ersten Blick die Zahlen in der Gemeinde Eberstein. Dort wurden im Vorjahr nur acht Neugeborene gemeldet, aber 30 Gemeindebürger starben. "Bei uns hängt das mit dem Altenheim ,Haus Anna' zusammen. Die Bewohner sind natürlich alle bei uns mit Hauptwohnsitz gemeldet. Das Haus hat 50 Betten. Deshalb sehen in einer kleinen Gemeinde die Zahlen dann gleich eklatant aus", sagt Bürgermeister Andreas Grabuschnig.
Trotzdem denkt er natürlich nach, wie man die Abwanderung stoppen könnte. Doch für weitreichende Maßnahmen gibt es nicht genug Finanzmittel. Er freut sich aber, dass es seit drei Jahren eine zweite Kindergruppe in der Gemeinde gibt, was dafür spricht, dass sie nicht ausstirbt.
Mehr Kinderbetreuung
Auch in Straßburg sehen die Zahlen nicht rosig aus. Dort starben im Vorjahr 32 Personen, aber nur 15 wurden geboren. "50 Prozent der Sterbezahlen sind auf das Altenheim ,Laetitia' zurückzuführen", sagt Bürgermeister Franz Pirolt. Ansonsten seien die Zahlen leicht rückläufig. "Aber wir werden dieses Jahr wieder acht Wohnungen übergeben und versuchen, Jungfamilien einen Zuschuss zukommen zu lassen. Eine weitere Maßnahme ist, dass wir eine durchgehende Kinderbetreuung anbieten. Von der Krabbelstube bis zum Kinderhort", sagt Pirolt.
Aber auch die Bezirkshauptstadt St. Veit ist - trotz Arbeitsplätzen und Infrastruktur - vor einer negativen Bevölkerungsentwicklung nicht gefeit. Dort wurden im Vorjahr 103 Kinder geboren, aber 151 Gemeindebürger verstarben im gleichen Zeitraum.
Stadtnähe als Pluspunkt
Eine positive Bevölkerungsbilanz ziehen 2011 hingegen Gemeinden im Einzugsgebiet der Stadt - wie etwa Liebenfels, Mölbling oder Frauenstein. In letztgenannter Gemeinde wurden im Vorjahr 38 Kinder geboren, während 20 Personen gestorben sind. "Ehrlich gesagt weiß ich nicht, warum es dieses Mal so positiv ausgefallen ist. Jedenfalls bin ich sehr erfreut darüber. Denn so kann man die Schul- und Kindergartenstandorte in Zukunft sichern", sagt Bürgermeister Karl Berger. Die Gemeinde Frauenstein profitiert zwar von der Nähe zur Bezirkshauptstadt St. Veit, kämpft aber ansonsten auch mit Geburtenrückgang und Abwanderung. "Grundsätzlich fehlt uns für größere Maßnahmen das Geld", sagt Berger.
Auch die Stadt Althofen weist eine positive Bilanz auf. Bürgermeister Manfred Mitterdorfer führt das auf die für Jungfamilien guten Rahmenbedingungen zurück: "Wir sind seit Jahren ein Zuzugsgebiet, vor allem für junge Familien. Außerdem verfügen wir über eine durchgehende Kinderbetreuung und haben eine gute Infrastruktur."
Features
Der Vergleich
Bezirk. Im Vorjahr wurden im Bezirk 451 Kinder geboren, 585 Menschen starben.
Abnahme. In diesen Gemeinden sind im Vorjahr mehr Menschen gestorben als geboren wurden: Deutsch-Griffen (gestorben 13, geboren 6), Eberstein (gestorben 30, geboren 8), Friesach (gestorben 73, geboren 42), Glödnitz (gestorben 11, geboren 5), Hüttenberg (gestorben 20, geboren 10), Kappel am Krappfeld (gestorben 18, geboren 8), Klein St. Paul (gestorben 19, geboren 8), Metnitz (gestorben 27, geboren 23), Micheldorf (gestorben 9, geboren 3), St. Georgen am Längsee (gestorben 34, geboren 23), St. Veit (gestorben 151, geboren 103), Straßburg (gestorben 32, geboren 15) und Weitensfeld (gestorben 26, geboren 12).
Zunahme. Eine positive Bevölkerungsentwicklung wiesen im Vorjahr auf: Althofen (gestorben 27, geboren 48), Brückl (gestorben 23, geboren 27), Frauenstein (gestorben 20, geboren 38), Gurk (gestorben 5, geboren 15), Guttaring (gestorben 9, geboren 13), Liebenfels (gestorben 28, geboren 32), Mölbling (gestorben 10, geboren 12). -












