Steinerne Zeugen des Glaubens
In einem Fotoband werden Wehrkirchen und Bildstöcke in Kärnten dargestellt. Sie sind Zeichen tiefer Volksfrömmigkeit und früher Selbstorganisation. Michael Leischnet lieferte für das Werk die Bilder, Wilhelm Deuer die Texte.

Foto © KK/LeischnerMichael Leischner lieferte die Bilder, Wilhelm Deuer die Texte - so auch zum "Schönen Kreuz" unterhalb von Hochosterwitz
Die Idee stammt vom bekannten Villacher Fotografen Michael Leischner, der dem Leiter des Heyn-Verlages, Achim Zechner, eine ganze Reihe toller Fotos von Wehrkirchen und Bildstöcken in Kärnten vorlegte. Zechner wiederum wandte sich an Wilhelm Deuer, stellvertretender Direktor des Kärntner Landesarchivs, mit der Bitte um die Kommentierung der Bilder. Herausgekommen ist das Buch "Wehrkirchen und Bildstöcke. Gebauter Glaube in Kärnten", zu dem Bischof Alois Schwarz das Vorwort verfasste. Und obwohl Wehrkirchen und Bildstöcke eigentlich nichts miteinander zu tun haben, ist diese Publikation ein geglückter Versuch der Darstellung christlichen Handelns.
"Bildstöcke sind die unmittelbarste Ausdrucksform der Volksfrömmigkeit", sagt Deuer. Bildstöcke hatten unterschiedliche Funktionen. Sie wurden an Wegkreuzungen errichtet, an Dorfgrenzen oder sie sind - etwa wie die Pestkreuze - Gedenksteine. Bildstöcke waren aber auch einem steten Wandel unterworfen. "Das sieht man an den verschiedenen Formen, von denen es im Buch zahlreiche Beispiele gibt. Dazu kommen die Bildstockmaler, von denen viele eine unverwechselbare Handschrift aufweisen", erklärt Deuer.
Denkmäler der Selbsthilfe
Sieht man von den Kirchenburgen in Siebenbürgen ab, so darf sich Kärnten rühmen, die am besten erhaltenen Wehrkirchen zu besitzen. Landläufig glaubt man, dass sie zur Abwehr der Türken dienten, doch Deuer - und hier spricht der Wissenschafter und unermüdliche Forscher - will herausgefunden haben, dass zumindest ein Teil von ihnen - schöne Beispiele sind Diex und Grafenbach - erst 40 Jahre nach den Türkeneinfällen erbaut wurden. "Das dokumentieren Baunachrichten, so welche vorhanden sind", meint Deuer, der Wehrkirchen als "schöne Denkmäler der frühen Selbstorganisation und Selbsthilfe" bezeichnet.
Eine Ausnahme, ebenfalls im Buch dargestellt, ist Stein im Jauntal, auf den ersten Blick ebenfalls eine Wehrkirche. "Doch hier gab es zuerst eine Burg, die später zu einer Kirche ausgebaut wurde. Dort wurden die Reliquien der Hildegard von Stein verehrt, bis sie zum Großteil verschleppt wurden", weiß Deuer. Hildegard von Stein, an deren Mildtätigkeit jährlich im Feber der Brauch des Striezelwerfens erinnert, hat in dieser Burg übrigens nie gelebt. Von ihrem Domizil am Steiner Berg existieren nur mehr Ruinenreste.
Typisch fürs Mittelalter
Am rechten Ortsrand von Breitenstein in der Gemeinde Frauenstein steht rechts des Wimitzbaches dieser Tabernakelbildstock, der typisch ist für das Spätmittelalter. Die Malereien, die einer Restaurierung bedürfen, wurden in den 1970er Jahren von der Malerin Friederike Koschitz geschaffen. Die Westseite zeigt die Taufe Christi.
Erfolgreich gegen Türken
Eine besonders sehenswerte Kirche zu Ehren der Himmelfahrt Mariä befindet sich in Maria Rojach. Der gotische Bau aus dem 14. Jahrhundert ist von einer umlaufenden Mauer umgeben, die auf die Türkenzeit zurückgeht. Im Kircheninneren erinnert heute noch ein Ölgemälde von 1819 an die erfolgreich abgewehrte Türkenbelagerung im Jahr 1480.
Späte Wehrhaftigkeit
Die Kirche von Grafenbach erhielt nach den Türkeneinfällen bis 1532 eine aufwendige Befestigung, die weitgehend erhalten geblieben ist. Kirche, Turm, Mauer und Torbau besitzen noch immer die ursprüngliche Steinplattldeckung. Wilhelm Deuer glaubt, nachweisen zu können, dass viele Wehrkirchen in Kärnten erst nach den Türkeneinfällen errichtet wurden.
Features
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Bild vergrößernTabernakelbildstöcke waren typisch für das Spätmittelalter. Hier wird die Taufe Christi gezeigtFoto © KK/Leischner
Tabernakelbildstöcke waren typisch für das Spätmittelalter. Hier wird die Taufe Christi gezeigtGrafik © KK/Leischner
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Bild vergrößernDiese sehenswerte Kirche zu Ehren der Himmelfahrt Mariä befindet sich in Maria RojachFoto © KK/Leischner
Diese sehenswerte Kirche zu Ehren der Himmelfahrt Mariä befindet sich in Maria RojachGrafik © KK/Leischner
SCHAUEN & LESEN
Buchtipp. Michael Leischner: "Wehrkirchen und Bildstöcke. Gebauter Glaube in Kärnten", Fotoband, Verlag Heyn, 144 Seiten, 29 Euro. Mit einem Vorwort von Bischof Alois Schwarz und Texten von Wilhelm Deuer.













