Straßburgs besondere Jugend-WG
Die "Burg" wurde eröffnet. Im "pro mente"-Haus, das um 1,4 Millionen Euro gebaut wurde, erhalten Kinder aus zerrütteten Familien Chance auf "normales" Leben.
Fünf Jugendliche gewöhnen sich derzeit an ihre neue Wohngemeinschaft in der "Burg", die um 1,4 Millionen Euro in Straßburg errichtet wurde. Trägerverein ist "Pro Mente". Im Vorfeld und auch jetzt beim Start erhitzte das Sozialprojekt allerdings die Gemüter der Anrainer.
Ein umgeworfener Mistkübel und ungebührliche Kommentare waren die ersten Eindrücke, die Bürger von den neuen Einwohnern erhielten. "Das Verhalten der Jugendlichen war nicht in Ordnung. Wir müssen hinterfragen, ob es richtig war, die Jugendlichen alleine ausgehen zu lassen", sagt Paul Streit, Geschäftsführer von "pro mente".
Positive Grundstimmung
Er wollte im vollen Rathaussaal vor mehr als 100 Straßburgern nichts verharmlosen, bat aber um eine faire Chance für die Kinder: "Die Gemeinde hat die Atmos-phäre geschaffen, das Projekt umzusetzen. Jetzt sind alle Beteiligten gefordert." Auch Bürgermeister Franz Pirolt und Sozialreferent Landesrat Christian Ragger appellierten an die Bevölkerung, eine positive Grundstimmung beizubehalten.
Bis zu 20 schwer erziehbare oder traumatisierte Kinder und Jugendliche aus Problemfamilien werden künftig in der Wohngemeinschaft von 17 Mitarbeitern rund um die Uhr betreut. Georg Spiel, ehemaliger Primar der Neuropsychiatrie in Klagenfurt, ist für die medizinische Begleitung verantwortlich. Ein Betreuer managt jeweils drei Kinder. Die Stadt Straßburg hat das Projekt von Beginn an unterstützt und stellte das Grundstück zur Verfügung. "Für eine positive Entwicklung ist das überschaubare Straßburg besser als eine zentrale Großstadt", so Streit und Christine Gaschler-Andreasch (Leiterin der Jugendwohlfahrt des Landes). Die Bürger signalisierten am Ende des Abends Bereitschaft, den Umgang mit den Klienten lernen zu wollen.
Features
FAKTEN
Kosten. 1,4 Millionen Euro (Baukosten trägt die Landeswohnbaugesellschaft).
Trägerverein. "Pro Mente" (Geschäftsführer Paul Streit), der Verein bekommt für jedes Kind einen Tagsatz von 129 Euro von der Sozialabteilung des Landes.
Leiter in Straßburg. Aaron Radaelli und Ingrid Lappan.












