"Kündigung wird es sicher keine geben"
Die katholische Kirche muss Sparstift stark gespitzt ansetzen. Wegen Austrittsrekord gab es 2010 erstmals Minus beim Kirchenbeitrag. Bilanz dennoch ausgeglichen.

Foto © FotoliaStille Andacht in der Kirche. Die Kirchenführung denkt über neue Wege nach
Kräftigst durchgebeutelt hat es im Vorjahr auch die katholische Kirche in Kärnten. Bedingt durch die bekannt gewordenen Missbrauchsfälle aus der Vergangenheit verdoppelten sich die Austrittszahlen auf den Höchstwert von 5639. Doch die vor einem Jahr geäußerten Befürchtungen, dass es deshalb einen Einnahmenverlust aus den Kirchenbeiträgen von bis zu 400.000 Euro geben könnte, sind nicht eingetroffen. Zwar gab es im Vorjahr erstmals überhaupt bei den Einnahmen aus den Kirchenbeiträgen ein Minus. Mit 0,6 Prozent oder 150.000 Euro weniger fiel es aber deutlich kleiner aus als befürchtet. Der Kirchenbeitrag ist an das Einkommen der Zahler gekoppelt. Nach dem Wirtschaftskrisenjahr 2009 gab es 2010 bessere Einkommen und mehr Beschäftigte, erklärt Franz Lamprecht, Finanzkammerdirektor und Ökonom der Diözese Gurk. Weil auch der Sparstift der Diözese gewirkt hat, konnte Lamprecht gestern eine ausgeglichene Finanzbilanz für das Krisenjahr 2010 präsentieren: Einnahmen und Ausgaben machten 33,75 Millionen Euro aus. Wobei 70 Prozent der Einnahmen aus dem Kirchenbeitrag stammen, das sind 23,6 Millionen Euro.
Im ersten Halbjahr 2011 sei die Austrittswelle deutlich "abgeebbt", auch durch das offensive Krisenmanagement von Bischof Alois Schwarz nach den Missbrauchsfällen, doch die Beitragszahlen bleiben ein Sorgenkind für die Diözese.
Zum einen gibt es weiter die Säkularisierungswelle, immer mehr Menschen unterscheiden zwischen ihrem persönlichen Glauben und der Amtskirche, zum anderen wirken sich Geburtenrückgang und Abwanderung in Kärnten aus. "Wir verlieren jährlich rund 1500 Mitglieder", so Lamprecht.
Der Spardruck bleibt der Kirche also für die Zukunft erhalten: "Wir müssen klar festlegen, welche Aufgaben unverzichtbar sind - etwa die Seelsorge, und auf welche wir verzichten können. Die Verwaltung ist so knapp wie möglich zu halten, wir müssen besser kooperieren", sagt der Ökonom Lamprecht. So wie zuletzt Generalvikar Engelbert Guggenberger schließt er aus, dass es unter den 512 Laienmitarbeitern Kündigungen geben wird. Dienstposten würden ausschließlich durch natürlichen Abgang eingespart.
Verkäufe von Diözesanbesitz - wie zuletzt das Studentenhaus Concordia? "Da steht im Augenblick nichts an." Wie es in der Diözese mittelfristig weitergeht, das soll mit einem kurz vor dem Sommer gestarteten Leitbild-Prozess (siehe oben) unter Vorsitz von Bischof Alois Schwarz abgesteckt werden.
Features
Die Bilanz 2010
Die Diözese Gurk hatte 2010 Einnahmen und Ausgaben von 33,75 Millionen Euro.
Personalkosten für 232 Priester, 512 Laienmitarbeiter: 21,3 Millionen Euro, das sind 90 Prozent der Beitragseinnahmen.
Für die 336 Pfarren, 1000 Kirchen und 700 pfarrlichen Gebäude gab es fünf Millionen Euro Zuschuss.












