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Zuletzt aktualisiert: 12.02.2011 um 20:16 UhrKommentare

Der "Herr Karl" und sein Gastspiel im Görtschitztal

Helmut Qualtinger war in seiner Jugend oft in Lölling zu Besuch. Verwandte des bekannten Schauspielers erinnern sich an den Jungen, der schon damals nur Theater im Kopf hatte.

Vorsichtig zieht Uta Pirker (73) eine vergilbte Zeichnung aus einer Mappe. "Der Mann mit dem erhobenen Zeigefinger ist der Oberförster. Er dürfte den anderen drei Personen, die darauf zu sehen sind, eine Standpauke halten. Schauen Sie nur, wie diese bedrückt dreinschauen", sagt die Pensionistin und zeigt auf die Zeichnung. Die anderen drei Figuren sind Großonkel, Großtante und in einem Selbstbildnis der Zeichner höchstpersönlich. Und bei diesem handelt es sich um keinen Geringeren als Helmut Qualtinger, den österreichischen Schauspieler, Schriftsteller und Kabarettisten - den großen Kritiker, Grantler und Zyniker.

Pirker - sie wohnt in Semlach, im Dreieck zwischen Hüttenberg, Knappenberg und Lölling - kramt weitere Blätter hervor. Darauf sind wieder Karikaturen zu sehen. Figuren aus der Märchenwelt, wie der gestiefelte Kater, Professoren, Ordensleute und einige mehr. All diese Zeichnungen stammen aus der Feder des 1986 verstorbenen Qualtingers. Sie entstanden bei seinen Aufenthalten im Görtschitztal.

Der Schauspieler, der in seiner Paraderolle den "Herrn Karl" verkörperte, verbrachte in seiner Jugend die Sommerferien oft in Lölling. Von dort stammte seine Mutter Ida. "Wenn Helmut nach Lölling kam, wohnte er bei seiner Großtante Elise Guggi und deren Familie im Forsthaus", sagt Pirker. Von dort ging es nach Semlach hinauf, um den anderen Verwandten, wie Großcousine Uta, die damals ein kleines Mädchen war, einen Besuch abzustatten.

Anders als andere Kinder

"Ich war schon als Kind nicht sehr jung, und das hat sich nie geändert." Dieses Zitat Helmut Qualtingers steht im Buch "Helmut Qualtinger - Quasi ein Genie". Und dass er tatsächlich nicht so war, wie andere heranwachsende Menschen in seinem Alter, bestätigt Inge Ramprecht (77). Die gebürtige Knappenbergerin, die seit 1957 in Althofen wohnt, ist ebenfalls eine Großcousine Qualtingers.

"Man konnte sich mit ihm kaum unterhalten, denn es war nur Theater in ihm. Er lebte in einer eigenen Welt", sagt Ramprecht. Ob die Semlacher Kinder es wollten oder nicht: Wenn er zu Besuch kam, mussten sie seine Theatervorstellungen artig anschauen. Dabei parodierte er Hans Moser, Paul Hörbiger und andere Schauspieler der damaligen Zeit. "Die wir aber nicht kannten, weil es in Hüttenberg kein Kino gab", sagt Ramprecht.

Am meisten Kontakt hatte Qualtinger bei seinen Aufenthalten in Lölling mit Erich Guggi. Der heute 79-Jährige erinnert sich: "Er konnte nicht normal reden und musste immer jemanden nachäffen." Zudem hat er den um vier Jahre jüngeren Erich gerne geärgert. "Ich hatte nie einen guten Bezug zu ihm", sagt Guggi.

Besuch beim Wirt

In späteren Jahren wurden Qualtingers Besuche in der Heimat seiner Mutter sehr rar. 1966 war er einmal mit seinem Sohn Christian Heimito dort. Von diesem Aufenthalt zeugt ein Eintrag im Gästebuch des damaligen Gasthauses "Zenzwirt" in Semlach, wo Ida Pirker wohnt. "Mit Christian habe ich heute noch Kontakt. Wenn ich in Baden auf Kur bin, gehe ich mit ihm zeichnen", sagt Pirker. Sie hat nach ihrer Pensionierung das Talent zum Zeichnen entdeckt - das wohl irgendwie in der Familie liegt . . .

PETRA LERCHBAUMER

ZUR PERSON

Name. Helmut Qualtinger

Geboren. Am 8. Oktober 1928 in Wien, gestorben am 29. September 1986

Beruf. Schauspieler, Schriftsteller, Kabarettist, Regisseur, Filmkritiker

Familie. Qualtinger war zwei Mal verheiratet. Sohn Christian Heimito

Paraderolle. "Der Herr Karl"

Filme (Auszug). "Geschichten aus dem Wienerwald", "Lumpazivagabundus", "Der Name der Rose"

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