"Bei mir geht es noch ohne Pillen"
Jürgen Melzer weilte in St. Veit/Glan, um einen Uhrenvertrag zu unterschreiben. Dabei plauderte er über die ewigen Schmerzen der Leistungssportler, zukünftige Kinder und warum er nicht die Nummer eins wird.

Foto © APAJürgen Melzer
Sie gehören nun zu den Top Ten der Tennis-Weltrangliste. Kann es noch weiter nach oben gehen?
JÜRGEN MELZER: Bis zur Nummer fünf kann es schnell gehen. Auf die Plätze drei und vier fehlt noch ein bisschen. Die Ränge eins und zwei sind mehr als nur schwierig zu erreichen für mich. Dazu fehlt mir einfach die Konstanz, ständig Spieler aus den Top Fünf schlagen zu können. Nadal, Federer und Djokovic schaffen das.
Heute stehen Sie mit einem strahlenden Gesicht hier, werden von den Fans verehrt, selbst von de größten Gegnern respektiert. Gab es bei Ihnen einmal eine Zeit, in der Sie an sich zweifelten?
MELZER: Ja, nach meiner Handgelenksverletzung 2007 folg ich 2008 aus den Top 100. Da gab es Momente, wo ich dachte - jetzt ist es aus. Doch mein neuer Trainer, Joakim Nyström glaubte immer an mich, animierte mich zum Weitermachen.
Wenig später wechselten Sie ihr gesamtes Umfeld aus. Eine mutige Entscheidung?
MELZER: Ja und Nein, denn die Entscheidung reifte länger in mir. Natürlich ist es immer ein Risiko, einen so radikalen Schnitt zu machen. Er erwies sich als richtig.
Können Sie kurz einen Tagesablauf von Ihnen beschreiben?
MELZER: Wenn ich kein Turnier spiele, absolviere ich von 9 Uhr bis 10.15 Uhr eine Ausdauereinheit, danach stehen 2,5 Stunden Tennis auf dem Programm. Zum Abrunden folgen Koordinations- und Kraftübungen. So an die sechs Stunden bin ich schon beschäftigt.
Apropos beschäftigt. Beschäftigen Sie sich auch mit den schweren Verletzungen im alpinen Schisport?
MELZER: Es ist schlimm, was mit dem Hansi Grugger passiert ist. Auch d er Ausfall der anderen zwei Österreicher für die WM tut weh. Ich muss aber sagen - jeder weiß, auf was er sich einlässt, wenn er auf eine Abfahrt geht. Da fährt ein Unfall praktisch immer mit.
Das heißt, Sie sind froh, nicht so einen gefährlichen Sport gewählt zu haben?
MELZER (lacht): Schon, aber Verletzungen passieren auch bei uns. Von den schweren, bis auf meine Handgelenksgeschickte, blieb ich bisher immer verschont.
Müssen Sie trotzdem, wie viele ihrer Kollegen, täglich Schmerzmittel schlucken?
MELZER: Bei mir geht es noch ohne Pillen. Außerdem lernt man, mit Schmerzen umzugehen. Da gehört zum Handwerkszeug jedes Topathleten. Ich hoffe, meine werden nie mehr als sie jetzt sind.
Sie sind nun schon eine Weile mit Mirna Jukic zusammen, denken sicher auch daran, einmal eine Familie zu gründen. Sollen Ihre Kinder einmal Spitzensportler werden dürfen?
MELZER: Sollte einmal so weit sein und das Kind ein Talent haben, werde ich es fördern. Ich werde aber nie sagen, es muss. Auch die Sportart dürfte es sich aussuchen. Halt, nein! Boxen käme nie infrage.
In wenigen Tagen kommt Ihre Jacques-Lemans-Uhrenkollektion auf den Markt. Bestimmten Sie beim Designe mit?
MELZER: Ich bekam Design-Vorschläge und habe ausgesucht. Da die Uhren in 120 Ländern vertrieben werden, rechne ich damit, dass eine ordentliche Anzahl über die Ladentische geht.
Wissen Sie, wer aus den Top Ten noch eine eigene Uhrenkollektion hat?
MELZER: Nur Roger Federer und Rafael Nadal. So gesehen bin ich die Nummer drei der Welt.
Features
Zur Person
Jürgen Melzer wurde am 22. Mai 1981 in Wien geboren.
Der Linkshänder steht derzeit auf Position 10 der Weltrangliste.
Größte Erfolge: 3 Einzel- (2 x Wien, Bukarest) und 8 Doppel-Titel.

















