Pfarrer kämpfen um das Kirchenvolk
Der katholischen Kirche laufen Schäfchen davon: 580 Menschen traten im Bezirk 2010 aus. Mit viel Engagement kämpfen Pfarrer dagegen an.
Gotteskrise" nennt Richard Pirker, Pfarrer von Friesach, den Zustand, in dem sich die Gesellschaft befindet. "Die Menschen verbinden den Glauben nicht mehr mit der katholischen Kirche", sagt er. Und das führt vielfach zum Austritt, allein das Dekanat Friesach musste im Vorjahr 77 Austritte verkraften, 21 waren es 2009.
Die galoppierende Austrittswelle, die den Bezirk erfasst hat, hat aber mehrere Gründe: die Missbrauchsfälle in der Gesamtkirche, die "Gotteskrise", die Pluralisierung der Gesellschaft. 580 Austritte musste die katholische Kirche im Bezirk St. Veit, der in vier Dekanate eingeteilt ist, 2010 verkraften. Wie viele es noch werden können, weiß niemand. "Wir haben ein Imageproblem", sagt Pirker. Dagegen will man etwas unternehmen.
Vielfaches Engagement
Pirker ist einer, der schon viel tut. Es gibt eine Singgruppe, es werden Musicals aufgeführt, die Caritas betreibt zwei Behindertenheime, der indische Diakon Antony Valiaparambil lud im Vorjahr zum indischen Abend und Pirker will heuer ein Sommerlager für Kinder organisieren. "Wir wollen eine sehr menschliche Kirche anbieten und die Türen offen halten", sagt der Pfarrer. In der Priesterausbildung hofft er auf ein stärkeres Training der psychologisch-therapeutischen Gesprächskompetenz.
Helmut Tuschar, Pfarrer von Obermühlbach, Dreifaltigkeit, Kraig und Steinbichl, musste im Vorjahr 44 Austritte in seiner Pfarre verschmerzen: "Die Leute, die jetzt austreten, nehmen aber ohnehin schon nicht mehr am kirchlichen Leben teil." Tuschar sieht in Obermühlbach keine Kirche, die die Sorgen der Menschen nicht mehr kennt. "Ich gehe regelmäßig ins Gasthaus und höre den Leuten zu", sagt Tuschar. Eines bemerkt er auch: "Im Bereich des Sterbens und der Verabschiedung kommen die Leute auf uns zurück."
Der St. Veiter Stadtpfarrer Rudolf Pacher sieht in seiner Kirchengemeinde viele Zeichen der Lebendigkeit: "Ohne die Kirche wäre die Gesellschaft weit ärmer. Die Dreikönigsaktion ist so ein starkes Zeichen." Das sieht auch Tuschar: "Wir haben in Dreifaltigkeit viermal Kirchtag. Da kommen jedes Mal 1000 Leute hin."
Features
KIRCHENAUSTRITTE BEZIRK ST. V
Dekanat St. Veit. Vergangenes Jahr traten 317 Menschen aus der katholischen Kirche aus, 2009 waren es 169. Eingetreten sind im Vorjahr 25 Leute, 2009 waren es 23
Dekanat Friesach. 77 sind im vergangenen Jahr ausgetreten, 21 waren es 2009. Wiedereintritte gab es voriges Jahr acht, 2009 waren es vier
Dekanat Gurk. In Gurk traten 49 Leute aus der Kirche aus, 24 im Jahr 2009. Wiedereintritte gab es im vergangenen Jahr vier und im Jahr 2009 waren es drei
Dekanat Krappfeld. 137 Personen sind im vergangenen Jahr ausgetreten, 2009 waren es 85. Wiedereintritte gab es im vergangenen Jahr elf, zwölf waren es im Jahr zuvor













