Schutz und Hilfe für die dunkelste Zeit des Jahres
In der Thomasnacht von 20. auf 21. Dezember beginnen die Raunächte: Mit allerlei Brauchtum und Zauberei versuchen die Menschen noch heute, die bösen Geister zu besänftigen.
Wir leben, als gäbe es keine Jahreszeiten: Vor der Kälte schützen uns Autos, Züge und Häuser, Supermärkte versorgen tagtäglich mit Nahrungsmitteln. Aber es ist gar nicht so lange her, da war man Wind, Kälte und Schnee noch ausgesetzt und gerade in der Weihnachtszeit zeigt sich daher noch heute altes Brauchtum.
Die sogenannte Thomasnacht von 20. auf 21. Dezember ist die Erste von vier Rau- oder Rauchnächten. Die "Wilde Jagd" ist, geführt vom Wode oder der Pechtra, mit ihren Geistern unterwegs. "Seelenheere reiten durch die Luft. Um dem etwas entgegen zu halten, hat man geräuchert", sagt Heimo Schinnerl, Direktor des Landwirtschaftsmuseums Ehrental. Es ist auch die Zeit der Perchten. Alle Bräuche dieser Zeit zielen darauf ab, sich zu schützen, Segen oder Glück für das neue Jahr zu erbitten. Bevor der Heilige Abend anbricht, ist von 23. auf 24. Dezember die "Rumpelnacht". "Da wird alles sauber gemacht. Ob im Dachboden oder im Troadkasten. Unsere Vorfahren sagten, dass dann überall Heiliger Abend wird", sagt Inge Auer, Obfrau des Brauchtumsmuseums in Metnitz.
Aber nicht nur in Metnitz, auch im Gurktal, wie Georg Graber in seinem "Volksleben in Kärnten" zu berichten weiß, hat man die "Rumpelnacht" begangen.
Lichttag
Der Heilige Abend ist vor allem ein Lichttag: Die vielen Christbäume, egal ob in Feldkirchen oder St. Veit, zeugen heute noch auf öffentlichen Plätzen von dieser Sehnsucht nach Licht in der dunkelsten Zeit. "Der Heilige Abend, der Christtag und der Dreikönigstag sind Lichttage", sagt Schinnerl. Der 24. Dezember ist vielleicht der wichtigste Tag von allen: Es ist die Zeit der Wunder und Orakel, der inneren Einkehr und des Miteinanders. In Feldkirchen weiß man zu berichten, dass, wenn ein junger Mann um Mitternacht in der Christnacht in den Backofen stieg und zurückblickte, ihm das Bild seiner Zukünftigen erschien. Selbst Tiere können in dieser, wie auch in der Thomasnacht, sprechen.
Ob das auch die Tiere in der lebendigen Krippe in Albeck tun, wird man nicht erfahren, sagt Volkskundler Schinnerl: "Wenn jemand zuhört, stirbt er." Ein besonderer Brauch für den Heiligen Abend ist das "Windfüttern". Im Nockgebirge und im Metnitztal ist dieser Brauch überliefert und wird wohl heute noch betrieben. "Man hat Dampfnudeln gemacht, diese mit einer Gabel aufgezupft, Schmalz darüber gegossen und mit Krautsalat als Zuspeis auf den Falter- oder Zaunstock gestellt. Das hat man gemacht, damit der Wind zwischen den Heiligen Abenden da bleibt. Das bringt Fruchtbarkeit fürs neue Jahr." In der Feldkirchner Gegend, berichtet Graber, werden ein Schüsselchen Weihwasser und eine Speise auf einen Zaunpfahl gelegt.
Und natürlich ist die Stille Nacht der Tag des miteinander Essens und der Bescherung. Eines darf auch nicht fehlen: das Räuchern in der Thomasnacht, am 24. Dezember, zu Silvester und am 5. Jänner.
Rauchende Nächte
"Man hat ein Eisengefäß genommen, Glut vom Herd entnommen. Palmbuschen, Speik, Wacholder waren drin. Damit ist man durch die Häuser gezogen", sagt Schinnerl. Bei all dem darf man nicht darauf vergessen, warum man den Heiligen Abend feiert: Es ist die Erinnerung an die Geburt Jesu. Ein Brauch, der in Kraig seit dem Jahr 2000 wieder auflebt, ist das Muttergottestragen. "Die Muttergottes wird von Familie zu Familie getragen, wo sie über Nacht bleibt", sagt Bernadette Ragoßnig. Die Muttergottes spendet Kranken und Alten Hoffnung - in einer Zeit der Dunkelheit und der bösen Geister. Die Muttergottes soll daher der Hektik entgegenstehen - so auch in der stillen und heiligen Nacht.













