Von Kopf bis Fuß auf Urlaub eingestellt
Urlaub aus Tradition: St. Georgen ist die einzige Tourismusgemeinde im Bezirk und lebt vor allem von Stammgästen. Wir wollten wissen, warum die lieber am Längsee als im Meer planschen.
Zwischen Schwag und dem Wolschartwald kommt einem Kärnten fast ein bisschen wie die Toskana vor. Das hügelige Land rund um den Längsee ist auch die einzig "echte" Tourismusgemeinde im Bezirk St. Veit und hat nach einem Tief in den vergangenen Jahren jetzt wieder knapp 60.000 Nächtigungen. Viele dieser Urlauber geben den Längsee-Urlaub wie eine Erbpacht an die nachfolgenden Generationen weiter. Einmal Längsee, immer Längsee.
Einer dieser Traditionsurlauber ist der Münchner Dieter Laufhütte, selbst seit 1984 Gast im Stiftshotel. "Von den Schwiegereltern bis hin zu meinen Kindern sind wir alle hier", sagt Laufhütte, dessen Frau schon als Kind 1966 das erste Mal in St. Georgen urlaubte. Auf diese Stammgäste ist Hotel-Direktor Mario Bergmoser stolz: "Ruhe, Schlossbad, kulturelles Angebot, freundliches Service", zählt Bergmoser ein paar Gründe auf, dass Gäste zu Stammgästen werden. 154 Betten - viele davon Zirbe - hat das Vier-Sterne-Haus mittlerweile.
Wunschlos glücklich?
Norbert Fasching, Geschäftsführer des Tourismusvereines und Chef des Familienhotels Fasching, weiß noch einen Grund: "Wir lesen den Gästen jeden Wunsch von den Lippen ab." Für den Wiener Urlauber Herbert Floigl ist die Seele der Gemeinde der See: "Die Naturbelassenheit des Ufers, da geht einem das Herz auf." Er selbst kommt seit 1992 an den Längsee, wohnt privat, und genießt die Ruhe. Am liebsten geht er Schwammerln klauben. Die Natur ist auch für Laufhütte ein wichtiger Anreiz, hier zu urlauben. Und für Sigurd und Hedi Hermann, die mit Enkelin Marlene, im Familien-Hotel Fasching urlauben, ist die Mischung genau richtig. Zwischen Burg Hochosterwitz und Golfplatz gibt es für sie ein gutes Angebot. "Und überall sind die Leute freundlich", sagt Sigurd Hermann.
See, Natur, Ruhe - das scheint das Rezept für glückliche Urlauber zu sein. "Das Wasser ist für Kinder natürlich wichtig. Und wo kann man so ungezwungen am See sein, wie hier. Die Verantwortlichen sollen drauf schauen, dass der See so erhalten bleibt. Die Naturbelassenheit ist wichtig, das suchen wir", sagt Urlauber Laufhütte.
Mit Natur punkten
Die Touristiker scheinen sich das zu Herzen zu nehmen: Im Stiftsgarten wird ein Kräutergarten angelegt, auf der Dachterrasse kann man Essen aus der Region genießen und im Familienhotel Fasching steht der Streichelzoo ganz oben auf der Hitliste. Natürlich stehen die zwei Betriebe nur stellvertretend für über 70 andere Gastbetriebe: Egal ob Moorquell Reiterer, der Seehof Schratt oder das Dienstlgut, alle sind sie um ihre Urlauber bemüht. Es gilt, keinen der Urlauber zu vergraulen, allen alles recht zu machen.
Und so kommen dann auch so unglaubliche Jubiläen zustande wie das von Josef Kovarik, der heuer zum 50. Mal mit seiner Familie an den Längsee kam. Und mit dieser Zahl steht er nicht allein: Viele kommen seit Jahrzehnten. Selbst der Tourismus-Referent der Gemeinde war selbst einmal "nur" als Urlauber hier. "Zehn Jahre haben meine Ehefrau Elisabeth und ich hier Urlaub gemacht, dann haben wir uns gesagt: Hier wollen wir alt werden." Logischer Schritt: 2001 kauft sich Kreisel ein Grundstück, der Wohnsitz in Niederösterreich wird aufgelöst, seit 2003 ist er Vizebürgermeister. "Der See ist natürlich unser Kapital, aber es gibt auch neun Wanderwege, einen Golfplatz", sagt Kreisel.
Auch der Kultur räumt Kreisel einen großen Stellenwert ein: Das Angebot von "Jedermann" im Stift bis zum Schlager-Feuerwerk am See, kann sich sehen lassen. "Und wir arbeiten gut zusammen, es sind ja nicht viele Betriebe", sagt Kreisel. Er glaubt, dass es den Urlaubern gefällt, hier nicht einfach nur eine Nummer zu sein. Und vielleicht hilft das Aufzählen der Gründe auch gar nicht weiter. Um zu verstehen, warum Laufhütte und Co. so lange nach St. Georgen kommen, muss man wohl selbst einmal hier Urlaub gemacht haben. Vielleicht sind 50 Jahre Längsee dann irgendwie rational erklärbar.
Features
TOURISMUSZAHLEN
Tourismus. 2009 hatte St. Georgen 59.028 Nächtigungen. Althofen hatte 105.439 Nächtigungen, dort haben die Zahlen im Kurbad, aber nicht im Tourismus ihren Ursprung.
Zahlen. 1999 (58.291 Nächtigungen), 2003 (52.500), 2005 (41.929), 2007 (48.298) und 2009 (59.028).













