Mit 88 Wirtin aus Leidenschaft
Karoline "Karla" Dieminger aus Weitensfeld ist in ihrem Gasthaus "Bärenwirt" die graue Eminenz. "Springen Sie einmal von der Karriereleiter runter! Das ist schwer", erklärt die Wirtin, warum sie sich nicht nur Ruhe setzt.

Foto © PhinoKarla Dieminger und Ehemann Adalbert haben im Bärenwirt schon viel Prominenz empfangen
Lebt die Karla noch?" Mit diesen Worten betreten Stammgäste immer wieder den Gasthof Bärenwirt im Zentrum von Weitensfeld. Karla Dieminger ist da - und wie! Mit 88 hat sie das Lokal fest im Griff. In der Küche steht zwar Köchin Ingrid Dörflinger und hinter der Theke Ehemann Adalbert, aber Wirtin Karla hat das Sagen. 1921 wurde sie im Haus geboren, seit 1970 führt sie das Geschäft. Dazwischen lagen Ausbildungsjahre und eine arbeitsreiche Zeit in Amstetten in Niederösterreich, wo Karoline Dieminger als Geschäftsführerin eines Hotels arbeitete. Chefin war Karla immer.
Bodenständiges
Mit sieben begann sie, das Klavierspielen zu erlernen, nebenbei bekam die Wirtshaustochter von der Mutter Liebe und Talent zum Kochen mit. Noch heute wird beim Bärenwirt täglich frisch ausgekocht. Gefüllte Paprika, Kalbsbrust, Bodenständiges eben. "Früher hat alles besser geschmeckt, heute ist der Einheitsgeschmack in die Kärntner Wirtshäuser eingezogen", ärgert sich Karla Dieminger. Ihr kamen nie Fertiggerichte oder eine Fertigsauce in die Küche.
Karla und Adalbert Dieminger führen den Bärenwirt seit 1970. Seit 1922 ist das Wirtshaus in Familienbesitz, es wurde 1890 erstmals urkundlich erwähnt, in den 1970er Jahren wurde der Bärenwirt zum Leitbetrieb der Region. Heute werden die Gäste weniger. "Sie sterben uns davon", sagt Karla Dieminger. Die Zeiten, wo Weinflaschen literweise auf den Tisch gestellt wurden, sind vorbei, Gäste konsumieren und denken in Achterln! "Es ist eine Art von Niedergang", sagt Karla Dieminger.
Sie meint den Ort, nicht ihr Lokal. Bischöfe, drei Landeshauptleute, jede Menge Prominenz hat Karla Dieminger bewirtet! Ihr Gästebuch ist voll des Lobes. "Ich will euch erzählen von einem Haus, zufrieden gehen Gäste ein und aus", steht da geschrieben. "Die Karla", wie sie die Leute rufen, war eine singende Wirtin, die ihre Gäste perfekt unterhalten konnte. "Mir hat ein Blatt mit Noten gereicht und ich habe gesungen. Von der Oper bis zum Schlager! Für eine Wirtin bin ich aber manchmal auch ein wenig zu ehrlich, zu direkt", lacht die älteste Wirtin Kärntens, während sie ein Bier einschenkt.
Die Hände und Knie machen jetzt, nach einem Leben zwischen Küche und Schank, nicht mehr wie gewohnt mit. Der Lebensmut der Wirtin, Ehefrau und Mutter zweier erfolgreicher Kinder ist aber ungebrochen. "Das ist so schön in dem Geschäft. Du bleibst geistig in Übung", sagt Karla Dieminger. Und sie will noch immer nicht aufhören. Faktisch ist sie zwar in Pension, aber die Arbeit, die wird sie nie ganz lassen können.
Schaut ganz so aus, als ob der Herrgott entscheidet, wann Karla Dieminger Sperrstunde macht. Bis dahin werden noch oft Stammgäste von seinerzeit ins Lokal kommen und erleichtert feststellen: "Ah, du lebst noch!" Und Kara wird lachend hinter der Theke stehen und sagen: "Ja, eh!"














