Fast hätte Interpol die Liebenden gesucht
Hannelore Astarita aus Launsdorf ist 1961 in einer Nacht- und Nebelaktion nach Neapel gezogen, lieben gelernt hat sie ihren Ehemann Emilio aber im schönen Caorle.

Foto © WalcherDie Launsdorferin und der Neapolitaner auf Besuch in Launsdorf
"Bei Urlaubsflirts sollten sich die Frauen den Mann richtig anschauen, ich hatte Glück!", sagt Hannelore Astarita, während sie gemeinsam mit ihrem Mann Emilio italienischen Espresso in der Launsdorfer Laube ihres Elternhauses nippt. Zurückblickend ist sie froh, dass ihr Mann hielt, was er versprach, als sie 1961 bei einem Urlaub in Caorle "einen großen schönen Mann mit blauen Augen" kennen lernte und sich sofort verliebte. Emilio schickte seiner Hannelore nach dem Urlaub alle zwei Tage Expressliebesbriefe aus Neapel, um sie wieder zu sehen. "Ich war damals schon eine Weile Kindermädchen in Leoben", erinnert sich Astarita schmunzelnd an die folgende stürmische Zeit. In einer Nacht- und Nebelaktion fuhr sie heimlich mit dem Zug nach Tarvis. In ihrer Strohtasche befanden sich nur ihre Unterwäsche und ein Nachthemd. Sie stieg am Bahnhof "ohne zwei Mal zu denken" in den Fiat 1100 ihres Liebsten und blieb im Süden.
Doch keine Entführung
Eine Entführungsanzeige für das via Interpol gesuchte Paar konnte abgewendet werden. Das erste Kind Cleto (48) kam 1961 zur Welt. Ein Jahr später heiratete das Paar in Mestre. Elisabetta (44) und Rumina (38) vervollständigten die Familie des Kaufmannes und Tanzlehrers. "Zu Beginn vermisste ich den Schnee, dauernd Nudeln zu essen war auch nicht nach meinem Geschmack", erzählt Hannelore Astarita. >Die italienische Sprache lernte sie vor Ort, brachte zu Beginn Senftuben statt Honig nach Hause, fand kein Paprikagewürz und musste erst herausfinden, dass die Semmelbrösel für die Schnitzelpanier in Italien beim Bäcker aus Säcken geschöpft werden. Außerdem erlaubte sich ihr Mann den Spaß, ihr Schimpfwörter und neapolitanisches Italienisch beizubringen. 1980 siedelte das Paar in das Haus in Mestre, in dem es heute noch lebt. Gemeinsam bauten sie eine Tanzschule auf. Dort lehren sie auch heute noch Montag bis Freitag Standard- und Lateintänze. Emilio betätigt sich in seiner Freizeit auch als internationaler Tanzjuror. In den letzten Jahren wechselt das Paar alle 14 Tage nach Kärnten. Astaritas 85-jährige Mutter braucht Hilfe rund ums Haus.
Weihnachten in Kärnten
Weihnachten feiert die gesamte Familie in Kärnten, Silvester und Ostern in Italien. "Unsere große Liebe zueinander ließ uns alle Anfangsschwierigkeiten überwinden", sagt Astarita. Und verrät zum Schluss auch noch ihre Lieblingsspeise: "Spaghetti mit selbst getauchten Miesmuscheln, die mit Öl, Knoblauch, Chili und Tomaten zubereitet werden!"
Features
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