Friesach schmiedet an seiner Zukunft
Start für Burgbau ist am 2. Mai, ein "Burgbote" ist in Arbeit und das Mittelalter soll leer stehen-de Geschäfte beleben. Mit der Vergangenheit arbeitet Friesach an seiner touristischen Zukunft.

Foto © KanatschnigVom goldenen Handwerk - wie hier beim Spectaculum - profitiert Friesach beim Burgbau
Mit dem Bau einer Burg wird sich Friesach wohl in eine andere, oder besser frühere Dimension seiner Stadtgeschichte katapultieren. Am 2. Mai ist der geplante Startschuss für dieses im doppelten Sinne historische Projekt: Einerseits erwartet sich Friesach dadurch eine Aufwertung als Tourismusstandort. Andererseits wird, wie der "Ohne Sauerstoff-Bergsteiger" Reinhold Messner sagen würde, "by fair means" gebaut: Vom Mörtel bis hin zu den Gerätschaften wird alles authentisch sein. Man will mit dem auskommen, was im Mittelalter zur Verfügung stand.
Begleitprogramm. Und damit Friesach, ähnlich wie das Burgbauprojekt im französischen Guédelon, auch hunderttausende Schaulustige auf den Berg hinterm Deutsch-Ordensspital locken kann, ist ein umfangreiches Begleitprogramm geplant. Am kommenden Donnerstag, 5. Februar, wird die Archäologin Renate Jernej im Fürstenhof allerhand Spannendes über das mittelalterliche Bauwesen erzählen. "Diese Vortragsreihe ist überhaupt dafür gedacht, dass die Bevölkerung mehr Einblicke in das Projekt Burgbau gewinnen kann", sagt Helga Steger, Tourismus-Verantwortliche der Burgenstadt Friesach.
Wie die Rittersleut'. Denn diese Baustelle wird einmalig in ganz Österreich werden: Keine gelben Kräne, keine Lastwagen, die Beton zur Baustelle fahren und "Njet" heißt es auch für Bagger. "Innerhalb eines bestimmten Bereiches darf nur authentisch gearbeitet werden", sagt Helmut Khom, der Chef der Burgvermarktungsgesellschaft. Er bereitet gerade einen Burgboten vor. Diese Zeitung wird zweimal im Jahr erscheinen, in Bildern und Texten über den Baufortschritt berichten und in einer Auflage von 3000 bis 5000 Stück erscheinen. "Und nach zehn Jahren können wir eine Chronik aus den einzelnen Ausgaben machen", blickt Khom in die Zukunft des auf 30 Jahre ausgelegten Burgbaues. Auch wenn so manchem in Friesach das Mittelalter gar nicht mehr schmeckt, erhofft sich die in den letzten Jahren durch Abwanderung in Mitleidenschaft gezogene Burgenstadt durch den Burgbau einen Aufschwung.
Die neue Burg ist in. "Wir haben ja schon jetzt 16.000 Zugriffe pro Monat auf unserer Homepage, obwohl wir nur eine Titelseite haben", sagt Khom. Das soll sich schon bald ändern, der Inhalt wird folgen. Direkte Belebung für die Innenstadt verspricht die Ansiedlung des Tourismusbüros im alten Rathaus und Anmietung von Räumlichkeiten für mittelalterliche Handwerker. Auch der Mittelalterverein von Friesach wird sich ordentlich ins Zeug legen. Am 6. Juni findet im Fürstenhof das Fest "Völlerei et Gaudium ad Friesach" statt. Von der Gerichtsverhandlung bis hin zum Ritterturnier reicht das Angebot. "Und beim Burgbau werden wir uns auch stark einbringen", sagt Obfrau Iris Seher, die jetzt noch stärker mit anderen Mittelalter-Vereinen in ganz Europa in Kontakt tritt. Schließlich müssen ja auch Besucher in die Stadt kommen, denn das Burgprojekt ist mit seinen Kosten von 6,5 Millionen Euro für die ersten acht Jahre ein Millionenprojekt. Die sollen aber auch rein kommen. Das Spectaculum, das heuer übrigens von 24. bis 26. Juli stattfindet, ist jauch zum Magnet für Groß und Klein aus Nah und Fern geworden.














