AsslingBrüder Unterweger „brennen“ für die Vier-Tage-Woche

Seitdem in der Latschenöl-Brennerei in Assling die Vier-Tage-Woche eingeführt wurde, beginnt dort das Wochenende schon am Donnerstag. Die Mitarbeiter arbeiten nun 2,5 Stunden weniger beim gleichen Verdienst. Auch Produktivität ist gestiegen.

Seit Oktober 2017 haben die rund 45 Mitarbeiter der Latschenöl-Brennerei in Thal ein verlängertes Wochenende
Seit Oktober 2017 haben die rund 45 Mitarbeiter der Latschenöl-Brennerei in Thal ein verlängertes Wochenende © KLZ/Egger
 

Wenn Donnerstag schon Freitag ist – das ist wohl ein Traum von vielen Arbeitnehmern. Die Mitarbeiter der Latschenöl-Brennerei der Brüder Unterweger in Thal-Assling leben diesen Traum nun schon seit fast vier Monaten. „Vor einiger Zeit hat mir ein Freund erzählt, dass man in Skandinavien laut einer Untersuchung sehr gute Erfahrungen mit der Vier-Tage-Woche gemacht hat. Dann haben wir beschlossen, dieses Modell einfach einmal auszuprobieren“, sagt der Unternehmer Stefan Unterweger. Zuvor wurde mit allen Abteilungsleitern gesprochen. Bei der Evaluierung hätte sich herauskristallisiert, dass niemand dagegen sei. „Mit 1. Oktober 2017 haben wir dann die Vier-Tage-Woche eingeführt“, sagt Unterweger. Vorher haben die rund 45 Mitarbeiter 38,5-Stunden die Woche, verteilt auf fünf Tage gearbeitet – wobei freitags zu Mittag Schluss war. Unterweger weiter: „Das wurde jetzt auf 36 Stunden auf vier Tage reduziert“. Gearbeitet wird also vier Mal die Woche je neun Stunden, dafür gibt es einen freien Tag mehr. Gibt es Rückmeldungen seitens der Angestellten? „Unsere Mitarbeiter sind alle zufrieden“, bestätigt der Unternehmer. Zumindest wäre noch kein Mitarbeiter gekommen, der meinte, er hätte doch gern wieder die Fünf-Tage-Woche zurück.

Weniger Gehalt gibt es für die Mitarbeiter deshalb aber auch nicht. Es gibt weiterhin 100 Prozent Lohn. Wie das funktioniert? „1,25 Stunden haben wir den Mitarbeitern geschenkt. Die restlichen 1,25 Stunden gab es anstatt der nächsten Lohnerhöhung, die jetzt fällig gewesen wäre“, erklärt Unterweger und betont gleichzeitig: „Nächstes Jahr gibt es die Lohnerhöhung dann wieder wie gewohnt.“

Des weiteren sei man durch das verlängerte Wochenende nicht unproduktiver geworden – ganz im Gegenteil. „Der November 2017 war der beste Monat überhaupt, ohne dass Überstunden gemacht wurden. Und auch der Jänner war ein super Monat“, freut sich Unterweger und spricht von einer Win-Win-Situation für das Unternehmen und die Mitarbeiter. Und natürlich sei ein verlängertes Wochenende auch eine tolle Motivation für die Mitarbeiter.

Zudem sei die Vier-Tage-Woche nicht nur für Angestellte mit Kinder lohnend – das gewonnene Plus an Freizeit können die Mitarbeiter, so Unterweger, auch sehr gut für einen Kurzurlaub oder sonstige Freizeitaktivitäten nutzen.

Übrigens: Laut einer Umfrage von marketagent.com, würde sich jeder zweite Österreicher für eine solche Vier-Tage-Woche entscheiden. Sogar bei gleichbleibender Arbeitszeit wären es 44,5 Prozent, wenn sie die Wahl hätten.

Daten und Fakten

45 Mitarbeiter sind in der Latschenöl-Brennerei beschäftigt. 1886 wurde „Brüder Unterweger- Erste Tiroler Latschenölbrennerei“ von Ignaz und Johann Unterweger gegründet. Heute führen Michael und Stefan Unterweger den Traditionsbetrieb.

Stefan Unterweger
Stefan Unterweger Foto © KK/Privat

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lucie24
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Wünsche ich mir auch

Ich denke dieses Modell sollte ausgeweitet werden. Die 2.5h Arbeitszeit können durch die erhöhte Produktivität - aufgrund der besseren Work-Life-Balance - leicht eingeholt werden!

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neumond
2
6
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und alles

ohne gewerkschaft und auflagen bis zum geht nicht mehr.
es gibt sie noch, die menschen, die einfach freude am (unternehmer) (tun) haben.

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hespie
1
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ja gibt es denn bei euch keine Gewerkschaft?

Das widerspricht ja komplett den Gewerkschaftsintentionen wonach sich nichts bewegen darf...

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