Tiroler OberhirteBischof Glettler: Papst hat nun seinen Segen gegeben

Vatikan machte heute in seinem Mittagsbulletin seine Entscheidung offiziell: Der Steirer Hermann Glettler wird neuer Bischof der Diözese Innsbruck. Nach einem Gebet im Innsbrucker Dom stellte sich dieser um 14 Uhr erstmals der Öffentlichkeit.

Im Mittagsbulletin wurde die Bestellung Hermann Glettlers zum Bischof von Innsbruck offiziell bekanntgegeben
Im Mittagsbulletin wurde die Bestellung Hermann Glettlers zum Bischof von Innsbruck offiziell bekanntgegeben © Montage: Fuchs/AP/KK
 

Papst Franziskus hat den bisherigen Grazer Bischofsvikar Hermann Glettler zum neuen Diözesanbischof von Innsbruck ernannt. Der Heilige Stuhl gab die Ernennung Mittwochmittag durch das vatikanische Presseamt im "Bollettino" bekannt. Damit wird das lange Warten der Tiroler auf einen Bischof offiziell beendet, das durch den Wechsel von Bischof Scheuer von Innsbruck nach Linz begonnen hatte. In der seit Jänner 2016 dauernden Sedisvakanz stand Jakob Bürgler als Diözesanadministrator an der Spitze der Innsbrucker Diözese. Bereits am Dienstag war der Ministerrat dem Konkordat folgend mit der Ernennung Glettlers befasst und erhob keine Einwände "allgemein politischer Natur".

Litt in den vergangenen Wochen die Kommunikation zwischen Innsbruck und Rom immer wieder - die Ernennung dauerte 22 Monate - war das Prozedere nun genau abgestimmt sein: Denn schon für 12.15 Uhr avisierte die Diözese bereits am Montag ein Gebet für und mit Hermann Glettler (und Diözesanadministrator Jakob Bürgler) im Innsbrucker Dom. Aber 14 Uhr war ein Pressegespräch angesagt.

>>>Die Pressekonferenz zum Nachschauen:

Die Bischofsweihe wird am 2. Dezember um 12 Uhr im Innsbrucker Dom mit Erzbischof Franz Lackner stattfinden. Die Bischöfe Wilhelm Krautwaschl und Manfred Scheuer werden konsekrieren. 

Im ersten Interview als Bischof mit dem steirischen Sonntagsblatt betont Hermann Glettler "im Sinne einer wirklichen Aufmerksamkeit für die Notleidenden unserer Zeit ein politischer Bischof" sein zu wollen. Er sehe es als Auftrag der Kirche, gemäß dem Zweiten Vatikanischen Konzil Anteil an den Freuden und den Leiden der Menschen zu nehmen und "Salz und Licht zu sein - manchmal mitten im 'ganz normalen Wahnsinn' heutigen Lebens". Parteipolitisches Engagement sei damit "natürlich nicht" gemeint, stellte Glettler klar.

Hermann Gletter werde "ab der ersten Minute ein offener und beherzter Bischof für die Menschen der Diözese Innsbruck". Das hat der steirische Bischof Wilhelm Krautwaschl Mittwochmittag in einer ersten Stellungnahme zum neuen Innsbrucker Bischof betont. Er freue sich für Glettler persönlich, bedaure aber auch als Diözesanbischof von Graz-Seckau, "dass ein so engagierter und menschennaher Priester aus dem Dienst für die Menschen in unserer Diözese scheidet".

„Die Steiermark freut sich mit Hermann Glettler zur Ernennung zum erst fünften Bischof der Diözese Innsbruck. Ich kenne ihn schon sehr lange und schätze ihn als eine charismatische, glaubensfeste, aber auch reformorientierte Persönlichkeit“, betont Landeshauptmann Hermann Schützenhöfer. „Glettler ist, das hat er an all seinen bisherigen Wirkungsstätten eindrucksvoll bewiesen, ein Hirte, der in der Vielfalt Einheit schafft und das Gemeinsame vor das Trennende stellt. Und LH-Stellvertreter Michael Schickhofer: „Es ist schön, dass sowohl Bischof Wilhelm Krautwaschl als auch Bischof Hermann Glettler mitten im Leben stehen und die Gabe haben, menschlich die Herausforderungen unserer Zeit anzunehmen. Der Steirer Glettler steht für den so wichtigen interreligiösen Dialog sowie das Verbinden von Religion mit Kunst und Kultur."

Tirols Landeshauptmann Günther Platter und der designierte Bischof Hermann Glettler haben sich am Mittwoch zu einem ersten Kontaktgespräch im Innsbrucker Landhaus getroffen. "Ich heiße Hermann Glettler herzlich als neues geistliches Oberhaupt von 400.000 Tirolerinnen und Tirolern willkommen. Ich freue mich, dass bereits ein sehr gutes Gesprächsklima herrscht", wurde Platter nach der Begegnung von der Tiroler Landeskorrespondenz zitiert.

Einen besonderen Dank richtete der Landeshauptmann an Diözesanadministrator Jakob Bürgler. Dieser habe "für die Diözese in dieser schwierigen Übergangszeit von bald zwei Jahren ganz hervorragende Leitungsarbeit geleistet".

Diözese Innsbruck

Geografisch gesehen ist die Diözese Innsbruck - wie das Bundesland Tirol - kein einheitliches Gebiet. Sie umfasst rund zwei Drittel des Gebietes von Nordtirol (vom Arlberg bis zur Ziller) sowie Osttirol. Die katholischen Pfarren im östlichen Teil Nordtirols gehören zur Erzdiözese Salzburg.

Aktuell leben in der Diözese mit 290 Pfarren und Seelsorgestellen rund 385.000 Katholiken. 2004 hat man sich für die Einrichtung von Seelsorgeräumen, in denen mehrerer Pfarren zusammenarbeiten, entschieden. Von den geplanten 75 Seelsorgeräumen sind knapp 90 Prozent bereits errichtet.

"Hermann Glettler eilt ein wacher, lebendiger, zeitnaher und guter Ruf voraus. Darüber freue ich mich sehr." Mit diesen Worten hat der Innsbrucker Diözesanadministrator Jakob Bürgler den neuen Innsbrucker Bischof Hermann Glettler willkommen geheißen. "Im Namen der Diözese Innsbruck und persönlich begrüße ich unseren neuen Bischof sehr herzlich! Ich bete darum, dass sein Dienst für ihn und für die ihm anvertrauten Menschen zum Segen wird."

Der erste Gratulant nach der offiziellen Ernennung durch den Vatikan war der Wiener Erzbischof Christoph Schönborn: Für ihn ist der designierte Innsbrucker Bischof Hermann Glettler ein "begnadeter Seelsorger mit großem Spürsinn für die sozialen und existenziellen Seiten des Lebens". Als Pfarrer von St. Andrä in Graz/Gries habe er ein "unglaubliches Talent gezeigt, die schwierige soziale Situation kreativ anzugehen und eine unglaublich lebendige Pfarre mitaufzubauen", so Schönborn im Interview mit Kathpress. "Von seinem ganzen Lebensweg her bringt Glettler sehr viel mit, was für das Bischofsamt heute wichtig ist", führte der Kardinal weiter aus. Der neue Innsbrucker Bischof sei aus einer bäuerlichen Familie stammend "bodenständig", habe aber zugleich internationale Erfahrung. "Er hat die Gabe, Menschen aus sehr unterschiedlichen Milieus zusammenzubringen, und das wird er in der Diözese brauchen, allein schon aufgrund der vielen Berge und Talschaften in Tirol."

"Hermann Glettler ist stets offen und hellhörig für die Nöte der Menschen an den Rändern der Gesellschaft und des Lebens und zeichnet sich durch hohe Gesprächsfähigkeit und Dialogbereitschaft aus." Mit diesen Worten hat Caritas-Präsident Michael Landau die Ernennung des bisherigen Bischofsvikars für Caritas und diakonale Dienste der Diözese Graz-Seckau zum Innsbrucker Bischof begrüßt. Glettler habe die Fähigkeit, "in einer pluralen Gesellschaft Orientierung zu geben - diese Eigenschaft ist heute wichtiger denn je", sagte Landau am Mittwoch gegenüber Kathpress. Sein tief ins Soziale und Kulturelle greifende Glaubensverständnis inspiriere in der Caritas an vielen Stellen.

Mit einem lachenden und einem weinenden Auge kommentiert Minoriten-Chef Johannes Rauchenberger die Entscheidung: "Wir gratulieren Hermann Glettler zur Ernennung zum Diözesanbischof von Innsbruck. Er wird das Bild eines römisch-katholischen Bischofs und mit seiner Präsenz auch das offizielle Bild der österreichischen Kirche verändern. Das ist gut so. Für die Steiermark ist sein Weggang ein herber Verlust.  Aber Hermann Glettler hat das "Katholische" bislang als das Entgrenzende und das Aufschließende gelebt - das gilt es nun auch auf ihn hin anzuwenden..."

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