Bezirks- und Gemeindesuche
Lange Tradition an Lösungsversuchen
Eine Chronologie von 1955 bis heute.

Foto © APA/Eggenberger
1955: Im Staatsvertrag sichert Österreich den Slowenen und Kroaten in
Kärnten, Burgenland und der Steiermark besondere Minderheitenrechte
zu. Der Artikel 7 sieht zweisprachige topographische Aufschriften im
gemischsprachigen Gebiet vor, ohne dieses jedoch genauer zu
definieren.
Juli 1972: Die Regierung Kreisky beschließt die Aufstellung von
zweisprachigen Ortstafeln in 205 Kärntner Ortschaften mit zumindest
20 Prozent Anteil slowenischsprachiger Bevölkerung.
September 1972: Die ersten Tafeln werden in Südkärnten aufgestellt.
Es folgt der so genannte Ortstafelsturm, bei dem "Deutsch-Kärntner"
die Schilder abmontieren. Die Aufstellung weiterer Tafeln wird
gestoppt.
Juli 1976: Im Volksgruppengesetz wird ein Slowenen-Anteil von 25
Prozent als Voraussetzung für die Aufstellung zweisprachiger
Ortstafeln festgelegt.
Mai 1977: Die Topographieverordnung sieht 91 zweisprachige Ortstafeln
vor. Sie werden allerdings nie vollständig errichtet.
Ende 2000: Mit der Aufstellung der ersten deutsch-kroatischen
Ortstafeln im Burgenland entflammt auch in Kärnten die Debatte neu.
Kärntner Slowenen fordern eine Novellierung des als zu restriktiv
empfundenen Volksgruppengesetzes, der Kärntner Landeshauptmann Jörg
Haider lehnt das ab.
Dezember 2001: Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) bezeichnet die 25
Prozent-Quote als zu hoch und hebt Teile des Volksgruppengesetzes
1976 und der Topographieverordnung 1977 auf. Ermöglicht hat dies der
Slowenenfunktionär Rudi Vouk, der ein Strafmandat im einsprachig
beschilderten Ortsgebiet von St. Kanzian/Skocijan beim VfGH bekämpft
hat. Er argumentiert, die Tafel sei nicht gültig, daher gelte Tempo
50 nicht. Haider reitet wütende Attacken gegen VfGH-Präsident Ludwig
Adamovich.
September 2002: Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) beruft drei
"Konsenskonferenzen" unter Beteiligung des Bundes, der Kärntner
Parteien sowie der Slowenen-Organisationen und der Heimatverbände
ein. Die Gespräche scheitern letztlich am Nein der
Slowenen-Vertreter, die den Kompromissvorschlag (insgesamt 148
zweisprachige Ortstafeln) für unzureichend halten.
April 2005: Der von Schüssel beauftragte Historiker Stefan Karner
präsentiert einen neuen Kompromissvorschlag. Das so genannte
Karner-Papier sieht 158 zweisprachige Ortstafeln vor.
Mai 2005: Als Ergebnis der "Kärntner Konsenskonferenz" werden von
Schüssel und Haider in drei Kärntner Ortschaften feierlich
zweisprachige Ortstafeln aufgestellt . Zuvor waren mehrere
Konsenskonferenzen in Wien ohne Ergebnis geblieben, eine Einigung
scheiterte am Veto des Kärntner Abwehrkämpferbundes und Haiders.
Damit stehen 77 der 91 vorgesehen Schilder. Allerdings lässt Haider
die Tafeln knapp eineinhalb Jahre später teilweise wieder
abmontieren.
Dezember 2005: Der Verfassungsgerichtshof gibt einer neuerlichen
Beschwerde des Slowenen-Vertreters Vouk Recht und fordert die
Aufstellung zusätzlicher zweisprachiger Ortstafeln in
Bleiburg/Pliberk und Ebersdorf/Drvesa vas bis Ende Juni 2006.
Februar 2006: Haider will die VfGH-Entscheidung umgehen, indem er die Ortstafeln von Bleiburg verrücken lässt. Der VfGH beurteilt dies
später als unzulässig.
Mai 2006: Eine geplante Volksbefragung Haiders wird von der Kärntner
Landeswahlbehörde abgelehnt. Kanzler Schüssel schickt eine Verordnung
in Begutachtung, die bis Ende 2009 in Kärnten insgesamt 158
zweisprachige Ortstafeln vorsieht.
Juni 2006: ÖVP, BZÖ und SPÖ streben eine verfassungsrechtliche Lösung
der Ortstafelfrage an. ÖVP und BZÖ beschließen die Aufstellung
zweisprachiger Ortstafeln in insgesamt 93 Kärntner Ortschaften,
darunter Bleiburg und Ebersdorf. Bis 2009 ist eine Aufstockung auf
141 geplant, die aber erst gemeinsam mit einer verfassungsrechtlichen
Lösung der Ortstafelfrage beginnen soll.
Juli 2006: Die Verfassungsänderung scheitert an der so genannten
"Öffnungsklausel". Sie soll ab 2009 weitere zweisprachige Ortstafeln
ermöglichen, wird jedoch von zwei der drei Slowenen-Organisationen
als unzureichend empfunden. Daraufhin entzieht auch die SPÖ dem
Kompromiss ihre Zustimmung. Eine Lösung ohne Verfassungsänderung
lehnen wiederum ÖVP und BZÖ ab.
August 2006: Im anlaufenden Nationalratswahlkampf setzt Haider in der
Ortstafelfrage wieder auf Härte und erfindet eine neue
Umgehungsmöglichkeit für die Ortstafelreglung: Unter dem Motto
"Kärnten wird einsprachig" lässt er zweisprachige Ortstafeln
entfernen und durch deutsche Ortsschilder mit kleinen slowenischen
Zusatztafeln ersetzen.
Dezember 2006: Der Verfassungsgerichtshof prüft diese
Umgehungsvariante.
Jänner 2007: Im Regierungsprogramm der großen Koalition findet auch
die Ortstafelfrage Beachtung. Eine Lösung bis zum Sommer wird
angepeilt. Die frisch angelobte Justizministerin Maria Berger (SPÖ)
kritisiert Haiders Vorgehen in der Frage als "nicht demokratisch" und
nennt eine Amtsenthebung einen "möglichen Weg". Haider lädt in
Kärnten zu einem runden Tisch, der noch am Tag seines Bekanntwerdens
scheitert.
Februar 2007: Eine Minderheitenfeststellung zur Lösung der
Ortstafelfrage wird immer mehr zur fixen Idee Haiders. Die Ortstafeln
von Bleiburg und Ebersdorf werden wieder einmal umgestaltet, die
slowenischen Zusatzschildchen innerhalb des blauen Feldes der Tafel
angebracht. Die Staatsanwaltschaft Klagenfurt leitet Erhebungen wegen
Verdachts des Amtsmissbrauchs gegen Haider und seinen Stellvertreter
Gerhard Dörfler (BZÖ) ein. Sie stehen im Zusammenhang mit dem Verrücken
der Ortstafeln von Bleiburg und Ebersdorf.
März 2007: Haider und Dörfler sagen vor dem Untersuchungsrichter aus.
Features
Volksgruppe
Prinzipiell ist der Status der Volksgruppe verfassungs- und völkerrechtlich abgesichert.
Miteinander
Als Kärntner Slowenen (slowenisch: Koroski Slovenci) bezeichnet man die autochthone slowenischsprachige Volksgruppe in Kärnten.
Konflikt
Die Kärntner Slowenen entsenden wie andere österreische Volksgruppen Vertreter in den österreichischen Volksgruppenbeirat, jedoch nicht automatisch ins Parlament oder den Landtag. Größter Streitpunkt ist aber die Ortstafelfrage.













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