Springe zu: Inhalt | Hauptnavigation | Seitenleiste | Fußzeile
19. Juni 2013 20:31 Uhr | Als Startseite
Neu registrieren

Bezirks- und Gemeindesuche

Inzko hat Dörfler das Du-Wort entzogen Ortstafeln wieder Anlass für Politgerangel Voriger Artikel Aktuelle Artikel: Ortstafeln Nächster Artikel Inzko hat Dörfler das Du-Wort entzogen Ortstafeln wieder Anlass für Politgerangel
Zuletzt aktualisiert: 09.04.2011 um 20:28 UhrKommentare

Stimmung: "Fünf Tafeln mehr oder weniger sind egal"

In Sittersdorf/Žitara vas wird lieber gesungen als gestritten. Man hofft auf ein Ende der Ortstafeldiskussion. Ein Lokalaugenschein in der Südkärntner Gemeinde.

Vom Verfassungsgerichtshof festgelegt: Bis 30. September muss die Ortstafel von Sittersdorf zweisprachig sein

Foto © EggenbergerVom Verfassungsgerichtshof festgelegt: Bis 30. September muss die Ortstafel von Sittersdorf zweisprachig sein

Bürgermeister Jakob Strauß (SPÖ) träumt ein wenig: "Der Wein erzählt: Zuerst lassen wir die Römer über Sittersdorf und den Wein berichten, dann erzählen die Slawen, dann gibt´s die Geschichte aus germanischer Sicht." Mit einem von der EU geförderten Projekt will er nicht nur den Kärntnern "reinen Wein einschenken", obwohl da durchaus Aufklärungsbedarf besteht. Wer weiß schließlich, dass in der Jauntaler Gemeinde, rund zehn Kilometer von der Grenze zu Slowenien entfernt, die "wahrscheinlich älteste Kellergasse Österreichs" steht? In den Tourismusprospekten des Ortes kann man es nachlesen: "Enkratno v Avstriji: najbr najstareja vinska ulica!" - "Einzigartig in Österreich!", heißt es da auf Deutsch und Slowenisch, und das gilt wohl auch für die endlose Geschichte der Ortstafeldiskussion.

Hallo, župan!

"Eine Diskussion wie in Südkärnten gibt´s sonst nirgends", sagt der Handelsreisende, der auf ein schnelles Bier ins "Café Caroline" in Miklauzhof eingekehrt ist. "Die Leute verstehen sich viel besser, als man glaubt", meint er. Und damit ist er auf einer Linie mit dem Bürgermeister der Gemeinde, deren Hauptort Sittersdorf demnächst auch als "Žitara vas" angeschrieben sein sollte. Jakob Strauß: "Viele sind in den Köpfen viel weiter, als wir in der Politik glauben", fasst er die Stimmung in seiner Gemeinde zusammen, die bisher keine offiziellen zweisprachigen Ortstafeln aufweist. Einzig auf dem Friedhof und bei Kirchen- oder Kulturvereinsveranstaltungen findet man derzeit die gedruckte slowenische Sprache - auch wenn die gesprochen viel stärker präsent ist. "Hallo, župan!", wird der Bürgermeister im Gasthaus begrüßt und er sagt: "Es tut mir nicht weh, wenn ich mit ?Dober veer'! antworte." Er, der SP-Bürgermeister, der nicht zur slowenischen Volksgruppe zählt und heuer sein zehnjähriges Amtsjubiläum feiert, freut sich über das gelebte Miteinander. Wobei Beobachter Strauß über lange Strecken zu den Skeptikern bei den Themen Ortstafeln und Amtssprache zählen. Jetzt erzählt er stolz, dass er zur vergangenen 10.-Oktober-Feier erstmals die diversen Vereine mit einer zweisprachigen Aussendung eingeladen hat: "Bisher hatten wir durchschnittlich 100 Besucher. Im letzten Jahr waren´s plötzlich 450!"

Kult & Stolz

Das Feiern bringt die Menschen eben zusammen. "Mit den Slowenen auf einen Ausflug zu fahren, ist oft interessanter als mit den Deutschen!", heißt´s am Stammtisch in Miklauzhof, zwischen Resopal und Kalendersprüchen an der Wand, "kulturell sind die total auf Zack". "Miklauzhof", eine der 27 Ortschaften, die zur Gemeinde Sittersdorf zählt, "ist Kult", meint Gerhard Opietnik, der Wirt des Cafés. "Hier gibt´s alles: Feuerwehr und Volksschule, Post und Polizei." Früher gab´s hier auch noch das Kino und das Gemeindeamt von Sittersdorf; eine zweisprachige Ortstafel wird´s allerdings auch in Zukunft nicht geben, da Miklauzhof nicht unter die Regelung fällt.

Auf den Kulturverein Trta (Weinstock!) und die singenden Smrtnik-Brüder aus Bad Eisenkappel ist man ebenfalls unisono stolz, und gibt´s am Stammtisch einmal Differenzen, glätten sich die Wogen schnell wieder - "Wir fangen zum Singen an, und dann passt´s wieder!"

"Wir red´ ma halt verschieden und versteh´n uns trotzdem!", ist man sich da einig. "Es soll einfach nicht sein, dass wegen der Tafeln das Klima schlechter wird! Wenn es eine Regelung gibt, dann soll sie umgesetzt werden, jetzt ist die Chance da, wenn das jetzt nicht durchgezogen wird, dann ist sie vertan!"

Fünf Ortstafeln mehr oder weniger seien da egal. Auch wenn da und dort das Floriani-Prinzip gelte, herrsche die Grundstimmung: "Bitte erledigt das endlich! Die Leute sind angezipft, enttäuscht von der Politik, die dieses Thema immer und immer wieder aufkocht", fordert der Bürgermeister dazu auf, dem Appell zur Einigung nicht passiv gegenüberzustehen. Einen Appell, "diesen juristischen Sport zu beenden", der sich an beide Volksgruppen richte. Das Aufrechnen müsse einmal aufhören. Es sei schließlich Zeit.

In vino veritas

Karoline Schippel, Kulturreferentin von Sittersdorf, wird nicht müde zu betonen: Kultur-Projekte, ein Ortsteil, der "Weingarten" heißt und diverse Direktvermarkter sind nicht die alleinigen Wegweiser in die Zukunft. Das Gemeindewappen zeigt als Einziges in ganz Kärnten eine Weintraube und weist so auf die große Weingeschichte hin, die Sittersdorf in den vergangenen 1000 Jahren zu einem Zentrum des Weines gemacht hat. Durch das seit einigen Jahren abgehaltene Weinfest wird diese alte Weintradition in Sittersdorf eindrucksvoll gelebt. Auch heuer wird es wieder Ende September gefeiert.

Dann sollten eigentlich schon die zweisprachigen Ortstafeln die Besucher in "Sittersdorf/Žitara vas" und laut Gesetzesentwurf in acht bis zehn weiteren Orten der Gemeinde begrüßen. Wohl bekomm´s!

KARIN WALDNER-PETUTSCHNIG

KLEINE.tv

Obama bei Gauk

Der mächtigste Mann der Welt ist heute in Berlin – Begonnen hat der Besu...Noch nicht bewertet

 

Politik im Bild

Barack Obama am Brandenburger Tor 

Barack Obama am Brandenburger Tor

 

Kroatien tritt EU bei

AP

Am 1. Juli 2013 tritt Kroatien als insgesamt 28. Land der Europäischen Union teil. Hintergründe und Informationen zur EU-Mitgliedschaft der ehemaligen jugoslawischen Teilrepublik.



Griechenland in der Krise

Politiker und Promis im Visier der Justiz

Foto: APA/AP/Reuters
 


Seitenübersicht

Zum Seitenanfang