Bezirks- und Gemeindesuche
Historiker orten Kontakte bis hin zur IRA
Zwischenbericht der Historikerkommission zu Anschlägen in 70er Jahre in Unterkärnten zeigt brisante Verbindungen auf. Die Namen der damals Involvierten sollen genannt werden, für sie gelte der Datenschutz nicht.

Foto © APA/Eggenberger (Archivbild)Im Oktober 1972 kam es zum "Ortstafelsturm" gegen die zweisprachigen Ortsschilder. Danach gab es eine Reihe von Sprengstoffattentaten
Namen von Aktivisten werden nicht genannt. Noch nicht. Die von der Landesregierung im Vorjahr eingesetzte Historikerkommission zur Aufklärung der Bombenanschläge in Unterkärnten in den 70-er Jahren präsentierte gestern einen ersten Zwischenbericht. Die vielen Nachfragen aus Slowenien waren der Anlass, wie der Vorsitzende und Leiter des Landesarchivs, Wilhelm Wadl, , begründete. Journalisten aus Slowenien waren gestern vor allem interessiert, ob der Name von Staatspräsident Danilo Türk, damals Sekretär der Kommission für Minderheiten, auftaucht.
Namen wollen Wadl, der wissenschaftliche Leiter Alfred Elste sowie Historiker Franzi Filipi erst im Schlussbericht veröffentlichen. "Die Aktivisten von damals haben kein Anrecht auf Datenschutz." In Kärnten fokussiert sich das Interesse der Öffentlichkeit auf eine mögliche Beteiligung von Slowenenfunktionären an der "Strategie der Eskalation", wie es Wadl nannte: Die reichte nach dem Ortstafelsturm von Schmieraktionen über 19 Sprengstoffanschläge auf Denkmäler, Bahngleise, Strommasten bis hin "zum Höhepunkt der terroristischen Maßnahmen 1979" (Elste), dem Bombenanschlag auf das Heimatmuseum in Völkermarkt mit Verletzten. Letzterer Anschlag könnte von zwei Mitgliedern des jugoslawischen Geheimdienstes inszeniert worden sein. Die hätten Kontakte zu Personen in Kärnten gehabt.
Kontakte zur IRA
Verstärkt herauskristallisiert hat sich mit dem Zwischenbericht, dass die Anschläge "nicht isoliert zu sehen sind". Denn "kleine Zellen ultralinker Kärntner Slowenen" (Elste) hatten laut Aktenmaterial Kontakte zu terroristischen Gruppen in Europa, zur Irisch-Republikanischen Armee (IRA), zu den Roten Brigaden in Italien, zu den Basken oder linksgerichteten Studenten in Slowenien. Die Kärntner Zellen aus vier bis sechs Personen hätten sich an Beschmierungsaktionen beteiligt und Sprengstoffanschläge beabsichtigt. "Mit ziemlicher Sicherheit" verfügten sie über Waffen aus britischen Depots, aus der CSSR oder Slowenien, so Elste.
Konkrete Hinweise auf eine Anschlagsbeteiligung der Kärntner habe man aber (noch) nicht. Die Historikerarbeit ist bis Herbst 2012 anberaumt, durchleuchtet werde auch der Ortstafelsturm. Noch stünden nicht alle Unterlagen zur Verfügung. Vor allem dann, wenn Akten noch bei Behörden liegen und nicht an die Archive weitergeleitet wurden. Welche Auswirkungen das in Slowenien geplante verschärfte Archivgesetz haben wird, sei noch nicht einschätzbar. Die drei Experten appellierten an die Bevölkerung "zur Aufklärung dieser Anschläge beizutragen."
Bemerkenswert sind die Aussagen der Historiker, wonach die Politik in den 70er Jahren die Justiz massivst bei den Ermittlungen gehindert habe und Verfahren niedergeschlagen wurden. "Teils gab es nicht einmal eine Aktenzahl", so Wadl. Der Grund: Die österreichische Politik wollte bei den Auseinandersetzungen keine politischen Märtyrer schaffen bzw. wollte man "die politische Tauwetterphase zwischen Wien und Belgrad nicht stören".
Den Zeitpunkt des Zwischenberichtes der unabhängigen und weisungsfreien Kommission, nämlich in der Finalphase für eine Ortstafellösung, sieht Wadl "in keinem Zusammenhang. Er geht von einer vernünftigen Ortstafel-Kompromisslösung aus "Für eine langfristige Verbesserung der Bewusstseinslage in Kärnten ist eine historische Aufarbeitung unabdingbar notwendig."










