Gailtalbahn

Neues Verkehrskonzept im Gailtal den Bürgern vorgestellt

Erste Mobilitäts-Infoveranstaltung zum neuen Verkehrskonzept in Dellach im Gailtal. Für Bürgermeister und Bevölkerung des Oberen Gailtales ist klar: Takt, Attraktivität und Fahrpreis müssen stimmen.

Bürgermeister Johannes Lenzhofer, die Landessprecherin der Grünen Kärnten, Marion Mitsche, ÖBB-Sprecher Christoph Posch und Landesrat Rolf Holub © Claudia Lux
 

"Die Bahnmobilität im Oberen Gailtal scheint nicht aufgegangen sein, es war nicht das Gelbe vom Ei”, eröffnet Dellachs Bürgermeister Johannes Lenzhofer die Mobiliäts-Infoveranstaltung von Landesrat und Rolf Holub. Gemeinsam mit den Bürgermeistern Walter Hartlieb aus Kötschach-Mauthen und Hermann Jantschgi aus Kirchbach hat er bereits im Vorfeld große Bedenken bezüglich der Einstellung der Gailtalbahn geäußert. Zum ersten Diskussionsabend, an dem das neue Mobilitätskonzept vorgestellt und die Bürger zur Mitarbeit eingeladen wurden, kamen viele Gailtaler.

Volles Kulturhaus in Dellach/Gail Foto © Claudia Lux

“Es dürfen keine Kosten bei den Gemeinden hängen bleiben. Und es muss, so wie versprochen in zehn Jahren besser sein", stellt Lenzhofer für die Zukunft klar. Holub betonte die Altlasten der Vergangenheit, mit denen er nun umgehen müsse. “Die Einstellung der Gailtalbahn war bereits 2011 beschlossen”, so Holub. Nun müsse er mehr Struktur mit weniger Geld bewerkstelligen. "Das Kärntenpaket ist nun eine Möglichkeit dazu. Und das Angebot im Gailtal wird sich sogar verdoppelt”, wie  ÖBB-Sprecher Christoph Posch und Christian Themeßl-Huber vom Mobilbüro Hermagor unterstrichen. Man war vor allem um eine sachliche, offene und konstruktive Gesprächsbasis bemüht obwohl teilweise auch emotional und heftig diskutiert wurde.

Verkehrsexperten standen Rede und Antwort Foto © Claudia Lux

Bereits im Vorfeld wurden Pendler befragt. Die Kundenbefragung präsentierte Moderator Gerald Hackl. 205 Fahrgäste, davon ein Drittel Schüler, wurden interviewt. 48 Prozent fahren mehrmals pro Woche mit dem Zug. 73 Prozent der Zugfahrer meinten den Bus künftig ebenso oft zu benutzen, wie die Bahn. Ganz oben auf ihrer Wunschliste: Genügend Sitzplätze und Wlan.

Modellregion

Toni Matosic von der Verkehrsplanungsagentur Human Impact OG präsentierte das neue Modell. "Es ist klar, eine Verbesserung für Pendler und Schüler in der Region." Die Stundentaktung von 5 bis 22 Uhr, soll in den morgendlichen und nachmittäglichen Spitzen mit Schnellbussen sogar gegenüber der Bahn "beschleunigt" werden. Pendler von Kötschach-Mauthen nach Villach, die bislang 1,55 Stunden unterwegs waren sollen sich so Zeit sparen und nur noch 1,33 Stunden brauchen.

Mehr Plätze in den neuen, barrierefreien Bussen sind ebenso geplant, wie kleine Busse in den Zwischenzeiten. In Randzeiten gibt es den Rufbus. Dieser fährt laut Fahrplan, wenn er vorher telefonisch angefordert wird. Für Raunen im Publikum sorgte der "bedarfsgerechte Taktverkehr" auf einigen Strecken, denn dieser soll erst nach einigen Erfahrungswerten angepasst werden. Die Bürger befürchten eine baldige Reduzierung oder eine Einstellung der einzelnen Linien. Holub versicherte den Bestand des neuen Busplans zumindest für acht Jahre.

Busfahren ist teurer

Auch die Tarife warfen viele Fragen auf, denn Busfahren ist teurer als die Bahnbenützung. In Verhandlungen mit dem Verkehrsverbund soll es gute Lösungen geben, versprachen die Verantwortlichen. Einen vom Bund gestützten Tarif, wie bei der Bahn, wird es aber wohl kaum geben.

Auch wenn das Verkehrskonzept mit derzeitigem Stand für viele gut klang, bleiben Bedenken. Dem Publikum fehlte der klare Anreiz auf den Bus umzusteigen.

Zum Thema wurde auch die Nachnutzung der Gleise. "Eine mögliche Kontamination mit gefährlichen Stoffen durch Eisenbahnschweller, wird von den ÖBB getestet. Man hat auch zugesichert eine Entsorgung etwaiger Giftstoffe durchzuführen, sollte sie notwendig sein", so Holub. Die Nachnutzung werde zu einem späteren Zeitpunkt mit der Bevölkerung diskutiert. Man könne sich einen privaten Zugverkehr in Kombination mit dem Tourismus, oder sogar ein Draisinen-Angebot, also Radeln auf dem Gleis, vorstellen.

Bezirkshauptmann Heinz Pansi plädierte: "Das Konzept sollte so attraktiv sein, dass diese Modellregion tatsächlich ein Mehrwert ist." Das unterstützte auch Christopher Gruber, Geschäftsführer des Nassfeld-Lesachtal-Weißensee Tourismus in Hinblick auf den Tourismus. Alle sind weiters aufgefordert ihre Ideen unter der Emailadresse modellregion@mobilbuero.com einzubringen.

 

 

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    Danke für Ihr Verständnis.

    SchemaF
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    Es wird falsch informiert und...

    ...die Betroffenen werden vor vollendete Tatsachen gestellt - dann werden sie befragt. Was soll das Ganze?
    Wer hat schon 2011 die Einstellung der Bahn beschlossen? Ich hoffe, Herr Holub hat sich falsch informieren lassen - oder erzählt er bewusst etwas Falsches? Und wenn ich mich an die Rede der Fr. Mitsche anlässlich der 100-Jahr-Feier erinnere kommt mir das k.....

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    dalli
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    Der Busverkehr

    wird ohne massive Stützung der öffentl. Hand gegenüber der Bahn wesentlich teurer und daher nicht im gewünschten Maß angenommen werden. Weil der angeblich erfolgreiche Unternehmer Themessl-Huber und seine Lobbyfreunde wollen ja auch entsprechend verdienen.
    Die ÖBB schleicht sich aus dem oberen Gailtal, läßt alles liegen und stehen (Schenkung an das Land) und die Zeche darf die Bevölkerung in Form höherer Peise zahlen. Und das alles nennt sich dann MODELLREGION - das Beste vom Besten. Zumindest der Holub glaubt daran.

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    Himmelherrgott
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    Die Gailtalbahn muss nicht, wie LR Holub erklärte, 2020 sowieso eingestellt werden. Wenn das Land Kärnten einen Bahnverkehr bestellt, fährt die Bahn als 2. Infrastrukturachse im Gailtal weiter! Auch die kolportierten 40 Mill € Investitionskosten in den oberen Abschnitt sind nicht nachvollziehbar. Da der Streckenausbau im gleich Langen unterern Abschnitt samt Elektrifizierung, technische Sicherung der Eisenbahnkreuzungen,neuen Weichen und Signalen sowie Bahnsteigen 26,7 Mill € kosten soll, die Sanierung von jedoch nur 3 km Gleis, Erneuerung einiger Durchlässe sowie die technische Sicherung einiger der Eisenbahnkreuzungen hier jedoch plötzlich 40 Mill. €! Es wird leider viel zu leichtfertig und mit dem Köder eines Bus-Stundentakt (der, wie selbst LR Holub zugab, bei mangelnder Nachfrage "angepaßt" werden muß) die zweite Infrastrukturachse im Gailtal aufgegeben. Eine Bahnlinie in einem Tal wie das Gailtal heute zu bauen wäre völlig unfinanzierbar. Sowas darf nicht aufgegeben werden!!!

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    WernerRobin
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    Herstellung des Ursprungszustandes

    Wenn eine Eisenbahn de facto und de jure eingestellt ist müssen nach dem Eisenbahngesetz jene baulichen Zustände wiederhergestellt werden, die vor dem Bahnbau bestanden haben. Ich weiß nicht ob die Herrn Politiker und Manager der ÖBB dies wohl bedacht haben. Ich möchte an dieser Stelle noch einmal meine Zweifel anbringen, ob das versprochene Verkehrskonzept mit Bussen in Zukunft finanziell zu stemmen ist. Die immer wieder getätigten Aussagen im Parlament, im Landtag und auch bei der letzten Regionalbahntagung in Feldkirchen "den Verkehr von der Straße auf die Schiene zu verlagern" sind nur Schall und Rauch!

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