Interview

Platter: "Osttirol bekommt mehr Förderungen als andere"

Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP) sieht keine Benachteiligung Osttirols durch das Land Tirol. In der Kombination Naturschutz und Tourmismus sieht Platter die Chancen für die Region.

Am Rande der Festspiele in Erl gab Landeshauptmann Günther Platter der Kleinen Zeitung ein Interview
Das Interview mit Landeshauptmann Günther Platter fand am Rande der Festspiel-Eröffnung in Erl statt © PETER KITZBICHLER
 

Herr Landeshauptmann Platter, Osttirol ist nicht nur geografisch benachteiligt. Der Bezirk hat ein Abwanderungsproblem, eine geringere Wirtschaftskraft, der zweite Rettungshubschrauber wurde abgezogen und zuletzt wurden alle Einwände gegen die „Natura 2000“-Nominierungen ignoriert.

Verstehen Sie, dass sich Osttirol auch vom Land, von Innsbruck, benachteiligt fühlt?
GÜNTHER PLATTER: Ich bin ein Fan von Osttirol, ich kenne es lange und gut, auch weil ich die ganzen Alpinausbildungen in Osttirol absolviert habe. Wir haben das Problem der Abwanderung, der Pendler, eine im Vergleich mit anderen Regionen höhere Arbeitslosenquote. Osttirol wird vom Land Tirol in einem Ausmaß bedient, das den Anforderungen gerecht wird. Es bekommt deutlich mehr Förderungen, und das ist auch gerechtfertigt. Durch die Leader-Programme sind 40 Millionen Euro hineingeflossen. Oder bei der Felbertauernstraße, die wir finanziell ganz massiv unterstützt haben.

Ist die Mautfreiheit der Osttiroler gefährdet? Tirol hat ja deshalb Probleme mit der EU.
PLATTER: Es wurde dagegen geklagt. Aber die Felbertauernstraße als ganz wichtige Verbindung muss weiterhin für die Osttirolerinnen und Osttiroler kostenlos sein. Dafür kämpfe ich.

Zurück zur „Natura 2000“. Die Kritik am Nominierungsprozess kommt vor allem von Ihren ÖVP-Bürgermeistern.
PLATTER: Da sind nicht viele ÖVP-Bürgermeister, die Kritik üben. Das sind maximal zwei oder drei Bürgermeister, die eine Benachteiligung sehen. Der Prozess wurde von der zuständigen Referentin Ingrid Felipe geführt. Man ist auf sehr viele Punkte eingegangen, und es wurde nur die Isel ausgewiesen. Links und rechts gibt es keine Ausweisung. Ich bin überzeugt, dass es hier einen positiven Prozess geben wird wie im Lechtal. Denn wir haben ein regionalwirtschaftliches Programm beschlossen, mit dem zehn Millionen Euro ausgeschüttet werden.

Wie soll dieses Programm erarbeitet werden?
PLATTER: Es muss mit den Verantwortlichen, mit dem Regionsmanagement Osttirol, mit den Vordenkern für Osttirol erarbeitet werden. Der Impuls muss von der Region ausgehen, wir setzen die Mittel. Im Lechtal ist das Gleiche passiert. Dort sind in zehn Jahren Investitionen von 96 Millionen Euro der Effekt gewesen. Vorher haben die Bürgermeister vor dem Landhaus demonstriert. Dieselben Bürgermeister sagen heute, wir sind zufrieden. Sie haben im Tourismus einen positiven Impuls gehabt. Jetzt verlängern wir dieses Projekt noch einmal. Wichtig ist, mit Optimismus in die Zukunft zu schauen und sich nicht an etwas festzuhalten, das ohnehin nichts wird.

Sie sehen auch für Osttirol die Impulse in der Kombination von Naturschutz und Tourismus?
PLATTER: Ja. Wir müssen schauen, was wir im Nationalpark, im „Natura 2000“-Gebiet für den Tourismus tun können. Da braucht es natürlich gescheite Projekte, die wir finanziell ordentlich unterstützen, damit wir den notwendigen Rückenwind bekommen. Weil immer der Kraftwerksbau in Verbindung gebracht wird: Hier kann alles trotz „Natura 2000“ entwickelt werden, weil nur die Isel ausgewiesen ist.

Es gibt in Osttirol mehrere Kraftwerksprojekte. Welches präferieren Sie, wie viele Kraftwerke braucht man noch?
PLATTER: Wir haben das Tauernbach-Kraftwerk, eines in Defereggen und eines in Kals in Begutachtung. Die schauen in der Vorbewertung gut aus, wenngleich ich den Behördenverfahren nicht vorgreifen kann. Eher negativ ist die Bewertung bei einem Kraftwerk im Virgental. Da wird es schwierig und das muss man sagen, damit nicht zu viel Geld investiert wird.

Osttirol wurde ein Rettungshubschrauber-Standort weggenommen. Jetzt gibt es nur noch einen. Die Bevölkerung sieht die Notversorgung nicht mehr gewährleistet. Eine berechtigte Sorge?
PLATTER: Die Sorge verstehe ich. In Osttirol möchte ich mir die Situation noch einmal ganz genau anschauen, weil hier im höchst alpinen Raum die Qualität der Versorgung funktionieren muss. Das habe ich dem zuständigen Landesrat Bernhard Tilg mitgeteilt.

Der zweite Rettungshubschrauber ist also aus Osttirol noch nicht endgültig abgeflogen?
PLATTER: Hier ist noch nicht das letzte Wort gesprochen.

Stichwort Matrei: Wie steht es finanziell um diese Gemeinde?
PLATTER: Erstens geht es um Gemeindeautonomie . . .

... ja, aber Sie haben die Gemeindeaufsicht. Ist es nur Oppositionsgerede oder droht der Gemeinde Matrei tatsächlich eine Zwangsverwaltung?
PLATTER: Nein. Eine Zwangsverwaltung vorzunehmen, ist ein brutaler Schritt. Deshalb setze ich darauf, dass die Gemeinde Matrei die notwendigen Maßnahmen ergreifen wird, damit der Verschuldungsgrad zurückgeht und die Aufsichtsbehörde mit gutem Gewissen sagen kann, es geht in die richtige Richtung.

Im nächsten Jahr sind Gemeinderatswahlen. In Osttirol gibt es 28 ÖVP-Bürgermeister, ausgerechnet Lienz hat eine SPÖ-Bürgermeisterin. Die Rückeroberung der Bezirkshauptstadt – setzen Sie Ihrer Partei dieses Wahlziel?
PLATTER: Wir reden hier von einem hohen Niveau, wenn man sich anschaut, wie viele ÖVP-Bürgermeister wir haben. Wir sind die Bürgermeister- und Gemeindepartei. Und unser Ziel ist es, auf diesem hohen Niveau das Ergebnis zu halten.

Bei der 70-Jahr-Feier der Tiroler Volkspartei haben alle 28 ÖVP-Bürgermeister Osttirols gefehlt? Aus welchem Grund?
PLATTER: Es haben sich viele entschuldigt. Der Termin war vielleicht nicht so günstig.

Also dürfen wir nicht daraus schließen, dass zwischen der Osttiroler ÖVP und der Landes-ÖVP der Wurm drinnen ist?
PLATTER: Nein. Wenn es punktuell einmal eine Diskussion gibt, kann man niemals hergehen und das auf ganz Osttirol umlegen. Ich habe wieder einige Kontakte mit Osttiroler Bürgermeistern gehabt, wir sind in einem guten Austausch, sehr freundschaftlich.

INTERVIEW: ANTONIA GÖSSINGER

Kommentare (4)

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beobachter2014
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Auf 10 Jahre ...

10 Millionen auf 10 Jahre, macht also pro Jahr 1 Million für ganz Osttirol!
Und wie ich den LH kenne, wird er das von den Bedarfsmitteln abziehen, wie er den Osttirolern auch die Zuschüsse für die Felbertauernstraße als "für den Bezirk" verkaufen will!
Sind also alle Gelder für die Brennerautobahn und den Brennerbasistunnel Zuschüsse für den Bezirk Innsbruck-Land? Da wäre dieser ja klar bervorzugt ...

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100Hallo
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Keine Benachteiligung!!!!!!

Das Lechtal hat 36 Mil.€ Förderung bekommen. Osttirol 10Mil.€
Das heißt ein Tal bekommt mehr als ein ganzer Bezirk, und ist keine Benachteiligung.

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Salvator
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Berufsjammerer?

Vor dem Losjammern zuerst sich informieren: Der Bezirk Reutte besteht nahezu nur aus dem Lechtal ....- und in Osttirol trifft diese spezielle Förderung ja nicht den ganzen Bezirk, sondern eben auch nur die Iselregion ...

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100Hallo
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1
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Wenn der Bezirk Reutte nur aus dem Lechtal besteht, dann ist es noch schlimmer

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