OberpreiteneggSchneidiger Spezialist mit Hang zu Technologie

Konrad Forsttechnik ist bei der Holzernte im Gebirge Weltmarktführer. Mit viel Einsatz versuchen die Lavanttaler, ihren Vorsprung zu halten.

Markus Konrad mit dem neuen Highlander, „der nächsten Harvester-Generation“ © Helmut Weichselbraun
 

Oberpreitenegg gilt nicht unbedingt als Hotspot der Technologie-Welt. Doch das, was sich hinter den Hallentoren des Weltmarktführers im Bereich der Forst- und Holzerntemaschinen für steiles Gelände abspielt, lässt staunen. Auch wegen der Breite unternehmerischer Tätigkeit: Im neuen Bürotrakt wird an Software- und Elektroniksystem getüftelt, in den Hallen an Prototypen geschweißt oder mit hochmoderner Technologie Lager optimiert.

Ein paar Schritte weiter entstehen die eigentlichen Stars bei Konrad Forsttechnik: vom „Woody“, einem Greifsystem für Lade- und Sortierarbeiten, bis zum „Mounty“, einem Gebirgsharvester-Kran, und – ganz neu – der maximal geländegängige „Highlander“, von dem heuer 15 Stück verkauft werden sollen. In Gelände mit bis zu 100 Prozent Neigung werden mit den Maschinen Bäume geschnitten, mit bis zu vier Metern pro Sekunde entastet und zugeschnitten. Rund 30 Millionen Euro setzt Konrad mit solchen bis zu 500.000 Euro teuren Produkten im Jahr um. Anfang des Jahres wurde das Werksgelände um Entwicklungszentrum und Montagehalle erweitert.

Die Forschung erfolgt in Preitenegg

Forschung, Entwicklung und Endmontage erfolgen in Preitenegg, einzelne Komponenten werden zugeliefert. Die Bedeutung der Steuerungstechnik wächst: „Wie beim Auto: Was früher mechanisch und hydraulisch funktionierte, macht nun die Elektronik“, sagt Firmenchef Markus Konrad. Neuentwicklungen steigern die Effizienz: So berechnet die Maschine selbstständig, wie die Ausbeute optimiert werden kann – in weniger als einer Minute ist ein gesamter Baum zerteilt.

Primus Konrad Forsttechnik GmbH in Preitenegg
Verpackt gehen wertvolle Maschinen aus Preitenegg auf Weltreise Foto © Weichselbraun

Ein Renner ist die Seiltechnik aus Preitenegg: Auf bis zu 800 Meter werden in steilem Gelände Maschinen abgeseilt. Waldarbeit im gebirgigen Gelände ist eine Spezialität der Österreicher, eine Disziplin, in der es Konrad zur Perfektion brachte: „International geht der Trend zur komplett maschinellen Holzernte.“ Eines der neuesten Projekte ist ein Bodenlaufwagen, der an einem Seil – einem Shuttle gleich – den Hang befährt. Neben Dieselmotoren kommen zunehmend Elektroaggregate zum Einsatz.

Industrie 4.0

Das Werk wird konsequent auf Industrie 4.0 ausgerichtet: kürzere Wege, hoher Automatisierungsgrad, reibungslose Abläufe mit optimierten Produktionsplätzen. Mit „Bossard“ wurde die Vision einer schlanken, verschwendungsfreien Fabrik realisiert. C-Teile wie Schrauben und Verbindungselemente werden vollautomatisch per App in Echtzeit überwacht, sobald Mindestmengen unterschritten werden, bestellt die Schütte vollautomatisch nach.

Die Montage eines „Woody“ in der neuen Halle Foto © Weichselbraun

Große Stücke hält Konrad von Big Data. In einem Projekt mit der Wiener Uni für Bodenkultur werden Fahrerdaten aufgezeichnet und ausgewertet – ein bis zu 30 Prozent höherer Output sei so möglich. Die Wertschöpfungsketten werden weiter optimiert: Maschine, Fahrer, Holz-Lkw und Sägewerk kommunizieren miteinander – jedenfalls in Skandinavien. „Bei uns ist das noch Zukunftsmusik“, sagt Konrad, der händeringend Softwareentwickler sucht. Denn das Geschäft läuft momentan gut, nicht zuletzt, weil fünf Prozent des Umsatzes in die Entwicklung fließen.

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