Umfahrung Bad St. Leonhard

Land klagt Gutachter auf 800.000 Euro Schadenersatz

Sachverständiger soll Grundstücke, die für Umfahrung Bad St. Leonhard benötigt wurden, zu hoch bewertet haben. Gutachter bestreitet das. Da außergerichtliche Lösung scheiterte, muss Gericht entscheiden.

Die Umfahrung Bad St. Leonhard beschäftigt das Gericht
Die Umfahrung Bad St. Leonhard beschäftigt das Gericht © Eggenberger
 

Neben der BZÖ-Broschüre beschäftigt ein weiteres Erbe der einst freiheitlichen geführten Landesregierung das Gericht: die Umfahrung Bad St. Leonhard. Beschuldigter ist hier kein Politiker, sondern ein Gutachter. Von dem fordert das Land 800.000 Euro Schadenersatz.

Der Baumeister hat 2006 für das Land 18 Liegenschaften bewertet, die der Umfahrung weichen mussten. Im Gutachten seien die Ablösen zu hoch festgesetzt worden, sagt Rechtsanwalt Christian Puswald, der das Land vertritt. So seien dem Land 2,2 Millionen Euro Schaden entstanden, sagt Puswald und führt ein Gutachten einer Wirtschaftsprüferkanzlei an. Eingeklagt hat das Land „nur“ 800.000 Euro, für die seiner Meinung nach falsche Bewertung von sechs Objekten. „Jene Fälle, bei denen es eine Überschreitung von 40 Prozent und mehr im Vergleich zu unserem Gutachten gibt“, sagt Puswald.

Der Beschuldigte und sein Anwalt Gernot Murko weisen die Vorwürfe zurück. Das erstellte Wertermittlungsgutachten sei schlüssig und richtig, so Murko. Es habe dem erteilten Auftrag entsprochen.

Alle Versuche den Streit außergerichtlich beizulegen, sind gescheitert. Also traf man sich am Donnerstag vor Richter Michael Müller. Welches Gutachten war beauftragt? Ein Verkehrswertgutachten, das gehe aus allen Unterlagen hervor, sagte Puswald. Er hatte den Auftrag, ein Gutachten zu erstellen, dass „die Akzeptanz der Liegenschaftsbesitzer erhalte“, sagte der Beschuldigte. „Das wurde nie ausgesprochen, sei aus der Auftragsstellung aber ableitbar gewesen.“ Es gebe viele verschiedene Werte, bei der Erstellung eines solchen Gutachtens.

Umstrittene Umfahrung

46,85 Millionen Euro kostete die Umfahrung Bad St. Leonhard. Alleine 10,7 Millionen Euro davon bezahlte für Grundstücke. Auch für solche, die nicht gebraucht wurden.

56 Millionen Euro hätte das Vorhaben ursprünglich gekostet. Nach Landesrechnungshof-Kritik und Widerstand von Mitarbeitern der Landesregierung wurde das Projekt „abgespeckt“.

„Das Projekt musste rasch umgesetzt werden“, sagte der Beklagte: Am 21. August 2006 legte er sein Angebot für die Gutachtenserstellung vor, drei Tage später gab das Land sein Okay und am 30. August 2006 waren die Gutachten für die 18 Objekte fertig.

Der Sachverständige hat die Grundstücke dafür nie betreten. Seine Erklärung: Er habe durch jahrelange Tätigkeit die Örtlichkeiten im Bundesland gekannt und die betreffenden Objekte vom Auto aus gesehen und sich so eine eigene Wahrnehmung verschafft. Tatsächlich bewertet hat die Objekte ein „Hilfssachverständiger“ mit dem er lange zusammengearbeitet hat, sagte der Unternehmer. Nach Rücksprache mit ihm und seinen Korrekturen. Befragt werden kann der Mitarbeiter nicht mehr, er ist verstorben.

Der Prozess wurde vertagt. Das Gericht wird einen Gutachter beauftragen, der die Schadenssumme bewerten soll.

Kommentare (2)

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georgXV
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"part of the game"

bei aller USV, höchstwahrscheinlich war auch hier wieder "part of the game" im Spiel ...
(wie z.B. im Fall Birnbac...)

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Baloo74
1
4
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Juhu...

...jetzt muss noch ein Gutachter ein Gutachten über den Gutachter erstellen. Quo vadis, Austria???

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