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    Zuletzt aktualisiert: 05.03.2013 um 13:26 UhrKommentare

    Dörfler: "Die Motorsäge wird sich freuen"

    Gerhard Dörfler, abgewählter Landeshauptmann, über neue Freiheiten, falsche Kompromisse und fehlende Kaltblütigkeit. Interview: Hubert Patterer und Andrea Bergmann.

    Foto © KLZ/Traussnig

    Sie packen hier im Regierungsbüro bereits die Siedlungskartons. Mit welchem Gefühl?

    GERHARD DÖRFLER: Mit Dankbarkeit. Und schönen Erinnerungen. Jetzt kommt wieder eine neue Lebensgeschwindigkeit. Ich kann meine Enkelkinder öfter sehen, die Motorsäge wird sich freuen. Ich war noch nie auf dem Glockner, Hochobir, Alles im Leben hat einen Sinn. Mein kariertes Hemd ist ein Signal für Freizeit.

    Nicht erschüttert? Sie selbst haben das FPK-Ergebnis als desaströs bezeichnet.

    DÖRFLER: Ich bin weder traurig noch angerührt. Ich durfte für dieses schöne Land arbeiten, viele Freundschaften schließen - bis hin zum Dalai Lama. Doch ich habe Fehler gemacht. Sonst wäre die Wahl nicht so ausgegangen.

    Sie alleine, also "Gerhard Dörfler, wer sonst?"

    DÖRFLER: Wir. Die Erwartungshaltung der Bürger war eine andere.

    Was waren die Fehler?

    DÖRFLER: Ich bin kein Machtpolitiker, habe Kompromisse mitgetragen. Beim Plakat-Wahlkampf habe ich mich gegen meine Überzeugung umstimmen lassen. Das ist in die Hose gegangen.

    Die Kärntner wollen diese Gesichter nicht mehr sehen?

    DÖRFLER: So ist es scheinbar. Viele sagen mir heute, sie wollten mich nicht abwählen, sondern nur ein Protestzeichen setzen.

    Wurden Sie stellvertretend abgestraft für Zustände, wo Sie zu wenig Grenzlinien gezogen haben?

    DÖRFLER: Birnbacher/Martinz-Urteile, Hypo. Ich hatte damit nichts zu tun und trotzdem stand ich als Landeshauptmann mittendrin. Ich habe im Windschatten der Affären die Rechnung erhalten.

    Wie sehr war Ihre Loyalität zu den Scheuch-Brüdern ein Fehler?

    DÖRFLER: Politik funktioniert halt anders als das eigene Leben. Ich habe nicht diese Kaltblütigkeit.

    Die Partei putzt sich bereits an Ihnen ab. "Dörfler hat nicht gezogen", kommentierte Ihr neuer geschäftsführender FPK-Chef Christian Ragger den Absturz.

    DÖRFLER: Ich wünsch' ihm alles Gute und hoffe, dass er Landeshauptmann wird. Irgendwann.

    Staatssekretär Josef Ostermayer (SPÖ) meinte, das Ergebnis für Dörfler wäre ohne Scheuch, Dobernig und Ragger besser gewesen.

    DÖRFLER: Es gab viele, auch einen großen Unternehmer, der bereit gewesen wäre, viel Geld in eine Dörfler-Wahlbewegung zu investieren. Aber das tu ich nicht. Jörg Haider hat mich ins freiheitliche Lager geholt. Ich bin nicht illoyal.

    Jetzt sind Ihnen falsche Loyalitäten zum Verhängnis geworden?

    DÖRFLER: Mir geht es um das Positive: die Ortstafellösung, Baltisch-Adriatische Achse, Tauern-Tunnelröhren, Umfahrung Bad St. Leonhard. Aber das wurde vom Wähler nicht honoriert.

    Weil Korruption, Geldverschwendung und auch der FPK-Stil bewertet wurden?

    DÖRFLER: Mein Stil ist anders.

    Als Chef der Regierung hätten Sie ihren Parteikollegen doch öfter ins Ruder greifen können. Beispiel Valentinskonzerte.

    DÖRFLER: Wenn du die Einladung kriegst, ist das alles längst passiert. Mein Leben besteht nicht darin, andere schlecht zu machen. Ich bin konsensorientiert. Auch innerhalb der Partei. Das Ergebnis ist bekannt.

    Wann haben Sie im Wahlkampf gemerkt, dass es kippt?

    DÖRFLER: Am Beginn voriger Woche bei einem Firmenbesuch war die Stimmung kühl.

    Verstehen Sie die Kärntner?

    DÖRFLER: Ich akzeptiere, dass sie ein klares Zeichen gesetzt haben.

    Das Zeichen "es ist genug"?

    DÖRFLER: Die einen wollen Veränderung, andere sind enttäuscht. Es gibt Probleme auf dem Arbeitsmarkt - Pago, Griffner Haus -, es gibt neue Parteien. Die Menschen haben darauf reagiert.

    Bei Ihrem Wahlsieg 2009 haben Sie gemeint: Jörg Haider war der Mentor. Ist das System Haider jetzt mit abgewählt worden?

    DÖRFLER: Die Welt hat sich verändert. Negatives wird aufgesaugt, mit Positivem dringt man nicht durch. Ich liebe dieses Land. Doch es gab eine Pauschal-Dampfwalze. Nach dem Martinz/Birnbacher-Urteil wurde pauschal drübergewalzt und ich wurde Teil des Asphaltes.

    Und es gab ein Urteil wegen Korruption gegen Uwe Scheuch.

    DÖRFLER: Ja.

    In der ÖVP wurde der klare Trennstrich zur alten Riege vom Wähler gewürdigt. In der FPK gab es den Wechsel Scheuch - Scheuch, Sie haben Uwe Scheuch verteidigt, sind nicht klar abgerückt.

    DÖRFLER: Ich habe das nicht klar drüber gebracht, war beseelt von meiner Aufgabe als Landeshauptmann und meinen Projekten - im guten Glauben, die Wähler werden das honorieren.

    Was machen Sie jetzt?

    DÖRFLER: Zeit haben. Ein paar Wochen Pause: mit meiner Frau auf Sizilien oder Mallorca. Ich könnte in die Wirtschaft gehen, Philosoph, Landtagsabgeordneter werden. Das ist vorstellbar.

    Christoph Zernatto (Ex-ÖVP-Landeshauptmann) erzählte, er sei nach der Wahlniederlage in ein schwarzes Loch gefallen. Besorgt?

    DÖRFLER: Ein schwarzes Loch wäre die Diagnose Krebserkrankung und nicht die berufliche Zäsur. Meine Frau und ich haben schon vor Monaten gesagt: Egal was der 3. März bringt, es wird gut.

    Läutete dieser 3. März den Erosionsprozess im dritten Lager ein?

    DÖRFLER: Die Gesellschaft entwickelt sich in Richtung Ich-AG, da können traditionelle Parteien nicht mehr so punkten. Unter den kritischen Kräften wird es einen ständigen Wechsel geben. Den Bonus kriegen Sternschnuppen (Frank Stronach, Anm.), die politisch noch nichts geleistet haben. Aber Oppositionsarbeit ist Knochenarbeit. Da hat das blaue Lager mehr Substanz.

    Jörg Haiders Schwester Ursula Haubner hat schwere Vorwürfe erhoben: Die FPK hätte binnen weniger Jahre ein Lebenswerk zerstört.

    DÖRFLER: Jemand, der in Oberösterreich so erfolglos ist, hat kein Recht auf solche Kommentare. Ich war einmal einen Tag mit ihr wahlkämpfen. Das war wie der Ritt einer Schnecke durchs Land. Jörg Haider ist tot. Man soll ihn endlich ruhen lassen.

    Sie beginnen den Tag mit der Lektüre von Weisheiten. Welcher Spruch trifft Ihre Situation?

    DÖRFLER: (holt "Asiatische Weisheiten" aus dem Regal) "Die Menschen stolpern nicht über Berge, sondern über Maulwurfshügel." - Vielleicht gab es Berge, die ich nur als Hügel gesehen habe und dennoch waren es Berge. Ich bin halt doch auch Philosoph.

    INTERVIEW: HUBERT PATTERER; ANDREA BERGMANN

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      Die Parteiprogramme

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