KärntenPflege zu Hause braucht mehr Geld

Rechnungshof empfiehlt dem Land höhere Förderung für 24-Stunden-Betreuung, die immer öfter gewählt wird. Pflegeheimplatz kostet das Land 1230 Euro mehr.

Der Wunsch nach 24-Stunden-Betreuung zu Hause steigt in Kärnten weiter an © Fotolia
 

In Kärnten verdoppelte sich zwischen den Jahren 2012 und 2015 die Zahl jener Menschen, die 24-Stunden-Betreuung beanspruchte: Von 1211 auf 2257. Das zeigt der Landesrechnungshof auf. Direktor Günter Bauer verweist auf eine Besonderheit: „Die Nachfrage nach 24-Stunden-Betreuung ist groß, obwohl dieses Modell verglichen mit einem Aufenthalt im Pflegeheim nur gering gefördert wird.“

Für einen Pflegeheimplatz zahlt das Land rund 1600 Euro dazu, heißt es aus dem Büro von Sozialreferentin Beate Prettner. Weil die Pension (80 Prozent) und das Pflegegeld des Betroffenen nicht ausreichen.
Doch für die 24-Stunden-Betreuung zu Hause, für die Bund und Land im Anteil 60 zu 40 eine Förderung von 550 zahlen, müssen die Privaten viel mehr berappen. Modellrechnungen des Rechnungshofes haben ergeben, dass diese Betreuung für Pflegebedürftige erst ab einem Nettoeinkommen von mindestens 1500 Euro leistbar sei. Fürs Land aber ergibt sich „eine Ersparnis von 1230 Euro monatlich verglichen mit einem Heimplatz“, rechnen die Rechnungshofprüfer vor. Prettner betont, dass der Rechnungshof "das aus rein betriebswirtschaftlicher Sicht sieht". Es werde unterstellt, dass jemand nur ins Pflegeheim kommt, weil er sich die Betreuung zu Hause nicht leisten könne. Dabei sei es der größte Wunsch der Betroffenen, so lange wie möglich zu Hause bleiben zu können. Das zeigen die steigenden Zahlen der 24-Stunden-Betreuung.

Die klare Empfehlung des Rechnungshofes lautet: Mobile Dienste und 24-Stunden-Betreuung sollen vom Land stärker gefördert werden. Das hätte dann immer noch „positive Auswirkungen auf die Finanzmittel des Landes“.

Vor diesem Hintergrund ist die politische Debatte im Land bereits entflammt. Handlungsbedarf wird von allen Fraktionen gesehen. FPÖ und Team Kärnten fordern vom Land mehr Unterstützung der 24-Stunden-Betreuung. 820 Euro sollen es laut FPÖ-Chef Gernot Darmann sein.
Weil in Kärnten der Anteil der Über-60-Jährigen weiter steigt - und damit die Sozial- und die Gesundheitskosten zunehmen, bekommt Kärnten ein Problem. Der im Finanzausgleich zwischen Bund, Ländern und Gemeinden vereinbarte Kostendämpfungspfad wird nicht eingehalten werden können. Es geht um das Kostenplus für den Pflegebereich von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Der Rechnungshof verweist auf Berechnungen des Landes, die für 2017 bis 2021 von Kostensteigerungen von über sechs Prozent ausgehen.

Die Forderung der Prüfer, das Land müsse Prognosen, Planungen und Ziele bis mindestens 2025 machen, ist in Umsetzung. Im Jänner will Prettner den Bedarfs- und Entwicklungsplan bis zum Jahr 2030 vorlegen. Samt neuen Betreuungsformen für Pflegebedürftige.

Aus dem Rechnungshof-Bericht

Tarife für Pflegeheime: Das Land zahlt an Pflegeheim-Betreiber für jeden Bewohner einen Sockelbetrag als Fixbetrag. Der Rechnungshof kritisiert, dass im Prüfzeitraum 2010 bis 2014 21 der 78 Pflegeheime einen Sockelbetrag erhalten haben, der vom Normtarif abgewichen ist. Der Rechnungshof empfiehlt einheitliche Tarife für alle.
Mobile Dienste: Klienten mussen je nach Einkommen einen Selbstbehalt zahlen, obwohl der Landesanteil an den Kosten gleich bleibt. So sind Klienten mit hohem Einkommen für Anbieter attraktiver. Der RH empfiehlt: Mobile Dienste sollen inklusive Selbstbehalte samt Landesanteil den vereinbarten Normstundensatz bekommen.

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