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Islamexperte im Interview

„Mit den alten Konzepten scheitern wir!“

Islamexperte Ednan Aslan sagt, warum uns Massen-Zuwanderung überfordert und Muslime die Rechte der Frauen akzeptieren müssen.

Geradezu beschwörend fordert Uni-Professor Ednan Aslan dazu auf, die Fehler der Vergangenheit zu erkennen und zu beenden. Dann wird die Integration muslimischer Flüchtlinge leichter
Geradezu beschwörend fordert Uni-Professor Ednan Aslan dazu auf, die Fehler der Vergangenheit zu erkennen und zu beenden. Dann wird die Integration muslimischer Flüchtlinge leichter © KLZ/Jürgen Fuchs
 

Welche Gefahren birgt die Zuwanderung vieler Muslime?

EDNAN ASLAN: Dass wir dafür nicht bereit sind. Wir haben es nicht einmal geschafft, die bisher hier lebenden Muslime zu integrieren. Ich bin unsicher, ob wir neue Zuwanderer mit alten Konzepten bewältigen können.

Unsicher oder skeptisch?

ASLAN: Sehr skeptisch! Muslime finden bei uns keinen Islam eigener europäischer Prägung und haben keine Orientierung, wie die aus der Heimat mitgebrachten Werte und Verhaltensmuster auf die Lebensverhältnisse in Österreich anzupassen sind.

Wie könnte ein aufgeklärter Islam aussehen?

ASLAN: Er muss sich kritisch mit seiner Geschichte auseinandersetzen, daraus lernen und die Religion weiterentwickeln – zu einem Islam, der mit Demokratie vereinbar ist und die Gleichberechtigung der Frau akzeptiert.

Die Übergriffe in Köln und einzelne Fälle von Belästigung in Kärnten verunsichern viele Leute.

ASLAN: Das Problem können wir weder allein auf den Islam reduzieren noch den Beitrag einer bestimmten islamischen Theologie verneinen. Hier ist ein offener und ehrlicher Dialog notwendig, dass das Leben in einer pluralen Gesellschaft eine kritische Reflexion eigener Tradition erfordert, wenn das Zusammenleben zum Vorteil aller gelingen sollte.

Viele junge Asylsuchende glauben nicht an eine Zukunft.

ASLAN: Seine Zukunft zu gestalten, wird keinem geschenkt, auch nicht in islamischen Ländern. Die Jungen sollen verstehen, dass man sein Leben selbst gestalten kann und dass die Möglichkeiten dazu hier viel besser sind.

Islamexperte in Villach

Ednan Aslan (56) leitet die Abteilung für Islamische Religionspädagogik an der Universität Wien. Zu seinen Schwerpunkten gehören islamische Seelsorge, Imam-Ausbildung, Integration oder muslimische Theologinnen.

Diskussion: „Herausforderung Flüchtlinge – wohin geht unser Weg?“ Freitag, 22. 1., 19 Uhr; Villach, Moritschstr. 2, Bambergsaal (Ex-„Parkhotel“). Eintritt frei.

Sind die Flüchtlinge auch eine Chance für Österreich?

ASLAN: Ich weiß nicht, wie Österreich profitieren kann. Viele Ankömmlinge sind nicht gut qualifiziert und fordern unser Bildungssystem heraus. 2015 hatten wir 90.000 Zuwanderer, heuer vielleicht 50.000. Ich bezweifele, dass die Schulen dafür bereit sind.

Was glauben Sie?

ASLAN: Dass der Dialog die Voraussetzung zur Integration und Lösung solcher Probleme ist. Sonst entstehen Spannungen, die uns noch sehr wehtun werden.

Zum Beispiel?

ASLAN: 30, 40 Jahre lang wurde die Anwesenheit der Muslime ignoriert. Ihre religiöse Betreuung wurde Ländern wie Saudi-Arabien oder Katar überlassen. Jetzt müssen wir die Konsequenzen dieser Zentren tragen.

Wie kann man gegensteuern?

ASLAN: Die Zuwanderung kann man nicht rückgängig machen. Aber wir können aus der Geschichte lernen und die Zukunft anders gestalten. Machen wir mit den gleichen Konzepten wie bisher weiter, dann scheitern wir!“

JOCHEN BENDELE