Flick-Pläne verärgern auch Familie Piëch
VW-Chef sieht sich durch Straßenverlegung in Dellach "eindeutig nachteilig betroffen". Auch andere Anrainer sehen die Pläne kritisch. Für sie hat die Öffentlichkeit nichts von dem Projekt.

Foto © Traussnig
Einstimmiger Beschluss der Landesregierung am 10. Juli, erste Information für die Betroffenen am 31. August. Die vielen Spekulationen um die von Milliardärin Ingrid Flick finanzierte Straßenverlegung am Südufer des Wörthersees haben sich die Verantwortlichen selbst zuzuschreiben. Am Freitag gab es eine Infoveranstaltung für etwa 20 direkte Anrainer, Gemeindepolitiker und Interessierte. Gleich vier Vertreter der Familie von VW-Chef Ferdinand Piëch waren dabei. Auf Höhe ihres Anwesens kommt die Straße zum alten Verlauf zurück, sie müssen mit erhöhter Lärm- und Lichtbelastung rechnen.
"Ursula und Ferdinand Piëch sind als Anrainer von den Plänen eindeutig nachteilig betroffen", hält ein Vertreter der Familie Piëch fest. "Vielleicht planen die ja selbst auch eine Straßenverlegung", mutmaßt ein Besucher. "Das ist definitiv auszuschließen", so der Sprecher. Volker Bidmon, Leiter der Straßenbauabteilung beim Land, versucht den Anrainern das Projekt, das sich Ingrid Flick etwa 5,5 Millionen Euro kosten lässt, schmackhaft zu machen.
Fadenscheinige Argumente?
"Es entsteht ein breiter Radweg, ein Seezugang und eine Aussichtsplattform." Argumente, die in einer meist sachlichen, aber doch emotionalen Diskussion, viele Besucher für fadenscheinig halten. "Wozu der ganze Aufwand? Die Öffentlichkeit hat nichts von dem Projekt!" Von einem Radweg-Lückenschluss könne keine Rede sein.
"Wie soll ich denn in Zukunft zu meinem Grundstück kommen?", will eine Anrainerin wissen. "Das wird alles in der Detailplanung berücksichtigt. Zufahrten werden vertraglich gesichert. Jetzt beginnt die Phase der Einzelgespräche", sagt Bidmon. "Was ist, wenn das Gestein nachgibt?" Probebohrungen sollen Klarheit schaffen. "Wo bleibt der Naturschutz?" Alles werde geprüft, "wenn es irgendeinen Bescheid nicht gibt, wird nicht gebaut". Radfahrer und Fußgänger müssen in Zukunft durch einen Tunnel, gute Beleuchtung soll Sicherheitsbedenken zerstreuen.
Die Skepsis bleibt: "In 20 Jahren ist alles zugewachsen, da gibt es keinen Blick mehr auf den See."
Features
Die Pläne im Detail
Auf 865 Meter Länge wird die Südufer-Straße in Dellach um 100 Meter nach hinten verlegt. In dem felsigen Gebiet wird es auch einen 168,5 Meter langen Tunnel geben. Neben der Straße entsteht ein baulich getrennter Geh- und Radweg. Am höchsten Punkt wird die Straße um 23 Meter über dem derzeitigen Niveau liegen. Bis zu 6 Prozent Steigung müssen bewältigt werden.
Finanziert wird das Projekt von Ingrid Flick. Sie zahlt 4 Millionen Euro für die Trassenverlegung und 1,5 Millionen Ablöse für die alte Trasse. Flick schafft sich durch den Deal riesige Seegrundstücke. Profiteur ist auch Ex-Hypo-Boss Tilo Berlin. Geplante Fertigstellung: 2014.
In Maria Wörth hat eine Bürgerin über 600 Unterschriften gegen das Projekt gesammelt. Kontakt über: mutbuerger.tumblr.com














