Mit Wanderstab und Bauchladen
Vom Wanderhändler zum Kaufmann: Die Geschichte der angesehenen Gottscheer Hausierer ist Thema der Gottscheer Kulturwoche.

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Manche kennen sie noch aus ihrer Kindheit oder haben zumindest von ihnen gehört: von den Männern mit dem großen Bauchladen, die von Haus zu Haus zogen, um nützliche Gerätschaften und Alltagswaren anzubieten - die Hausierer, auch "Gottscheberer" oder "Kraner" genannt. Die Gottscheer wurden von Kaiser Friedrich III 1492 mit einem Privileg, dem "Hausierpatent" ausgestattet. Diesem Ereignis sind die heurigen Gottscheer Kulturwochen auf Schloss Krastowitz gewidmet. Das Patent gestattete den Gottscheern, "in Ansehen des erlittenen Türkenruins mit Vieh, ihrem selbst erzeugten Leinwand und ihren einfachen Holzwaren auf das Croatische und andere Gegenden Handel zu treiben", zitierte Wirtschaftshistoriker Werner Drobesch von der Uni Klagenfurt anlässlich der Eröffnung. Das Hausierpatent war als wirtschaftliche Unterstützung für die gefährdete deutsche Sprach- und Volksinsel gedacht.
Die Wanderhändler waren in der Monarchie gern gesehen, ihre Südfrüchte, die sie mit Saumpferden in die nördlichen Länder brachten, fanden als Luxusgut reißenden Absatz. Lange Zeit waren sie diejenigen, die die Gewähr für das Erreichen des allerletzten Winkels boten. "Markterschließung, Bedürfniserweckung und Bedarfsbefriedigung waren wesentliche Funktionen", beschreibt Drobesch.
In der Steiermark war in den 1930er-Jahren Richard Ruppe mit seinem Bauchladen voller Süßigkeiten sehr beliebt. Später wurde er Hotelier in Bad Aussee. Viele junge Männer, die mit den Vätern aufgebrochen waren, kehrten nicht mehr zurück, sondern gründeten in der Fremde Firmen, wie die "Feinmechanische Werkstätte" von Johann Kapsch, die heute ein Telekommunikationskonzern ist. Hans Kresse aus Gottschee gründete in Wien mit einigen Kaufleuten die "Wiener Feinkost-Einkaufsgenossenschaft", die er später in die ADEG überführte. Um 1900 begann der Abstieg des Hausierhandels. "Das Thema der Hausierer ist heute noch aktuell. Es zeigt, dass Kleinhandel mit der großen Wirtschaft nicht mithalten kann", sagt Drobesch.
Features
Die Kulturwoche
Geschichte. 1330 wurden Kärntner und Osttiroler im Karstland Gottschee angesiedelt. Nach Urbarmachung entstanden 176 Ortschaften und die Stadt Gottschee bei Laibach. Nach dem Ersten Weltkrieg völkische Unterdrückung, Besetzung durch Italiener, 1942 Umsiedelung. Nach Kriegsende verfolgt, Tod in Lagern.
Kulturwoche. 3. August, 19.30 Uhr Vortrag Hermann Leustik: "60 Jahre Gottscheer Landsmannschaft in Klagenfurt - eine multimediale Zeitreise", 4. August, 9 Uhr Gottscheer Golfturnier Pörtschach, 20 Uhr Konzert Familientrio Drauschnig, 5. August, ab 9 Uhr Gottscheer Kirchtag. Ort: Schloss Krastowitz. Details: Tel. 0463/ 40 0 26 oder 0463/ 58 50-25 02.












