Milliardärin Flick will noch mehr Privatsphäre
Ausverkauf am Wörthersee oder Projekt mit vielen Gewinnern? Warum Ingrid Flick eine Straßenverlegung finanziert, die Regierung das einstimmig beschließt und was Experten dazu sagen. Von Wolfgang Fercher.

Foto © Grafik: KLZ, Foto: Eggenberger
Diskretion auf der einen, öffentliches Echauffieren auf der anderen Seite. Die Bürger würden "für blöd verkauft", Flick "kauft sich frei", heißt es in Leserbriefen, seitdem vor zehn Tagen die Pläne für die Verlegung der Wörthersee-Süduferstraße in Dellach veröffentlicht wurden.
Die Fakten: Die Straße wird auf 865 Meter Länge nach hinten verlegt. 168,5 Meter davon werden in Form einer Unterflurtrasse geführt. Parallel zur Straße entsteht ein Radweg, den es hier bisher nicht gab. Zudem wird ein etwa 500 Quadratmeter großer öffentlicher Badeplatz entstehen. Flick erhält im Gegenzug die alte Straßentrasse. Etwa 5,5 Millionen kostet das zur Gänze von der Flick-Stiftung finanzierte Projekt.
Flick schweigt zu Plänen
Arnold Mettnitzer, Sprecher der Flick-Privatstiftung will die Pläne nicht kommentieren und verweist auf den Landeshauptmann. Der ist nach wie vor enthusiasmiert: "Ein Supergeschäft für das Land und alle Radfahrer. Die Neidhammel sollen endlich aufhören!", sagt Gerhard Dörfler.
Zudem verweist er auf den einstimmigen Regierungsbeschluss. Auch die SPÖ, die oft vor dem "Ausverkauf der Heimat" warnt, befürwortet das Projekt. "Natürlich ist die Optik nicht ideal, aber das war die einzige Chance, hier einen Radweg ohne riesigen finanziellen Aufwand zu realisieren", argumentiert SPÖ-Chef Peter Kaiser. "Und diese Lücke war immer eines der größten Probleme am Südufer." Das Land hätte laut Kaiser "schon 2006 handeln müssen" - damals kaufte Flick den ehemaligen Wasserübungsplatz des Bundesheeres für 1,8 Millionen Euro. 14.000 Quadratmeter Fläche, 1300 davon am See.
Aber warum finanziert die Milliardärin die Straßenverlegung? "Ohne Straße entsteht ein reines Seegrundstück, das natürlich einen deutlich höheren Wert hat", meint die Maklerin Doris Scarpatetti-Matheis, die schon Immobilien in der Nähe verkauft hat. "Ich glaube aber nicht, dass Frau Flick das aus wirtschaftlichen Gründen macht. Sie will einfach noch mehr Privatsphäre für sich und ihre Kinder." Ein Immobilienprojekt ist derzeit unwahrscheinlich.
Wie viel das Grundstück wert ist, hängt von der Flächenwidmung ab. Aktuell wäre eine Bebauung nur eingeschränkt möglich (Punktwidmung), der Großteil der Fläche ist als Grünland bzw. Erholungsgebiet gewidmet. Das Grundstück befindet sich in prominenter Nachbarschaft, auch die Piëch-Familie und Thilo Berlin werden von der Straßenverlegung profitieren.
"Kein realistischer Preis"
Helmut Rothe von der Bürgerliste Maria Wörth Lebenswert lässt kein gutes Haar an dem Projekt. Land und Flick würden sich "das einfach unter sich ausmachen. Sie zahlt da 350 Euro für einen Quadratmeter Seegrund, das ist kein realistischer Preis!". Je nach Lage und Widmung werden am See sonst 1000 bis 3000 Euro fällig.
Trotzdem wird bereits "nach der Sommersaison 2013 gebaut", sagt Landeshauptmann Dörfler. "Und 2014 haben wir dann auch schon den neuen Radweg."













