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Zuletzt aktualisiert: 11.05.2012 um 22:07 UhrKommentare

Italiens Firmen drängen nach Kärnten

Unternehmer flüchten aus Italien. Und Kärnten ist durch die Nähe erster Ansprechpartner. An einer Standortpräsentation in Mogliano Veneto herrschte jetzt enormes Interesse.

Großes Interesse an der Kärntner Standortpräsentation im Veneto. Es gab noch nie so viele Teilnehmer

Foto © paparazzi1.net/Kropf KlausGroßes Interesse an der Kärntner Standortpräsentation im Veneto. Es gab noch nie so viele Teilnehmer

"EA Kappa". Die drei Buchstaben für Entwicklungsagentur Kärnten sind im Veneto - einer der potentesten Regionen Italiens - Synonym für aktive Ansiedlungspolitik. Bei der jüngsten Standortpräsentation der EAK in Mogliano Veneto fiel das auch den dortigen Journalisten auf: "Ihr seid ja ständig in Italien."

Die Kontinuität und das dicht gewebte Netzwerk macht sich bezahlt. "Die Ansiedlung italienischer Firmen in Kärnten machen bereits 55 Prozent aus", erklärt die Geschäftsführerin der EAK, Sabrina Schütz-Oberländer. Das sind 80 Betriebe mit insgesamt 700 Beschäftigten. Derzeit liegen 120 Anfragen für Ansiedlungsprojekte vor, wobei sich einige als sehr konkret herausstellen. Es ist vorrangig das nahe Kärnten, das als Tor für den Einstieg nach Österreich und die Ostländer gilt. "Nirgends gibt es so viele Ansiedlungen italienischer Unternehmer wie in Kärnten. Und sehr viele Kärntner sprechen Italienisch", gibt Rene Siegl, Geschäftsführer der ABA (österreichische Ansiedlungsagentur) zu. Er bearbeitet im Moment 96 Anfragen aus Italien.

Flucht aus dem Süden

Schön für Kärnten, schlecht für den Wirtschaftsstandort Italien, der durch Unternehmens-Abwanderungen auszubluten droht. Denn im Moment zeichnet sich eine wahre Unternehmer-Flucht aus dem Süden ab. 400 italienische Unternehmer waren der Einladung der EAK gefolgt - so viele wie noch nie. "In meinen 15 Jahren in der ABA habe ich noch nie so großes Interesse an Firmengründungen in Österreich erlebt. Als Ansiedler freut es mich, als Europäer weniger", sagt Siegl. Dieser Exitus hänge vor allem mit den momentanen wirtschaftlichen und finanziellen Unwägbarkeiten in Italien zusammen, aber auch mit der schlechten Zahlungsmoral der öffentlichen Hand, der restriktiven Haltung der Banken und der sich ständig ändernden Steuergesetze. Siegl: "Sie verlieren das Vertrauen in den Staat."

Die Vorteile, die speziell der Standort Kärnten zu bieten hat, muten für italienische Unternehmer nachgerade paradiesisch an: Unternehmensbesteuerung von 25 Prozent, eine schlankere Bürokratie, gut ausgebildete Arbeitskräfte, kaum Streiks, Sicherheit, hohe Förderungen und ein übersichtliches Steuersystem. Dass eine Fabrikshalle in 80 Tagen fertig aufgestellt sein kann, ruft ungläubiges Kopfschütteln hervor. Auch das vergleichsweise übersichtliche Steuersystem sorgt für Staunen.

"Wir müssen die Sprachkompetenz in Kärnten weiter steigern. Darum werde ich mich selbst kümmern", will LHStv. Uwe Scheuch auf das rege Interesse am Standort Kärnten reagieren. Nach Erläuterungen von Wirtschaftsrefent Achill Rumpold über Fördermöglichkeiten hatten die Italiener den Eindruck, Kärnten müsse das Land sein, wo Milch und Honig fließen ...

ELISABETH TSCHERNITZ-BERGER

Veneto stark vertreten

120 Projekte, von Einzelunternehmen bis zu produzierenden Betrieben aus Italien, werden von der EAK derzeit bearbeitet.

80 italienische Unternehmen haben Betriebe in Kärnten errichtet. 80 Prozent der italienischen Betriebsansiedlungen kommen aus dem Veneto.

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