Vereinigung von Mystik und Ekstase
Amo, ergo sum oder die "Kraft des Zueinander": Die Christkönigskirche in Krumpendorf präsentiert das extravagante künstlerische Werk des Abenteurers Heinz Goll (1934 - 1999).

Foto © Hirtenfelder"Letztes Abendmahl" mit Maiskolben
Das "Wörtherseemandl" ist wohl sein populärstes Werk und in gewisser Weise irreführend. Denn Heinz Goll war weit mehr als nur ein Schöpfer von niedlichen Zwergen. Vielmehr war der 1999 in Kolumbien verstorbene Klagenfurter ein Erforscher der menschlichen Existenz, der in seiner Kunst eine Möglichkeit sah, "die Suche nach den Hintergründen des Lebens auszudrücken". Nirgendwo ist dies besser zu erfahren als in der Krumpendorfer Christkönigskirche, einem von Felix Orsini-Rosenberg umgestalteten Sakralraum, den schon bisher erlesene Kunstwerke, etwa einen Altar von Valentin Oman, zum stimmungsvollen Schauraum machten.
Ein sinnliches Ganzes
Direkt vor genanntem Hauptaltar steht eines von vielen Triptychen, die Heinz Goll kurz vor seinem frühen Tod geschaffen hatte. Es zeigt in plakativer, ikonenhafter Gegenständlichkeit das "Letzte Abendmahl", mit goldumrahmten indianischen Gestalten, die sich um ein paar Maiskolben versammeln. Stilistisch an die archaische Bilderwelt der Inkas, aber auch an die Fantastik eines Hundertwasser angelehnt, verknüpfen die monumentalen Gemälde Religiosität und Erotik zu einem großen sinnlichen Ganzen.
Goll, lange Zeit Anhänger der Hippie-Bewegung und schließlich mit der Psychologin Piedad Tamayo verheiratet, hat der Mystik des Weiblichen stets einen besonderen Stellenwert eingeräumt. Dies offenbaren nicht nur seine barbusigen "Jüngerinnen" in den AbendmahlSzenen, sondern auch großformatige Xylographien mit Liebespaaren entlang der Kirchenwände. Karl Matthäus Woschitz, Mitherausgeber einer bei Hermagoras erschienenen Goll-Monografie, schreibt in diesem Sinne: "Inmitten der Vielzahl der Stimmen im Kunstschaffen der Gegenwart begegnet uns in der Gestalt von Heinz Goll eine unverwechselbare, geradezu archaische Stimme, die mit urtümlicher Kraft zu uns spricht. Sie will Ausdruck einer Grunderfahrung sein, die er sich selbst in der Devise ,amo, ergo sum' zusammenfasste, der Liebe als der Kraft des Zueinander und Wertschätzung des Begegnenden".
Sozialkritik
Seine Liebe zum Individuum drückte der selbst ernannte "Vagabund" auch in sozialkritischen Arbeiten aus, etwa in angeketteten Menschenköpfen oder Reliefs mit gefolterten Indianern. Feinsinnige Holzdrucke auf alten sakralen Buchseiten ergänzen die sehenswerte Krumpendorfer Schau, die zugleich eine ehrliche Antwort gibt auf die vielen offenen Fragen bezüglich Glaube und Eros, Kirche und Sexualität.
Heinz Goll in der Christkönigskirche Krumpendorf: Bis 24. Mai; 7 bis 19 Uhr.












