Kärntnerin ist neue Leiterin des Österreichischen Archäologischen Instituts
Ab 1. Oktober übernimmt die 40-jährige Kärntnerin Sabine Ladstätter die Leitung des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI).

Foto © APA/Schwaiger (Archivbild)Sabine Ladstätter
Als Sabine Ladstätter bei einem Volksschul-Ausflug zu den Ausgrabungen auf den Magdalensberg in Kärnten ihre Lehrerin fragte, wer denn hier arbeite, stand ihr Entschluss fest: "Archäologen? Das werde ich auch einmal." Dass sie rund 30 Jahre später zur obersten Archäologin Österreichs aufsteigen sollte, hat sich Ladstätter damals wohl nicht träumen lassen. Ab 1. Oktober übernimmt die 40-jährige gebürtige Kärntnerin die Leitung des Österreichischen Archäologischen Instituts (ÖAI), wie Wissenschaftsminister Johannes Hahn (V) am Mittwoch in Wien bekanntgab.
Konsequenter Weg. Ladstätter verfolgte ihren Weg konsequent, schon als Schülerin nahm sie als Praktikantin an mehreren Grabungen teil. Doch in den vergangenen 18 Monate stieß die Archäologin auf ihrem Karriereweg auf unerwartete Hindernisse: Im Dezember 2007 wurde die damalige stellvertretende Direktorin des Instituts für Kulturgeschichte der Antike der Akademie der Wissenschaften (ÖAW) von Hahn als Nachfolgerin von Friedrich Krinzinger zur Leiterin der seit mehr als 100 Jahren bestehenden, renommierten österreichischen Grabung in Ephesos (Türkei) gemacht. Doch ihre Ernennung stieß auf Widerstand.
Lösung.
Die türkische Seite, die regelmäßig die Grabungslizenz für das zuständige ÖAI erteilt, zweifelte an den Management-Fähigkeiten Ladstätters und verweigerte die Zustimmung zur Bestellung. Hintergrund sollen massive Kämpfe um die prestigeträchtige Position und ein Intrigenspiel österreichischer Kollegen gewesen sein. Hahn hielt allerdings an Ladstätter fest und setzte auf Überzeugungsarbeit. Als Kompromiss übernahm der interimistische ÖAI-Chef, Johannes Koder, die Grabungsleitung, Ladstätter wurde zu seiner Stellvertreterin - eine österreichische Lösung, die auch noch für die diesjährigen Grabungskampagne gilt. Nun wurde Ladstätter ÖAI-Chefin, im kommenden Jahr will Hahn den Türken Ladstätter auch als Grabungsleiterin vorschlagen.
Spezialgebiet.
Spezialgebiet Ladstätters, die an der Uni Graz Alte Geschichte und Altertumskunde sowie Klassische Archäologie studiert hat, ist die Wirtschaftsarchäologie, also die Rekonstruktion von antiker Wirtschaft, Gesellschaft, Handel, Gütertransfer, etc. Diese lässt sich laut Ladstätter am besten anhand von Keramik rekonstruieren, etwa Tafelgeschirr, das einer schnellen Mode unterworfen war und sich deshalb gut für Datierungen eignet. Aber auch der Inhalt von Amphoren, wie Weine oder Öle, deren Herkunft mittlerweile leicht festgestellt werden kann, eignen sich gut zur Rekonstruktion von Handelsströmen. Wie man anhand von ein paar Keramikscherben Geschichte (um-)schreiben kann, hat Ladstätter bei den berühmten Hanghäusern in Ephesos bewiesen. Die in den 1960er-Jahren entdeckten antiken Luxuswohnungen wurden lange Zeit in die Spätantike (4.-5. Jahrhundert n.Chr.) datiert, erst Ladstätters Untersuchungen der in den Gebäuden gefundenen Keramik haben gezeigt, dass es sich um kaiserzeitliche Bauten aus dem 1. bis 3. Jahrhundert n. Chr. handelt.
Laufbahn.
Bereits ihre Dissertation im Fach Klassische Archäologie an der Uni Wien (1997) hat die Wissenschafterin zum Thema "Die materielle Kultur der Spätantike in den Ostalpen" geschrieben. Von 1987 bis 1998 hat sie bei den Ausgrabungen am Kärntner Hemmaberg mitgearbeitet, als 1992 als örtliche Grabungsleiterin. Seit 1995 ist die Mutter einer vierjährigen Tochter in Ephesos tätig, und hat dort u.a. Keramikfunde aus dem Hanghaus 2 bearbeitet. Für die Publikation dieser Arbeiten wurde sie am Institut für Kulturgeschichte der Antike der ÖAW angestellt, dessen stellvertretende Direktorin sie ab 2001 war. 2007 habilitierte sich Ladstätter im Fachbereich Klassische Archäologie zum Thema "Studien zur ephesischen Keramik von späthellenistischer bis spätantiker Zeit".













