Räuber und Gendarm wird's ewig geben
Am Sonntag wird die Gendarmerie 160 Jahre alt - und das vier Jahre nach ihrem Hinscheiden. Trotzdem darf gefeiert werden.
Es waren wilde Zeiten, vor rund 160 Jahren. Teile des Volkes, ja ganze Völker rebellierten gegen eine brüchig werdende Monarchie. Auf wen konnten sich die staatstragenden Kräfte verlassen? Auf niemanden! Also musste man solche Kräfte schaffen - die Gendarmerie.
Verein.
1849, im Jahr nach der Revolution, hatte der erste General-Gendarmerie-Inspector, Johann Franz Kempen, seine Truppe beisammen, deren 16 Regimenter à 1000 Mann in 16 Regionen der k.u.k. Monarchie - vor allem auf dem ungeschützten Land - für Ordnung sorgten. Bis 1918, dem Ende des Ersten Weltkriegs und der Monarchie, war die Gendarmerie ( "Leute unter Waffen" auf Französisch) dem Militär angegliedert. Danach wurden sie zu einem Zivilwachkörper, dessen Angehörige aus dem Volk kamen und - trotz gelegentlichen Ärgers bei der Erfüllung ihrer Aufgaben - nah beim Volk blieben. Dass die österreichische Gendarmerie 2005 der Polizei eingegliedert (und damit aufgelöst) wurde, hat einen originellen Effekt: "Jetzt hat unsere Traditionspflege natürlich eine ganz besondere Bedeutung", sagt Reinhold Hribernig, Generalsekretär der "Gesellschaft der Gendarmerie- und (seit 2005 auch) Polizeifreunde Kärnten". Der Verein hat 1603 Mitglieder, auch aus Wien, Deutschland und der Schweiz und seit der Gründung 1996 fast 130.000 Euro für wohltätige Zwecke aufgetrieben.
Rege Kontakte. Die umfassenden Kontakte mit anderen - und lebendigen - Gendarmerien der Welt haben durchaus etwas Masochistisches, wenn man sieht, wie die gehegt und gepflegt werden. Wenn die italienischen Carabinieri feiern, stattet der Staatspräsident persönlich den Dank der Republik ab. Die Reputation der französischen Gendarmerie "Republikanische Garde" ist nicht zu toppen, sind doch 400 der 3000 Mann-und-Frau-starken Truppe nur für Präsident Sarkozy (und Madame Bruni) zuständig, "von der Sicherheit bis zum Fuhrpark", wie (der nunmehrige Polizei-) Oberstleutnant Hribernig vor Ort miterlebt hat. Auch die legendären kanadischen Mounties , die in Spielfilmen fast immer als unbestechliche, aber naiv-liebenswerte Naturburschen rüberkommen, sind Gendarmen. Und ungefähr zur gleichen Zeit, als die Gendarmerie bei uns weg-intergriert wurde, gründeten Spanien, Italien, Frankreich, Portugal und Holland in Vicenza die "Europa-Gendarmerie", die sofort 800 und in 36 Stunden eine 3000-köpfige Eingreiftruppe für internationale Einsätze aufstellen kann.
Tradition verpflichtet.
"Unser Motto heißt ,Der Tradition verpflichtet, dem Neuen verbunden'", wischt Hribernig mögliche Sentimentalitäten vom Tisch - und weiß sich eins mit Gendarmeriegründer Kempen, der vor 160 Jahren sagte: "Traditionen zu pflegen heißt nicht die Aschenreste der Vergangenheit sinnlos aufzubewahren, sondern das Licht seiner eigenen Geschichte weiterzutragen und niemals verlöschen zu lassen." Das geschieht einmal mehr heute Mittag mit einer Fahnenweihe beim Kirchtag in Maria Saal. Und das wird unterstützt vom Volksmund, denn die Kinder spielen wohl auch dann noch Räuber und Gendarm, wenn keiner mehr weiß, was das ist . . .














