Wo der Schilling noch zählt
Der Kärntner Künstler Wu Shaoxiang (51) macht in seiner alten Heimat China Österreich-Werbung mit einem Lehrbuch über die Geschichte der Skulptur.
Als er 1989 im Zuge des Massakers am Platz des Himmlischen Friedens mit Frau und Kind nach Österreich floh, musste Wu Shaoxiang befürchten, seine Heimat nie mehr wiedersehen zu können. Zu groß waren die Repressalien der chinesischen Kulturpolizei gegenüber dem demokratisch gesinnten Avantgardisten gewesen. Die Ängste des 51-jährigen Malers und Bildhauers haben sich letztlich als unbegründet herausgestellt. Seit einiger Zeit besitzt der ehemalige Asylant, der es in seinem Gastland längst zum prominenten Staatsbürger brachte, wieder ein Atelier in Peking. Und auch als Künstler steht der ehemalige Universitätsprofessor in seiner Heimat wieder hoch im Kurs.
Venus und Bruno. Den offiziellen Beleg dafür liefert ein soeben erschienenes Lehrbuch über die Geschichte der Skulptur, das Wu für Chinas Kunsthochschulen schreiben durfte. Nicht ganz unbescheiden findet sich bereits am Umschlag des kunstgeschichtlichen Streifzugs eines von Wus eigenen Werken: ein weiblicher Torso, den der in Ebenthal bei Klagenfurt heimisch gewordene Künstler aus hunderten Schillingmünzen zusammengelötet hat. Die Münzplastik ist aber nicht das einzige, womit Wu Shaoxiang (der Nachname kommt in China stets zuerst) Österreich-Werbung im Land der Mitte macht. So begegnet man im Bildband gleich zu Beginn der Venus von Willendorf und etwas weiter hinten - zwischen Werken von Henry Moore, Bruno Giacometti oder August Rodin - einer Großplastik des gebürtigen Villachers Bruno Gironcoli.
Aufs Korn genommen. Auch auf seine erfolgreiche Künstlergattin Jiang Shuo hat Wu, der auch eine spannende Autobiographie schrieb, nicht vergessen. Sie ist in dem 230-seitigen Buch unter anderem mit bronzenen Mao-Männchen vertreten, mit denen sie die heutige politische Realität zwischen Kommunismus und Turbokapitalismus aufs Korn nimmt. Dass sie davon selbst profitiert (mit Preisen jenseits der 100.000 Euro-Marke wird ihr niemand übel nehmen.
Unzensiert. Auch wenn viele Arbeiten des Künstlerpaares in China bis heute nicht gezeigt werden dürfen, in Wu´s Lehrbuch sind sie unzensiert vertreten. Bisher zumindest.














