Wortgewaltiger Streiter
Umtriebiger Autor, streitbarer Kolumnist, Mitbegründer des Ingeborg Bachmann-Preises: Heute wäre Humbert Fink 75 Jahre alt geworden.
Den Ingeborg Bachmann-Wettbewerb "hätte es gar nicht gegeben ohne Humbert Fink", sagt mit Marcel Reich-Ranicki ein anderer Gründungsvater des Wettlesens am Wörthersee: "Der Einfall stammt von ihm". Im Jahr 1977 entwickelte Humbert Fink, der heute 75 Jahre alt geworden wäre, mit dem damaligen Chef des ORF-Kärnten, Ernst Willner, eine literarische Veranstaltung "im Stil der legendären Gruppe 47" (so Fink).
Gedichtband und Romane. Der 1933 im süditalienischen Salerno geborene Journalist war mehrmals bei den Tagungen der Gruppe 47 mit dabei. Er selbst hat allerdings - nach einem Gedichtband und zwei Romanen - ein vielversprechende literarische Karriere in den 60er Jahren zugunsten des Journalismus aufgegeben. Aber die Literatur blieb Leidenschaft und Steckenpferd: So führte er zum Beispiel um 1970 einen Disput mit dem Autor Helmut Scharf, der die originäre Kärntner Literatur gerne als Gegenpol zur Moderne sah und einen literarischen "Dachverband" unter politischer Schirmherrschaft anregte. Finks publizistische Antwort in der Kleinen Zeitung: "Subventionen, Kulturbeamte, Lehrer, Schriftstellerverbände sorgen dafür, daß das dürftige Flämmchen heimatlicher Poesie weiterflackert in alle Ewigkeit, und wem das nicht paßt, der mag emigrieren und ein Guttenbrunner, Handke oder gar eine Bachmann werden."
Machiavelli & Co.. Er selbst schrieb Biografien von Persönlichkeiten wie Franz von Assisi, Machiavelli oder Metternich, außerdem stammen aus seiner begnadeten Feder viele Reisebücher. Zwischen 1972 und 1983 war er für die Kleine Zeitung tätig, danach als täglicher Kolumnist der Kronen Zeitung. Dazu kam seine umfangreiche Tätigkeit für den Österreichischen Rundfunk. Mehrmals war er Diskussionsteilnehmer im "Club 2", eine Bemerkung von ihm provozierte übrigens 1979 Nina Hagen zu ihrer legendären Demonstration, wie Frauen zum Orgasmus gelangen können.
Inschrift. Klagenfurt hat mittlerweile eine Straße nach Humbert Fink benannt. Und auf der Homepage der Marktgemeinde Maria Saal, wo Luigi Umberto Fink (so der amtliche Name) bis zu seinem Tod 1992 lebte, finden sich zahlreiche Informationen zu ihm. Auf dem Maria Saaler Urnenfriedhof wurde er auch beigesetzt. Die Inschrift stammt aus seinem 1960 publizierten Roman "Die Absage": "La Speranza heißt die Hoffnung . . . und ich entsinne mich nur zögernd des Lebens, das wie die Hoffnung nicht aufhören kann zu bestehen . . .".
Features
Fakten
Zum Vormerken: Am 4. September um 19.30 Uhr liest Peter Raab im Klagenfurter Musilhaus Texte von Humbert Fink.












