Die meisten Frauen waren im Irrenhaus versammelt
Welche Rolle Frauen vor genau 100 Jahren in Kärntens Zeitungen spielten.
Am 8. März 1908, dem "1. Frauentag", war es unerquicklicher als heute, Frau zu sein. Zumindest, wenn ihre Mini-Auftritte in "Kärntner Tagblatt" und "Klagenfurter Zeitung" ihre Bedeutung richtig wiedergeben:
Beispiele.
Das deutsche Kronprinzenpaar reist nach England, nur "der Kronprinz hat einige Zimmer reserviert". Sechs Kärntnerinnen werden zu "Postoffiziantinnen der neunten Dienstaltersklasse" ernannt. In der Schweiz werden Mormonen zu drei Tagen Haft verurteilt und ausgewiesen, "weil sie die Schweizer zur Polygamie verführen" wollten. (Hier kommen Frauen zwar nicht vor, aber irgendwie geht es schon um sie.) "Ein 74-jähriger Greis heiratet eine 66-jährige Matrone." "Die schöne Winzerstochter Tamara flüchtete aus dem Palast des Schahs von Persien, der sie für 125.000 Franken gekauft hatte." Ein Holzhändler stapelt einer "Dame" 7,75 Kubikmeter verkauftes Holz vor den Schuppen. Da kommt ein "Freund", stapelt kompakt - da sind es keine vier Kubikmeter. (Hat die ein Glück!) Gesucht wird Maria Z. "wegen des Verbrechens des Diebstahls von Kleidern und Bargeld".
Im Roman.
Die meisten aktiven Frauen finden sich im Fortsetzungsroman. Der Ich-Erzähler hat sich ins "Irrenhaus" einweisen lassen, und das platzt fast aus allen Nähten vor lauter Frauen: Eveline Furber (gute Irre), Karoline (böse Pflegerin), Sara (Staffage), Fräulein Humphries (ausländisch).
Werbung weiblich.
Annoncen zielen auf Frauen: "Feinste englische Kostüme und französische Toiletten", das Buch "Wiener Frühjahrsmoden für elegante Modedamen und bürgerliche Hausfrauen. (Geld stinkt nicht, es duftet!)
Politikerinnen.
Ach ja, etwas Politisches gibt es doch noch: In Stuttgart ersuchten Frauen den Gemeinderat, in der Verwaltung aktiv sein zu dürfen, "soweit gesetzlich erlaubt". Ihr Hauptargument: In Deutschland arbeiten schon 23 Frauen in 13 Städten "und die gehegten Erwartungen wurden voll befriedigt".













