Quergedacht: Ein Kreuz auf der Kreuzung
Publizistische Mahnwache nach einem Unfall mit tödlichem Ausgang in Klagenfurt.
Dass ich meine Tochter an Winterabenden zu ihrem Freund chauffiere und auch wieder abhole, geschieht nicht, um ihre Bequemlichkeit zu unterstützen, sondern weil ich das Risiko minimieren will, dass ihr etwas zustößt.
Zebrastreifen. Jedenfalls führt mich mein Weg täglich über den Villacher Ring und durch die Radetzkystraße und ich komme täglich an jener Stelle vorbei, an der im vergangenen Herbst der kleine Lorenz am Zebrastreifen von einem Lastwagen überrollt und getötet worden ist. Seither stehen dort auf der Verkehrshalbinsel brennende Kerzen, seit Weihnachten auch ein kleiner weißer Steinengel. Jeden Abend fürchte ich, diese Trauerzeugen könnten von Straßenräumungsbeamten entfernt worden sein. Finger weg! Auch von Josef Winkler weiß ich, dass er geistig, körperlich und auch publizistisch Mahnwache hält.
Tragödie. Zwar halte ich nicht viel davon, selbst angesichts einer so schrecklichen Tragödie auf Teufel komm heraus einen Sündenbock zu suchen. Ich fürchte, die Tragödie hätte auch ohne Euro und Stadionbau (und infolgedessen verlängerten Bauzeit am Ring) passieren können. Faktum ist, dass für die Sicherheit von Fußgängern in der Stadt nur unzureichend gesorgt ist. Allein am beampelten Fußgängerübergang in der Villacher Straße, wo täglich Hunderte Schüler queren, sehe ich jeden Tag Dutzende Autofahrer das Rotlicht missachten und ungeniert weiterbrausen. Schande über alle! Potentielle Mörder! Bis etwas passiert.
Kerzen. Eines Tages werden die Kerzen auf der Verkehrshalbinsel bei der Radetzkystraße abgebrannt sein. Wenn es so weit ist (ein Winkler-Titel!) fordere ich von den Stadtvätern, hier ein Denkmal aufzustellen, ein Mahnmal für Lorenz, ein Kreuz, vielleicht aus Marmor, darauf der weiße Engel, darunter eine Inschrift, die davon kündet, was unfassbar Schlimmes hier geschehen ist. Soll niemand die Pietätlosigkeit besitzen, in diesem Fall von Budgetengpässen zu sprechen!
Nichts wieder gut. Dadurch würde natürlich nichts wieder gut. Aber niemand in der Stadt soll je vergessen, dass an dieser Stelle einem Kind sein Leben gestohlen worden ist. Niemand soll jemals vergessen, dass an dieser Stelle das Leben seines Vaters und das Leben seiner Mutter zerbrochen worden sind.













