Bloß nicht ins Klischee fallen
Zeit für Operette: "Die lustige Witwe" geht am Stadttheater Klagenfurt ins Rennen um die Publikumsgunst. Als Danilo verführt der Franzose Boris Grappe zum Schwelgen in Franz Léhars Melodien.
Riesenaufregung im Zwergenstaat. Die millionenschwere Witwe Hanna Glawari beabsichtigt offenbar wieder zu heiraten. Damit ihr gewaltiges Vermögen nicht ins Ausland abwandert, bringt das bankrotte Pontevedro seine effektivste Waffe in Stellung: den unwiderstehlichen Gesandtschaftsattaché Graf Danilo Danilowitsch. Doch der ziert sich bekanntlich, seine "alte" Liebe aus Patriotismus beziehungsweise "nur" des Geldes wegen von neuem anzubraten - und geht lieber zu Maxim. Johannes Heesters schmettert den unverwüstlichen Léhar-Hit noch mit 104 Jahren.
Frische Luft. Was den Klagenfurter "Danilo" Boris Grappe allerdings ziemlich unberührt lässt. "Ich vergleiche mich keine Sekunde mit anderen Interpreten," meint der 35-Jährige. Wenngleich: In der Volksoper war er ganz hingerissen vom dänischen Bariton Morten Frank Larson als Graf Danilo.
Verführbar. Für Grappe, der nach Paris und Wien in Klagenfurt frische Luft und Sonne genießt, ist der Diplomat Danilo Danilowitsch ein "noch unsicherer und verführbarer Mann". Trotzdem: Die Rolle gefällt ihm. Auch deshalb weil er um das typische Baritonklischee "Macho-Verführer" weiß und froh ist, dass Regisseur Josef Ernst Köpplinger ihn über dieses Klischee hinaus bringt. Da findet er es selbstverständlich auch gut, dass "Danilos Machismus von Hanna immer sofort als Eifersucht entlarvt wird."
Amüsant. Den slawischen Womanizer, der so gern intim bei Maxim ist hat der gebürtige Franzose bereits an der Opéra Comique in Paris gesungen. Regisseur Jerome Savary legte Wert auf eine amüsante Interpretation der Geschichte. "Josef Köpplinger will zeigen, dass es kein Lachen ohne das Weinen gibt", für Grappe "eine wunderschöne Vision von Operette". Schließlich sei man in diesem Genre ständig in Gefahr, in ein Klischee zu fallen. Damit das nicht geschieht, fordere der Regisseur besonders die Sänger. "Ja, er schüttelt uns sogar," schildert Grappe die Probenarbeit.
Selbstkritik. Seine Begeisterung für diese zupackende Art kommt nicht von ungefähr. Im allgemeinen findet der Bariton es "bedauerlich, dass die Leute zu barmherzig mit meinen Fehlern sind". Damit spricht Boris Grappe seinen französischen Akzent an, den er beim Singen sehr gut verstecken kann. Nur beim Sprechen hapert's. "Ich selbst als Zuschauer bin da gnadenlos," outet er sich als Perfektionist.
Die lustige Witwe. Operette von Franz Léhar. Einführungsmatinee: Heute, 11 Uhr. Premiere: 6. März, 19.30 Uhr, Stadttheater Klagenfurt. Karten: Tel. 0463/54 0 64
www.stadttheater-klagenfurt.at














