"Unsaubere Arbeit"
Fast ein Drittel aller Uni-Arbeiten könnte abgeschrieben sein, fürchtet Plagiats-Experte Weber.
Wie haben Sie es zu dem Titel "Plagiat-Jäger" gebracht?
Stefan Weber: Das war weder Willensentscheid noch Jagdinstinkt. Es begann, als ich entdeckte, dass eine Wiener Psychologin einen von mir verfassten Absatz mit der zentralen These meiner Doktorarbeit als Klappentext zu ihrem Buch verwendet hat.
Worum geht es Ihnen bei Ihrem Kampf?
Stefan Weber: Ausschließlich um die Sinnhaftigkeit der wissenschaftlichen Textkultur. Die ist bedroht, wenn Leute mit einer Copy-Paste-(Kopieren-Einfügen-)Mentalität ganze Passagen aus dem Internet hin- und herschieben. Ich habe diesen Trend zur Micky-Maus- und Bagatell-Forschung schon früher kritisiert.
Man sagt von Ihnen, dass Ihnen diese wissenschaftliche Redlichkeit wichtiger ist als Freundschaft.
Stefan Weber: Natürlich. Ich wurde einmal auf die Bakkalaureatsarbeit eines ehemaligen Studenten und guten Bekannten aufmerksam gemacht. Er zeigte mir stolz sein Werk mit dem Plagiat und sagte, das hätten viele so gemacht. Ich habe das natürlich nicht akzeptiert.
Was werfen Sie der Klagenfurter Universitäts-Assistentin vor?
Stefan Weber: Die Autorin der Diplomarbeit hat die Beschreibung von Wickies Freunden von einer Homepage und die Inhaltsangaben von 78 Folgen ohne korrekten Zitierhinweis aus dem Internet in ihre Arbeit gestellt. Das ginge nur, wenn sie diese Texte selbst analysieren wollte; sonst ist es Etikettenschwindel.
Wie sind Sie mit dem Klagenfurter Fall konfrontiert worden?
Stefan Weber: Ich bin von einem Mitarbeiter des Institutes für Medien- und Kommunikationswissenschaft gebeten worden, mir diese "dünne" Arbeit anzuschauen. Das war eine Premiere. Bis dahin hatte ich schon fünf Fälle aufgedeckt, vier Mal war ich das Opfer des Plagiats.
Wie oft wird in Universitäten unerlaubt abgeschrieben?
Stefan Weber: Studien aus England und den USA kamen zu dem Ergebnis, dass 30 Prozent aller Arbeiten zumindest teilweise plagiiert sind – und damit so unsauber, dass es Folgen gäbe, wenn man darauf kommen würde.
Wie können sich Wissenschaftseinrichtungen schützen?
Stefan Weber: Viele Forscher fordern, dass alle wissenschaftlichen Arbeiten in einer ?digital library“ (Internet-Bibliothek) veröffentlicht werden, so dass sie leichter verfügbar sind und man sie mit Hilfe der Stichwortsuche besser kontrollieren kann. Außerdem befindet man sich in einer rechtlichen Grauzone: Nach dem Universitätsgesetz kann ein akademischer Grad bei Fälschung und Plagiat widerrufen werden. Aber es gibt keine Sanktionen, dass man etwa fünf Jahre nicht erneut antreten darf.
Sie werden sich mit Ihrem Einsatz nicht nur Freunde machen.
Stefan Weber: Rächer der Lehrstuhllosen, Nestbeschmutzer – so etwas höre ich öfters. Aber das ist Unsinn.










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