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Zuletzt aktualisiert: 16.02.2008 um 19:23 Uhr

Sein Wissen bringt das Hirn in Schwung

Heinz Dieter Pohl ist auch in der Pension als Sprachforscher aktiv. Seinem jüngsten "Buch der österreichischen Namen" folgt bald ein Nationalpark-Sprachführer,

Heinz Dieter Pohl hat mit alten Bäuerinnen slowenische Marktausdrücke erforscht

Foto © KoscherHeinz Dieter Pohl hat mit alten Bäuerinnen slowenische Marktausdrücke erforscht

Was soll nur aus einem Buben wie Heinz Dieter Pohl werden, der mit acht Jahren durch die sowjetische Besatzungszone in Wien läuft, kyrillische Buchstaben aufschreibt und im Lexikon nachschlägt, was die Wörter bedeuten? Ganz einfach: ein vergleichender Sprachwissenschafter, der Deutsch, Englisch, Italienisch, Russisch, Serbokroatisch, Slowenisch "und ein bissl Griechisch" spricht. Und der seine Kenntnisse nicht nur als Klagenfurter Uni-Professor unter Studenten und Fachkollegen bringt, sondern auch - populärwissenschaftlich aufbereitet und überaus unterhaltsam - in Büchern für neugierige Laien.

Kostproben gefällig? "Der humoristische Streit um Topfen oder Quark ist insofern originell, weil Österreich das deutsche Topfen verwendet, Deutschland aber das slawisch-stämmige Quark. Meist ist es umgekehrt." Oder: "Die Frikandelle kam einst direkt aus Norditalien nach Österreich, die Frikadelle - ohne ,n' - von Norditalien über Frankreich nach Norddeutschland." Oder: "Allein in Kärnten gibt es zehn Ausdrücke für Kartoffel, darunter Erdapfel, Erdbirne, Erdrübe, Tschompe oder Perkel."

Kein Zufall. Dass sich Pohl auch in der Küchensprache gut auskennt, ist kein Zufall: "Seit ich als Junggeselle 1972 an die Universität Klagenfurt kam, wurde Kochen zu einem meiner größten Hobbys." Neben den normalen besitzt er auch 15 wertvolle historische Kochbücher, darunter ein russisches aus der Zarenzeit: "Da habe ich gelernt, dass für ein richtiges Boeuf Stroganoff das Rindfleisch kurz in Butter angebraten werden muss, ehe es weiter verarbeitet wird." Bis zu zehn Leute hat der inzwischen verheiratete Pohl schon mit mehreren Gängen bekocht, "ich mache auch gern Sacher-, Mohn- und Malakoff-Torte - und Tiramisu".

Ur-Sprache. Sehr wichtig ist Pohl ein sozialpolitischer Aspekt seiner Arbeit, gerade im zweisprachigen Kärnten: "Ich möchte durch Aufklärung ausgleichend wirken!" Seit 3000 vor Christus entwickelten sich aus einer Ur-Sprache alle germanischen, slawischen und romanischen Sprachen sowie das Indo-Arische. "Dass Sprache nationalistisch überhöht und zum Spaltpilz wurde, geschah erst Ende des 19. Jahrhunderts." Sprach- und Ländergrenzen decken sich nicht, es gibt es fließende Übergänge und Überschneidungen. "Wörter verschiedenster Herkunft verschmelzen in den Sprachen und tragen zu deren jeweiliger Identität bei. So sind sich auch die Menschen viel ähnlicher, als sie glauben. Wenn sie das erkennen, dann kommen sie sich automatisch näher!"

Schaffensdrang. Dass er seit Oktober in Pension ist, tut Pohls Schaffensdrang keinen Abbruch. Sein namenkundlicher Führer durch den Nationalpark Hohe Tauern ist fast fertig: "Mit dem kann man die sieben Etappen der Glocknerrunde abwandern und vor Ort lesen, woher die Namen kommen und was sie bedeuten." So etwas gibt es auch für die Glockner-Straße.

Startschuss. Bald kann Pohl mit seiner Frau wieder selbst in die Berge: "Startschuss für uns ist der Vier-Berge-Lauf - da bin ich schon 20 Mal mitgegangen."

JOCHEN BENDELE

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