Literaturdetektiv blattelt Clemens Brentanto auf
Peter Kersche zwischen Weh- und Waldmüller.
Ein alter kroatischer Edelmann, ein in Ungarn lebender verwitweter Franzose, ein venezianischer Feuerwerker, ein Wiener Maler, Erfinder der so genannten Schnellporträts, der mit vorgefertigten Gesichtern durch die Lande zieht und diverse Doppelgänger. Die Novelle "Die mehreren Wehmüller und ungarischen Nationalgesichter" von Clemens Brentano (1778-1842) ist komisch, sehr unterhaltsam und darüber hinaus ziemlich verzwickt.
Literaturdetektiv. In diesen erstklassigen Köder für die Brentano-Forschung hat sich auch Peter Kersche verbissen. Das Ergebnis seiner Ermittlungen liegt nunmehr vor - und zwar in der jüngsten Ausgabe der Literaturzeitschrift "Fidibus". Wie ein Literaturdetektiv geht der Autor, Übersetzer und Bibliothekar am Kärntner Landesarchiv den Geheimnissen und Finten der irrlichternen Novelle auf den Grund. Mit akribischer Genauigkeit beweist Kersche, dass Brentanos Schnellmaler Franz Wehmüller wohl nur Ferdinand Waldmüller sein kann. Er enttarnt die von Brentano gerissen veränderten bis verballhornten Namen, nur bei Wehmüllers "in Klagenfurt ansässigen Doppelgänger Froschauer" kam Kersche auf keinen grünen Zweig. Eine Vermutung deponierte er dennoch: Brentano habe sich für die Figur vom Farbenerzeuger Anton Frischau inspirieren lassen, der witziger Weise nur lächerliche fünf Lackfarben im Programm hatte.
Fidibus. Zeitschrift für Literatur und Literaturwissenschaft. Nummer 4/2007. Im guten Fachhandel. 7 Euro (Jahresabo 13 Euro)













