Welt und Kosmos als Idee
Der Kunstverein startet mit zwei sehenswerten Ausstellungen in die neue Saison. Claus Prokop und Franz Moro gebenschaft.
Wie bei vielen seiner Generation geht es auch Claus Prokop um das Thema Wahrnehmung, um die Erforschung der sichtbaren Welt mit den Mitteln der Kunst. Seine Methoden, um dieses Ziel zu erreichen, sind vielfältig, schwanken zwischen Abstraktion und Konstruktion, aktiver Gestaltung und zufallsabhängigem Prozess. "Ich gehe mit konkreten Vorstellungen an ein Bild heran, aber ich lasse ihm großen Freiraum sich zu entwickeln", umschreibt der der gebürtige Klagenfurter seinen offenen künstlerischen Ansatz.
Abstrakte Manier. Die Hauptwand des Künstlerhauses hat der gelernte Architekt und Prachensky-Schüler ganz in abstrakter Manier gestaltet. Ausgehend von einem Familienfoto, das er digital vergrößerte, schuf Prokop ein auf elementare Zeichen reduziertes Muster, das er mittels Klebefolie wandfüllend zur Geltung brachte - als vage Erinnerung an seine Herkunft. Die Idee dazu kam ihm im Rahmen eines "Kunst am Bau"-Wettbewerbes für ein Linzer Altenheim.
Riesige Komposition. Zu Füßen der riesigen Komposition und etwa verloren inmitten des großen Künstlerhaussaales bewegt sich ein einsamer Planet durchs Weltall. Das unförmige Knäuel - gefangen in einem altertümlichen Monitor - ist einem älteren Tafelbild entnommen, das der mediale Grenzgänger einst auf Leinwand malte.
Idee von landschaft. Seit 2001 bevorzugt Claus Prokop Holzplatten als Bildträger, um darauf mit tonigen Lackfarben "eine allgemeine Idee von Landschaft" zu realisieren. Diffuse Flächen und Horizonte wechseln sich dabei mit pointillistischen Farbtupfern ab, die einen Blick ins Innere der Dinge - atomare Strukturen, Eizellen etc. - suggerieren. Mikro- und Makrokosmos gehen ineinander über. Prokop, der bis zu seinem 14. Lebensjahr an einer unerkannten Sehschwäche litt: "Wenn ich mit einem Flugzeug über eine Landschaft fliege, dann habe ich dasselbe Bild wie wenn ich in einen Kristall blicke".
Videoprojektionen. Videoprojektionen auf transparentem Tüll, Minigemälde in Würfelform und ästhetisch reizvolle Plexiglasinstallationen runden das Bild von einem eigenwilligen Künstler ab, der vor keinem Medium und Material zurückschrickt, der den Trash zum Kult erhebt und wohl auch zu Recht - unter 70 Bewerbern - den mit 10.000 Euro dotierten Kunstpreis 2008 der Kärntner Volksbank erhielt.
Sinnliche Präsenz. Nicht minder abstrakt und feinsinnig, aber von ungleich größerer sinnlicher Präsenz erweisen sich die Landschaftsminiaturen von Franz Moro. In der Kleinen Galerie des Künstlerhauses zeigt der 67-jährige Klagenfurter rund zwei Dutzend Gouachen, die ihm im Vorjahr im Karstgebiet zwischen Triest und Görz buchstäblich aus den Fingern rannen. "Carso", so der Titel des meisterlichen Zyklus, gibt mit seiner heiteren Farbigkeit, seinem zarten Gespinst an Linien eine wunderbare Ahnung vom nahen Süden, von einem Sehnsuchtsort, den der Gütersloh-Schüler immer wieder aufsucht.













