Falscher Doktor verfolgte Fotografen
38-jähriger Kärntner wurde gestern freigesprochen. Er dachte, der Fotograf sei ein Einbrecher.
In Hollywood jagen die Fotografen ihren Motiven hinterher. In Kärnten war es umgekehrt: Da wurde ein Pressefotograf gejagt - und zwar von einem umstrittenen Tierretter. Die kuriose Verfolgung wurde ein Fall für das Landesgericht Klagenfurt.
Kein Titel.
Der Tier-Vereins-Chef musste wegen Nötigung des Fotografen auf die Anklagebank. Aber der Reihe nach: Der Tierretter war in die Schlagzeilen geraten, weil er sich als Doktor ausgegeben hatte, obwohl er keinen akademischen Titel besaß. Viele Bürger dachten fälschlicherweise, der Mann sei Tierarzt. Als die Zeitungen darüber berichteten, wollte ein wackerer Pressefotograf dementsprechendes Bildmaterial an die Redaktionen liefern.
Er fuhr zum Haus des Betroffenen und fotografierte dessen Auto, auf dem in großen Lettern Tierrettung geschrieben stand.
Tierretter.
"Unser Hund begann zu bellen. Meine Frau sah den Mann und dachte, das sei ein Einbrecher", erzählt der Tierretter (38). Kumm gschwind, kumm gschwind, habe seine Gattin gerufen. Der Tierretter kam und fuhr dem vermeintlichen Einbrecher, der eigentlich ein Fotograf war, hinter her.
Der Fotograf erinnert sich: "Er hat mich mit seinem Jeep verfolgt, ist über die Sperrlinie gefahren und hielt mich an."
Unerfreulich.
"Wie schnell wurden Sie vom Beschuldigten überholt?", fragt der Richter den Fotografen. "Das weiß ich nicht mehr, ich war viel zu aufgeregt." Völlig aufgebracht habe der falsche Doktor an den Autotüren des Fotografen gerüttelt. "Ich wollte ihn nur fragen, warum er bei uns einzubrechen versucht hat", rechtfertigt sich der Tierretter. Der Richter findet: "Die Geschichte war für alle Beteiligten unerfreulich. Aber für eine Verurteilung vor dem Strafgericht ist das nichts." Der Verteidiger des Tierretters ergänzt: "In einem Anfall von investigativen Journalismus ist da wohl einiges daneben gegangen."













