Eine poetische Seilschaft für die Mutter Maria
Meina Schellander wird zum heutigen Abschluss des 6. Bildhauer-Symposiums den Maria Saaler Dom mit 600-Metern-Seil umgarnen.
Das Maria Saaler Bildhauer- Symposium ist stets für eine Überraschung gut. War es im Vorjahr das bis heute ungeklärte Verschwinden einer 500 Kilogramm schweren Eichenholz-Skulptur, so sorgte zuvor ein roter Phallus für hochgradige öffentliche Aufmerksamkeit.
Am Geburtsort erhalten. Während die meisten Kunstwerke legal oder illegal wieder verloren gingen, blieben einige ihrem Geburtsort dauerhaft erhalten. Etwa Roberto Tonons "Wächter der Zeit" (2002), der einen Schweizer Besucher so sehr begeisterte, dass er ihn vom Fleck weg kaufte. "Weil er für die beiden vier Meter hohen Figuren keinen Platz in seiner Zürcher Stadtwohnung hatte, ließ er sie in Maria Saal stehen. Nun kommt er alle paar Jahre vorbei, trägt Holzschutz auf und macht ein paar Tage Urlaub bei Freunden", weist Organisator Heiner Hammerschlag auf die Umwegrentabilität des Symposiums hin.
"Konnexion". Beim heutigen Finale wird das internationale Bildhauertreffen erneut für Gesprächsstoff sorgen. Hauptverantwortlich dafür ist Meina Schellander, die den Dom ins Zentrum einer spektakulären Kunstaktion stellte. Unter dem Titel "Konnexion" konzipierte sie eine Hommage an ihre verstorbene Mutter, "die in Ludmannsdorf Schneiderin war und oft nach Maria Saal pilgerte, um bei der Gottesmutter Hilfe zu erbitten". Eine Gedichtzeile von Gustav Janus, übersetzt von Peter Handke, diente ihr dabei als poetischer Anknüpfungspunkt: "Mit gelbem Faden habe ich genäht die Enden des werdenden Tages".
Waghalsige Dachdecker. Die Aufgabe des Vernähens und Umgarnens übernehmen ab heute waghalsige Dachdecker aus Osttirol. Ausgehend von einer Holznadel werden sie ein 600 Meter langes Propylen-Seil über den Dom hinweg und diesen hindurch bis an die Südseite des benachbarten Karners spannen. Hier endet der gelbe Faden in acht Holzobjekten, deren Öffnungen die Wortschöpfung HOMMMAGE ergeben, wobei das mittlere M für Maria und Mutter steht.
15 weitere Künstler. Neben Meina Schellander, deren Rauminstallation bis zum Herbst sichtbar bleiben soll, werden noch fünfzehn weitere Künstler ihre Arbeiten präsentieren, unter ihnen Andres Klimbacher, Erwin Klinzer, Egon Rubin, Wolfgang Walkensteiner oder Manfred Bockelmann. Trotz der diesjährigen Rekordbeteilung dürfte das sechste Bildhauersymposium "voraussichtlich das letzte" sein, wie Heiner Hammerschlag klarstellt.
Zugesagte Gelder fehlen. Nicht nur, dass "die Organisation irrsinnig viel Arbeit bedeutet", so sei er auch der Bittgänge zu Politikern und Sponsoren überdrüssig. Von versprochenen 23.000 Euro sind bis dato gerade 13.000 Euro überwiesen worden. "Wenn die zugesagten Gelder lukrierbar sind, werden wir heuer zurecht kommen", zeigt sich der ehrenamtliche Kulturarbeiter zuversichtlich und freut sich unverdrossen auf das morgige Abschlusskonzert im Freilichtmuseum: mit den Pop-Größen Magou & Dakar Transit (Senegal) und Helgi Jonsson.













