Die Integration passiert ganz nebenbei . . .
Weit über die Hälfte der Volksschüler im Klagenfurter Stadtteil St. Ruprecht sind Migrantenkinder. Im Kunstatelier der VS 16 können sie kreativ sein - vordergründig. Eigentlich geht es aber darum, sie zu offenen Menschen zu erziehen.

Foto © JustHier ermuntert Elvira Steinwender ihre Schützlinge zuzuhören
Nur ganz sanft hat Elvira Steinwender mit dem Klöppel auf die Klangschale getippt. Ein dumpfer, weicher Ton breitet sich im Raum aus. Wie selbstverständlich schließen die Schüler ihre Augen, hören einfach hin. Minutenlang. Mucksmäuschenstill. Erst als das letzte kleine Hallen im Verwehen ist, öffnet einer nach dem anderen im Sitzkreis wieder die Augen. Selten, neun Elfjährige im selben Raum und doch so in sich selbst versunken zu sehen.
Die Klangschale gehört zum Beginn jeder Projektstunde im Kunstatelier in der Volksschule 16 in St. Ruprecht, sie ist eine Art Ritual. "Im Sesselkreis versuche ich mit den Kindern herauszufinden, wie es ihnen heute geht. Was sie beschäftigt, wie sie sich fühlen." Elvira Steinwender ist die Projektverantwortliche des Kunstateliers, mit voller Lehrverpflichtung im Atelier. Ja, hier passiert die Frühförderung kreativen Ausdrucks. Auch.
Projektziele
Die Ziele des Projektes sind die Sensibilisierung der Wahrnehmungsfähigkeit und die "Ich"-Stärkung. Weiters sind Beobachten, Erkennen und Verstehen anderer Schüler wichtige Ziele.
Viel wichtiger aber: Hier lernen die Schüler, sich selbst wahrzunehmen - mit all ihren Stärken und Talenten, mit ihren Mängeln und Wünschen. Und das ist gut so. Das Feintuning in der Selbst- und Fremdwahrnehmung wäre kaum wo in Kärnten besser platziert. St. Ruprecht ist das Multi-Kulti-Viertel Klagenfurts, fast 70 Prozent der Schüler hier haben Migrationshintergrund. Viel Potenzial also für Aggression und gegenseitiges Misstrauen. Aber auch die Chance, das Zusammenleben anders als gewohnt - besser, nämlich - zu gestalten.
Gesteigerter Selbstwert. Alles, was Steinwender mit den Kindern erarbeitet, hat eine Motivation, die tiefer liegt. Die neun Hauptschüler der ersten Klasse werken gerade an ihrem Ich-Buch, für das das Papier handgeschöpft und zu Kapiteln wie "Mein Lebensweg", "Wer mir wichtig ist" oder "Mein Geheimnis" zusammengefügt wird. Lehrerin Steinwender gibt Richtlinien vor, was die Technik betrifft. Wie die Seiten am Ende aussehen, ist den Schülern überlassen. "Die Frage: Passt das so, Frau Steinwender? erübrigt sich. Ich antworte dann mit der Gegenfrage: Bist du zufrieden damit?", erzählt die Lehrerin. Die eigene Urteilsfähigkeit stärken ist ein wichtiger Part des Kunstateliers.
Features
Kunstatelier
2004 wurde mit dem Umbau der VS 16 auf Initiative des "Zentrums Brennpunkt Erziehung" das erste Kunstatelier realisiert. Die bauliche Adaption erfolgte durch das Magistrat Klagenfurt, die Lehrkraft wird vom Land Kärnten finanziert.
Foto

Das Kustatelier in der VS 16 in St. RuprechtFoto © Just












