Unglück im Konfettiregen
Das "klagenfurter ensemble" hatte mit dem "Club der Hoffnungslosen" im Artecielo Premiere. Ein gelungener Blick in den Boxring des Lebens.

Foto © ke/JagoutzPochen auf ihr Unglück: das hoffnungslose Damentrio (Noè, Kropiunig, Ogrisek) und Antitrainer (Lehner)
Das Leben ist ein Boxring. Zumindest im "Club der Hoffnungslosen", mit dem das klagenfurter ensemble Mittwochabend im Artecielo Premiere hatte. Regisseur und Autor Bernd Liepold-Mosser lässt drei Frauen - dargestellt von Magdalena Kropiunig, Luise Ogrisek und Sissi Noè - gegen den Kapitalismus ankämpfen, in dem nur Erfolg und schönes Äußeres zählen. Die Devise des Clubs: kein Leugnen, sondern die schonungslose Wahrheit.
Nichts schuldig. Das fällt den Dreien nach einer promillehältige Nacht, aus der sie mit Makeup-verschmierten Gesichtern zwischen Schnapsflaschen, Zigarettenstummel, Rollstuhl und Boxhandschuhen aufwachen, nicht schwer. Aufgeputscht mit Tabletten attackiert die eine (Kropiuing) als gekonnt aufreizende Mischung aus Domina und US-Fernsehmoderator die anderen, stellt sie bloß und zermalmt den letzen Funken Selbstvertrauen. Doch man bleibt sich nichts schuldig.
Jede greift jede an. Im passend lädierten Party-Outfit (Kostüme: Petra Pflegerl) wird an den Haaren gerissen, mit vorgehaltener Waffe gedroht und jede Illusion in der Luft zerfetzt. Schließlich ist "das Zeitalter der Scham vorbei". Dazu stimmig ist die Live-Musik von Richard Klammer und Primus Sitter.
Auf "hohe Schmutztoleranz" kommt es beim Club der Hoffnungslosen an, wenn sich Mitglieder, in Zigarettenasche sitzend, aus lauter Verzweiflung gleich vier Zigaretten auf einmal anrauchen. Das Publikum hat die Boxring-Bühne durch die Anordnung der Sitzreihen auf drei Seiten immer gut in Blick - vieles aber nur im Profil.
"Flow". Im Finale präsentiert ein angeschossener Anti-Coach (Gerhard Lehner) auf Krücken als Schein-Lösung das Wort "Flow". Das kommt den Damen ungelegen, doch welch ein "Glück": Er stirbt. Rasch werden ihm die Augen ausgesaugt und er wird begraben unter Rollstuhl, Zigaretten und Orchidee. Im Konfettiregen ist sich das Trio einig: "Ich lass' mir doch mein Unglück nicht klauen." Da muss sogar der Tote - unfreiwillig - lachen. Eine bissig satirische Anleitung zum Unglücklichsein - für Kritisch-Glückliche ein gelungener Abend.
Features
Weitere Termine
2. und 3. sowie 7. bis 10. März, jeweils 20 Uhr und im April im Artecielo.
Karten: Telefon
0 46 3/31 03 00.













