Chronist einer unbarmherzigen Vertreibung
Am Mittwoch ist der Schriftsteller Andrej Kokot im Alter von 75 Jahren gestorben. Der Kärntner Slowene arbeitete auch als Übersetzer. Kommenden Samstag findet die Verabschiedung am Friedhof in Klagenfurt-Annabichl statt.

Foto © KK/Drava VerlagAndrej Kokot
Er gehörte zu den Stillen im Land und wohl auch zu jenen, die etwas zu sagen hatten. Und zu erzählen. Etwa vom Makel, als Kärntner Slowene zur Welt gekommen zu sein. Im April 1942, Andrej Kokot war gerade sechs Jahre alt, wurde er mit seiner Familie in diverse Lager des Deutschen Reiches deportiert. Erst 1945 durfte er heimkehren. Seinen Bruder Jo?ek erhängten die Nazis im KZ Mauthausen.
Den kindlichen Heimatverlust und das Schicksal seiner Angehörigen hat der in Oberdorf/Zgornja vas bei Velden geborene Schriftsteller in zahlreichen Gedichtbänden und vor allem in seinem Erinnerungsbuch "Das Kind das ich war" ("Ko zori Spomin") verarbeitet. Gleichzeitig übersetzte Kokot, der von 1963 bis 1980 Sekretär des Slowenischen Kulturverbandes in Klagenfurt war, Texte von Peter Handke, Michael Guttenbrunner oder Erich Fried ins Slowenische. Zuletzt arbeitete er als Kulturredakteur der Wochenzeitung "Slovenski vestnik".
Am Mittwoch ist der Autor, dessen menschliche Größe für viele "wie ein ewiges Leuchten" war (Lojze Wieser), für immer verstummt. Er starb - 70 Jahre nach seiner Vertreibung vom geliebten Wörthersee - nach langer Krankheit im 76. Lebensjahr. Die Verabschiedung von Andrej Kokot findet am kommenden Samstag (10 Uhr) am Friedhof in Klagenfurt-Annabichl statt.













