Überangebot und miese Massagen
Die Wellnessbranche hat keinen Anlass zur Entspannung: Während die Preise steigen, sinkt die Qualität, rügt der neue Relax-Guide.

Foto © KKGerade einmal ein Viertel der Massagen in Wellnesshotels wird positiv bewertet
Stolze 1.029 österreichische Wellnesshotels listet der Relax Guide für das Jahr 2013 auf, darunter 25 Neueröffnungen. Ein Grund zur Freude? Ganz und gar nicht, sagt Christian Werner, Herausgeber des Wellnesshotelführers: "Es sind viel zu viele. Weil durch das Überangebot die Auslastung nachlässt, senken die Hotels die Preise - und damit sinkt die Qualität." Eine Folge davon: Der Relax Guide 2013 zeichnet nur 288 von 1.029 Wellnesshotels mit Lilien, seinem Gütezeichen, aus. Österreichweit haben überhaupt bloß sieben Hotels die Höchstbewertung mit vier Lilien geschafft - und davon liegen drei in Kärnten: das "Aenea" in Reifnitz-Sekirn, das "Ronacher Thermenhotel" in Bad Kleinkirchheim sowie der "Hochschober" auf der Turracher Höhe.
Miese Massagen
"Kärnten ist ein traditionell gutes Wellnessland mit hervorragender Hotellerie", stellt Werner fest. "Und es ist ein gutes Zeichen, wenn Neueröffnungen wie der Karawankenhof im Warmbad Villach zu Urgesteinen wie dem Ronacher aufschließen."
Hohe Angebotsqualität ist längst keine Selbstverständlichkeit mehr: "Das Massageangebot in den Wellnesshotels wird jedes Jahr schlechter", stellt Werner fest. Seine Tester haben gerade einmal ein Viertel der gebuchten Massagen positiv bewertet; "und statt echter Massagen gibt es immer mehr Pseudobehandlungen á la ,Afrikanischer Nofretete-Traum', zu Fantasiepreisen durchgeführt von flüchtig angelernten Hilfskräften", kritisiert der Wellnessexperte.
Kleiner Trost: Wirklich schädlich sind solche Behandlungen nicht - "außer fürs Geldbörsl", sagt Werner. Ein weiteres Ärgernis: Sinnlos-Behandlungen ("Eine einzelne Lymphdrainage bringt überhaupt nichts") und mangelnde Angebote ausgerechnet an den Wochenenden. Ergebnis für den Gast: "Drei Tage Herumsitzen im Bademantel, und kein Treatment verfügbar."
Erstaunlich, dass bei alldem die Preise tüchtig angestiegen sind. Die Nacht im Wellnesshotel (berechnet pro Person mit Halbpension zur günstigsten Saison) kostet derzeit knapp 86 Euro.
Ein Sonderthema im Relax Guide 2013 sind Istriens Spa-Hotels: Die "56 Wellnesshotels auf einer Fläche halb so groß wie das Burgenland", beeindruckten Werner und seine Tester durchwegs nicht: "Eine schwache Vorstellung. Kleine Angebote, schlechter Service, schmutzige Pools, und das bei extremster Aufpreispolitik. Billige Tiefkühlware wird als fangfrischer Fisch aufgetischt, und schon, wenn die Rezeption ein Taxi ruft, kostet das extra." Fazit: "Bei dieser Abzocke sieht man wenigstens, was die heimische Wellnesshotellerie bei aller Kritik wirklich leistet."
Features
Die Besten in Kärnten
Vier Lilien: Aenea (Reifnitz), Ronacher Thermenhotel (Kleinkirchheim), Hochschober (Turracher Höhe).
Drei Lilien: Viva (Maria Wörth), Seefels (Pörtschach), Feuerberg Mountain Resort (Bodensdorf), Daberer (Dellach), Grandhotel Lienz.
Zwei Lilien: Haus der Gesundheit (Reifnitz), Kurzentrum Bad Eisenkappel, Die Post/Pulverer/Felsenhof/Kirchheimerhof (alle Bad Kleinkirchheim), Schrothkur (Obervellach), Kollers (Seeboden), Karawankenhof (Warmbad Villach), Falkensteiner Bleibergerhof, Kurzentrum Bad Bleiberg.














