Filmischer Blick unter Stahlhelm
Der 26-jährige Max Amann präsentiert am Donnerstag seinen Film über den mit 24 Jahren gefallenen Soldaten Anton Willam.

Foto © KLZ/Elke GalvinMax Amann hat zwei Jahre lang am Film gearbeitet
Bei meiner Oma hing das Bild eines Soldaten. Immer wenn ich als Kind nach ihm gefragt habe, hat sie feuchte Augen und eine weiche Stimme bekommen." Als Geschichtestudent und angehender Mediendesigner begann Max Amann, sich dafür zu interessieren, wer dieser Soldat war.
"Mein Mediendesignlehrer an der Berufsschule, Historiker Harald Skorianz, hat mich ermuntert, mich im Rahmen eines Kurzfilmprojekts mit Anton Willam, dem jung verstorbenen Bruder meiner Oma, auseinanderzusetzen", schildert der heute 26-jährige Klagenfurter. Wie aus einem Zwölf-Minuten-Schulfilm nach zweieinhalb Jahren eine filmisch-literarische Auseinandersetzung mit dem Sturm gegen Russland aus Sicht eines einfachen Soldaten entstand, ist fast auch filmreif. Der Zufall unterstützte den jungen Filmemacher.
Er wühlte sich durch Archive in Berlin und Polen und fand heraus, dass Willam 1941 in Norwegen mit 24 Jahren durch einen Kopfschuss gefallen war. Ein dreiviertel Jahr später entdeckte er ein Buch mit Zeitzeugenberichten, in dem ein Mann schildert, Willam habe ihm das Leben gerettet und sei später im Lazarett selber verstorben. Wieder ein dreiviertel Jahr später Amanns wertvollster Fund: Sein Vater hatte in Bregenz Briefe des Gefallenen entdeckt.
Vier Monate lang transkribierte er die alte Schrift des Onkels - und entdeckte, dass der einfache Bregenzer Bauernbursch Texte von der Front in literarisch hochwertiger Qualität geschrieben hatte. Als Amann seinem Chef bei Focusfilm, Gerhard Lapan, das Projekt präsentierte, ermunterte ihn dieser, aufs Ganze zu gehen. Mit Förderungen der Länder Kärnten und Vorarlberg ging es zum Filmen an den Originalschauplatz nach Norwegen. "Plötzlich verstand ich die Briefe viel besser, die Mitternachtssonne, die Umgebung, alles wurde auf einmal lebendig", erinnert sich Amann.
Er fand auch heraus, dass Maler Werner Berg sich in den frühen 1940er-Jahren in Norwegen aufgehalten und Landschaft sowie Kriegsgräuel in eindrucksvollen Bildern verewigt hatte, die Amann verwenden durfte. "Mir geht es darum, einen Blick unter den Stahlhelm des Täters/Opfers zu werfen und die Sprachlosigkeit einer Generation aufzubrechen", betont Amann, der den Film "Auf Wiedersehen. Briefe aus dem Krieg" nach der Premiere am Donnerstag im Volkskino auf diversen Festivals vorstellen wird.
Features
Der Film
Titel. "Auf Wiedersehen. Briefe aus dem Krieg."
Dauer. 29 Minuten.
Buch, Regie, Grafik und Schnitt: Max Amann.
Produzent. Gerhard Lapan.
Mitwirkende. Maximilian Achatz, Klaus Amann.
Musik. Martin Stonitsch
Kamera. Dominik Achatz.
Premiere. Volkskino Klagenfurt, heute 19.30. Eintritt nur mit Einladung.













