Shakespeare in der Achterbahn
Stürmische Zeiten: Die Osttirolerin Cornelia Rainer (30) entfacht ab Donnerstag am Stadttheater Shakespeares "Sturm". Zuletzt begeisterte sie bei den Salzburger Festspielen.

Foto © APACornelia Rainer
Das Bewusstsein, dass Theater immer auch eine Achterbahnfahrt ist, spiegelt sich im Namen ihrer Kompanie: Cornelia Rainer hat im Vorjahr das Theater "Montagnes Russes" (steht im Französischen auch für Achterbahn) gegründet. Rasant bergab ist es mit der 30-jährigen Osttirolerin allerdings noch nicht gegangen, eher rasant bergauf: Heuer etwa setzte sie sich beim Young Directors Projekt" der Salzburger Festspiele in einer selbst entwickelten und mit großem Beifall aufgenommenen Produktion mit dem Sturm-und-Drang-Dichter Lenz auseinander.
Und nun steckt die Lienzerin mitten in den letzten Proben für ihre erste ganz groß besetzte Premiere: Am Stadttheater Klagenfurt entfacht sie ab Donnerstag Shakespeares "Sturm", in dem es um nicht weniger geht als um "das Leben selbst": "In dem Stück ist einfach alles enthalten und gleichzeitig auch immer das Gegenteil davon - Rache und Vergebung, Liebe und Treulosigkeit, Magie und Macht", so der Regisseurin, die "total glücklich ist", dass sie mit Heinz Trixner ihre Wunschbesetzung für den großen Zauberer Prospero (mehr zum Inhalt siehe Info "Sturm") gewinnen konnte. Der 72-jährige Kärntner führt ein Ensemble an, das sich durch große Erfahrenheit auszeichnet: "Ich arbeite gerne mit älteren Schauspielern, weil sie schon eine gewisse Gelassenheit haben", so Rainer.
Sie arbeitet allerdings auch gerne mit Kindern und Laienschauspielern. Im Frühjahr etwa hat sie für das Stück "I Wanna Be (Made)" Kinder und Jugendliche im Alter von 6 bis 14 Jahren auf die Bühne geholt - für viele die erste Theatererfahrung.
Musik trifft Theater
Auch Cornelia Rainer war die Theaterkarriere nicht in die Wiege gelegt. Die Tochter eines Tischlers und einer Hausfrau lernte Oboe und machte eine Gesangsausbildung. Später hat sie auf Bandoneon umgesattelt und tritt damit gelegentlich mit "Franui" auf, drei ihrer vier Geschwister sind fixe Mitglieder des Osttiroler Kult-Ensembles.
Das Theater als große Bilder- und Sprachwelt reizte aber doch mehr als die Musik: Schon während der Gymnasialzeit fuhr Rainer auf eigene Faust nach Wien oder Klagenfurt ins Theater, im Stadttheater etwa sah sie Martin Ku?ejs "Gespenstersonate" und hatte das vage Gefühl: "So etwas möchte ich auch einmal machen." Während des Studiums der Theaterwissenschaften in Wien bot ihr eine französische Regisseurin an, bei ihr zu assistieren. Nach zwei Jahren Paris wird sie Regieassistentin am Wiener Burgtheater, arbeitet mit Stars wie Andrea Breth oder Stefan Bachmann und darf in der Burgtheater-Reihe "Spieltriebe" eigene Stücke inszenieren. Am Haus lernt sie auch Sven-Eric Bechtolf kennen, für den sie eine Monologfassung von Shakespeares "Richard II." schreibt, der erfolgreich am Thalia-Theater Hamburg aus der Taufe gehoben wird. So schließt sich der Kreis, denn Bechtolf ist es, der Rainer als Schauspielchef zu den Salzburger Festspielen holte.
Stürmische Zeiten also für die junge Regisseurin, die demnächst mit ihrer Kompanie wieder ein großes Laienprojekt realisieren möchte. Denn Regieführen hat für sie viel mit "Sammeln, Beobachten, nah am Leben sein" zu tun. Und das geht wohl am besten auf diesem schmalen Grat zwischen etablierten Strukturen und freier Szene.
Features
Zur Person
Cornelia Rainer, geb. 1982 in Lienz. Studierte Theaterwissenschaft und Gesang in Wien und Paris. Von 2005 bis 2009 Regieassistentin am Wiener Burgtheater. Lebt in Wien.
Arbeitete u. a. am Burgtheater, am Thalia-Theater Hamburg ("Richard II."), am Dschungel-Theater Wien und bei den Salzburger Festspielen
Der Sturm
"Der Sturm" gilt als das letzte Theaterstück von William Shakespeare (Bild) und wurde wahrscheinlich 1611 in London uraufgeführt.
Inhalt: Der Zauberer Prospero und seine Tochter Miranda leben auf einer Insel, wohin es Prospero, einst Herzog von Mailand, nach einer Intrige seines Bruders und des Königs von Neapel, verschlagen hat. Seit zwölf Jahren sinnt er auf Rache. Als die Flotte des Königs von Neapel an der Insel vorbeikommt, befiehlt er dem Luftgeist Ariel, das Schiff stranden zu lassen und setzt seine Rachepläne dann um.
Zur Premiere
Premiere 4. Okt., 19.30 Uhr. Stadttheater Klagenfurt. Termine bis 9. November
Karten: Tel. (0463) 54 0 64
Buchtipp: Shakespeare. Der Sturm. Zweisprachige Ausgabe. DTV, 256 Seiten, 9.90 Euro.












