Historiker: "Landtag sitzt auf Pulverfass"
Beim Tag der offenen Tür im Klagenfurter Landtag wollten Besucher viel über Geschichte, aber wenig über Politik wissen. Die Landtagsklubs weitgehend unbesucht.

Foto © EggenbergerMit launigen Worten wies Wilhelm Deuer auf faszinierende Geheimnisse des Wappensaals und des restlichen landhauses hin
Wenig für politische Aspekte, dafür umso mehr für historische Inhalte interessierten sich die Besucher beim Tag der offenen Tür im Klagenfurter Landhaus. Erstmals hatte man den "Tag des Denkmals" mit dem Besichtigungstermin zusammengelegt und Historiker aufgeboten, um den Besuchern auf wissenschaftlich-humorvolle Art Eigenheiten und Geschichte des Landhauses, "eines der bedeutendsten Renaissancegebäude Österreichs", nahezubringen. Wilhelm Deuer, Vize-Direktor des Kärntner Landesarchivs, hatte die Schmunzler auf seiner Seite, als er während einer Führung darauf hinwies, "dass der Kärntner Landtag auf einem Pulverfass tagt". Begründung: "Unter dem heutigen Sitzungssaal war einst das Zeughaus untergebracht, in dem Kanonen, Kugeln und Pulvervorräte lagerten." Vor 115 Jahren zogen dort die ersten Büros der Kärntner Hypothekenanstalt ein, die in jüngster Zeit als "Hypo" auch für "Explosionen" sorgte.
Aber auch im 20. Jahrhundert fand das Landhaus wenig Frieden. So mussten Fresken im Landhaus-Saal, die der Maler Switbert Lobisser im Auftrag der NSDAP angefertigt hatte, abgesägt werden. Jetzt sind sie im Depot und niemand weiß, was man mit ihnen anfangen soll.
Während sich die Besucher um die Historiker scharten, blieben die Landtagsklubs weitgehend unbesucht. Dabei hatten die Parteien extra dafür gesorgt, dass während des ganzen Tages mindestens ein Abgeordneter jeder Couleur anwesend war.
In früheren Jahren hatte man den Tag der offenen Tür an einem Wochentag im Juni veranstaltet, sodass Schulklassen und Kompanien des Bundesheeres von dem Angebot Gebrauch machten. Die sind am Sonntag ausgeblieben. Auch auf eine opulente Bewirtung der Gäste hat man verzichtet - wegen schlechter Erfahrungen. Ein Klubdirektor: "Früher hat's bei uns Freibier und Backhendln gegeben. Aber danach waren die Räumlichkeiten unbenutzbar."















