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Zuletzt aktualisiert: 25.09.2012 um 20:35 UhrKommentare

Harald Scheucher: "Dummheit zum Quadrat"

Harald Scheucher, bis 2009 Bürgermeister von Klagenfurt, wehrt sich gegen Vorwürfe seines Nachfolgers und fragt: "Was ist mit den 67 Millionen Euro Rücklagen in der Stadtkassa passiert?"

Am Sonntag feierte Harald Scheucher seinen 72. Geburtstag. Der ÖVP-Politiker war von 1997 bis 2009 Klagenfurter Bürgermeister

Foto © HasslerAm Sonntag feierte Harald Scheucher seinen 72. Geburtstag. Der ÖVP-Politiker war von 1997 bis 2009 Klagenfurter Bürgermeister

Sie wirken so entspannt. Haben Sie denn kein schlechtes Gewissen?

HARALD SCHEUCHER: Nein. Warum sollte ich?

Ihr Nachfolger Christian Scheider wird wegen seiner Ausgaben für Geschenke kritisiert. Er sagt, dass Sie schuld daran sind. Wenn Sie die sogenannten Handelswaren in Ihrer Ära rechtzeitig aufgestockt hätten, müsste er nicht so viel einkaufen.

SCHEUCHER: Das ist lächerlich. Ein absoluter Unsinn. Zuerst hat man versucht mich wegen meiner Verfügungsmittel anzupatzen und jetzt soll ich plötzlich zu wenig ausgegeben haben?! Ich habe mir nach dem Ende meiner politischen Karriere vorgenommen, keine öffentlichen Kommentare mehr zu aktuellen Vorgängen abzugeben. Aber mir reicht's jetzt. Das ist Humbug, eine Dummheit zum Quadrat.

Die Finanzreformkommission rät Klagenfurt, die Finger von Großprojekten zu lassen, weil das Geld dafür fehlt. So erfolgreich kann die Regierung Scheucher nicht gewirtschaftet haben . . .

SCHEUCHER: Ich verbitte mir solche Schlussfolgerungen! Das Ende meiner Amtszeit liegt dreieinhalb Jahre zurück. Finanzreferent Walter Zwick und ich haben unseren Nachfolgern ein wohl bestelltes Haus übergeben. Die Stadt hat zu diesem Zeitpunkt 67 Millionen Euro aus dem Verkauf der Stadtwerke-Anteile an den Verbund auf der hohen Kante gehabt. Ich frage mich, was mit dem Geld passiert ist, das wir damals angelegt haben. Und was das Wirtschaften angeht: In der Ära Zwick/Scheucher hatte Klagenfurt sogar 2008, in dem Jahr, in dem wir die Fußball-Europameisterschaft ausgerichtet haben, einen positiven Rechnungsabschluss.

Die Fußball-EM ist ein gutes Stichwort. Was ist beim Stadion gelaufen?

SCHEUCHER: Gelaufen?!

Ist im Hintergrund Geld an politische Parteien zurückgeflossen wie offenbar im Fall Birnbacher? Immerhin hat es sich um einen Millionenauftrag der öffentlichen Hand gehandelt.

SCHEUCHER: Das schließe ich 100-prozentig aus. Kein anderes Verfahren in diesem Land ist begleitend und im Nachhinein so genau überprüft worden wie die Auftragsvergabe für das Klagenfurter Stadion. Andere handelnde Personen hätten wahrscheinlich gerne mehr Einfluss genommen, aber das ist zum Glück nicht gegangen.

Andere handelnde Personen? Jörg Haider?

SCHEUCHER: Ja. Aber wie gesagt: Alles ist bis ins Detail überprüft worden und absolut korrekt abgelaufen.

War der Bau des Stadions aus heutiger Sicht ein Fehler?

SCHEUCHER: Nein. Durch die Mitfinanzierung von Bund und Land sowie durch die Sonderbedarfszuweisungen hat die Stadt quasi ein Stadion geschenkt bekommen. Und hätte man den damals von ÖVP, SPÖ und der nunmehrigen FPK beschlossenen Rückbau wie geplant durchgezogen, wäre das Thema längst erledigt. Ich kann nichts dafür, dass die Stadtpolitik, was das Stadion betrifft, nach meiner Abwahl jahrelang die Hände in den Schoß gelegt hat.

Bürgermeister Scheider sagt, er sei doppelt so viel unterwegs wie Sie früher.

SCHEUCHER: Er ist singend auf irgendwelchen Festen in Klagenfurt unterwegs. Aber als Bürgermeister hat man auch die Aufgabe, für seine Stadt in heiklen Dingen unterwegs zu sein. Als es ums Stadion gegangen ist, bin ich zum Beispiel ein Mal pro Woche in Wien gewesen. Mehr will ich zu meinem Nachfolger aber gar nicht sagen. Er hat es ja auch nicht leicht. Das Terrain ist sicher schwieriger geworden. Schauen Sie sich nur an, was in letzter Zeit im Rathaus los ist! Es spricht ja Bände, wie man mit einem Top-Juristen wie Magistratsdirektor Peter Jost umgeht. Er ist ein hervorragender Mitarbeiter, den man nicht einfach monatelang spazieren schicken kann.

Sie selbst haben über Jost gesagt, dass Sie sich in der Zulagenfrage "hintergangen" fühlen.

SCHEUCHER: Ich habe nur gesagt, wenn da etwas rechtswidrig sein sollte, dann habe ich davon nichts gewusst.

Noch einmal zu Jörg Haider: Der frühere ÖVP-Obmann Georg Wurmitzer sagt, dass Sie entscheidend an seinem Sturz beteiligt gewesen sind, weil Sie von Haider abhängig waren.

SCHEUCHER: Wenn ich von Haider abhängig gewesen wäre, hätte ich nicht die Koalition mit seinen Parteikollegen in der Stadt beendet. Ich bin von niemandem abhängig gewesen und das weiß Wurmitzer. Er hat von mir auch schon einen diesbezüglichen Brief bekommen.

GEORG LUX

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